South Park - Die rektakuläre Zerreißprobe [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 05.11.2017 um 15:45

 

Von Analsonden und Kleinstädten in Colorado

 

Mit „South Park“ gelang den beiden Schöpfern Matt Stone und Trey Parker eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. So konfrontieren die Bewohner des Städtchens South Park seit über 18 Jahren ihre Zuschauer mit allerlei kontroversen und aktuellen Thematiken und scheuen nicht davor zurück, diese etwas überspitzt, manchmal auch grenzwertig darzustellen. Neben der Zeichentrickserie, die mittlerweile über zwanzig Staffeln zählt, gibt es außerdem einen Kinofilm und unzählige Videospiele.
Doch leider waren die Umsetzungen von „South Park“ für Konsolen leider alles andere als gut, was sich aber mit dem letzten Spiel komplett änderte. So setzte „South Park – Der Stab der Wahrheit“ komplett auf ein Rollenspiel-Grundgerüst und punktete neben der guten Spielbarkeit mit den vielen Anspielungen auf „Game of Thrones“ & Co.

Nun erscheint mit „South Park – Die rektakuläre Zerreißprobe“ der neueste Teil, der euch diesmal in die Welt der Superhelden versetzt. Wie gut er dabei seine Arbeit macht, verraten wir euch in unserem Test.

 

Von einem Hype zum Anderen

 

„South Park- Die rektakuläre Zerreißprobe“ beginnt in der Hochphase des letzten Teils, in dem die Kids alle noch von Fantasy-Abenteuern gehyped sind. Doch auf dem Siedepunkt des Kampfes zwischen den verfeindeten Gruppen erscheint plötzlich Cartman in der Rolle seines Superhelden-Alteregos Coon und erklärt den Hype für beendet. Superhelden seien jetzt wesentlich cooler und müssen South Park vor bösen Mächten beschützen.

In der Rolle des neuen Kinds im verschneiten Städtchen wollt ihr natürlich auch bei dem neuen Spiel mitmachen, müsst euch aber erst einmal Coons Respekt würdig erweisen und euch natürlich auch eine Superhelden-Rolle ausdenken. Anschließend stellt sich  euer Trupp nicht nur den Bösewichten South Parks sondern auch der Konkurrenz, den Freedom Pals und ihrem Anführer Professor Chaos.

 

 

Sei ein Held!

 

Am Anfang eures Daseins als Superheld müsst ihr euch natürlich erst einmal für eine Spielfigur entscheiden. Zunächst geht es an die Optik des Neuen, die mit zahlreichen Einstellungen individualisiert werden kann. Böses Detail am Rande: eure Hautfarbe definiert eure Schwierigkeiten, die ihr dann im Leben haben werdet.

Neben dem Aussehen ist es natürlich wichtig, welche Klasse ihr wählt. So stehen zu Beginn drei Charakterklassen zur Wahl: der Brutalist ist Nahkampfspezialist, der Speedster eher eine Figur in Richtung Magier. Wollt ihr es einigermaßen ausgewogen, entscheidet ihr euch für den Blaster. Zu einem späteren Zeitpunkt im Spiel kann sich außerdem für eine zweite Klasse entscheiden, welche noch einmal andere Fähigkeiten mit sich bringt.

Auf eurem Charakterbogen seht ihr dann künftig, welche aktiven Aufgaben gerade laufen und welchen Fortschritt einige Nebenaktivitäten und Erfolge aktuell haben. Außerdem werden dort mit fortschreitender Spielzeit Dinge wie Schwächen festgelegt.

Dank Artefakte könnt ihr außerdem eure Mannschaft verstärken, denn insgesamt zieht ihr mit vier Figuren in den Kampf. Ach, apropos Kampf...

 

Rundenstrategie statt Rollenspiel

 

Aufgrund seiner Thematik orientierte sich der Vorgänger in seinen Grundprinzipien an rundenbasierten Rollenspielen wie „Final Fantasy“ & Co. , der Nachfolger widmet sich nun der Rundenstrategie a lá „Xcom“. So finden die Kämpfe in einem, in Quader aufgeteiltem Areal statt, in der ihr eure Figuren erst positioniert und dann aus verschiedenen Aktionen wählt.

Während ihr durch South Park lauft, trefft ihr immer wieder auf gegnerische Gruppen, denen ihr aber mit einem Erstschlag vorherkommen könnt. So macht ihr den Anfang im Kampf, geratet ihr allerdings in einen Hinterhalt, macht der Feind die ersten Züge.

Gibt es in Genrevertretern noch Umwelteinflüsse wie Hindernisse oder hohe bzw. tiefere Kampfebenen, findet dies bei „South Park – Die rektakuläre Zerreißprobe“ alles auf einer Ebene statt. Dafür kommen bestimmte Kniffe hinzu, wie zum Beispiel das Schleudern von Feinden auf einen Anderen, wenn diese hintereinander stehen, die sog. Rückstoß-Kombo.

Auf dem Feld selbst werden euch die Reichweite eurer Bewegung und der eurer Angriffe angezeigt, mit den Tasten Quadrat, Kreis und Dreieck wählt ihr aus eurem Repertoire an Attacken. Bei der Ausführung dieser müsst ihr häufiger dann noch ein kleines Minispiel absolvieren, in dem ihr zeitig die X-Taste drückt. Somit führt ihr euren Angriff möglichst heftig aus. Werdet ihr von eurem Gegner attackiert, habt ihr erneut ein Zeitfenster um rechtzeitig den X-Button  zu betätigen und füllt somit langsam eure Superenergie-Leiste. Ist diese voll, könnt ihr einen vernichtenden Angriff ausführen.
Manche eurer Attacken haben außerdem Zusatzwirkungen wie Feuer oder widern eure Gegner an.

 

 

Willkommen in South Park!

 

Neben eurer Tätigkeit als Superheld und den Kämpfen gegen böse Sechstklässler, Hooters-ähnlichen Raisins-Girls oder etwas zu liebesbedürftigen Pfarrern, könnt ihr eure Zeit in South Park aber auch mit vielen anderen Dingen verbringen.

So kann man eigentlich jedes Haus betreten, sich dort umschauen und die Schränke und Schubladen nach kostbaren Materialien durchforsten. Hin und wieder trefft ihr dabei auf einen Questgeber, der für euch eine Mission bereithält. Auch wichtig: mit Selfies über den Socialmedia-Kanal Coonstagram sammelt ihr wichtige Follower für eure Superheldentruppe! Manche Einwohner der Stadt wollen aber auch hier erst eine bestimmte Aufgabe erledigt sehen, bevor sie sich vor eure Handykamera begeben.

Dank dem Untersuchungsmodus, den ihr durch Druck auf die L2-Taste aktiviert, seht ihr außerdem bestimmte Objekte und ob ihr damit interagieren könnt. So verrät euch diese Ansicht zum Beispiel, ob ihr mit Hilfe von Knallfröschen den Riss in einer Wand öffnen könnt.

Die Nebenaufgaben reichen von klassisch(besiege Gegner XY) über reichlich seltsam(sammle Yaoi-Bilder) bis hin zu irgendwie geschmacklos(benutze jede Toilette in South Park, inklusive Minispiel). Aber genau das macht ja auch schon die Serie aus.

 

Basteln und Leveln

 

Durch die Stadt bewegt ihr euch entweder zu Fuß oder mit Hilfe der Blitzreise-Stationen. Diese müsst ihr aber erst nach und nach freischalten, das Reisen gestaltet sich damit jedoch wesentlich komfortabler. Zu Beginn steht euch nicht die ganze Stadt zur Verfügung, viele Abzweigungen werden durch Hindernisse wie Lavaberge(rote LEGO-Steine!!!) blockiert. Hin und wieder werden Kämpfe auch durch vorbeifahrende Autos unterbrochen, in solchen Momenten gehen die Kids anständig von der Straße. Das erinnert einen an die eigene Kindheit und ist ein echt geniales Detail!

Dank eures Smartphones habt ihr sämtliche Features des Spiels immer dabei. So greift ihr damit auf die Karte zu, verwaltet euer Team oder die Items. Ebenso könnt ihr über das Gerät verschiedene Dinge wie neue Anzüge, Artefakte oder Hilfsmittel craften. Wie es sich gehört, müsst ihr die dazu gehörigen Anleitungen und Materialien aber erst einmal finden.

Wie es sich für ein ordentliches Taktik-Rollenspiel außerdem gehört, könnt ihr eure Figur aufleveln. Dies geschieht natürlich durch erfolgreiche Kämpfe, aber auch mit Hilfe dem Erledigen von Nebenaufgaben & Aktivitäten. Das Leveln geht hier jedoch recht langsam von statten, belohnt euch aber bei jedem Stufenanstieg mit einem neuen Artefaktplatz und anderen Boni.

 

 

Das sieht ja aus wie echt!

 

Eine der größten Stärken des Vorgängers und auch des aktuellen Spiels ist definitiv die Grafik. Denn auch „South Park – Die rektakuläre Zerreißprobe“ sieht aus wie die Zeichentrickserie. Das beginnt bei den spärlichen Animationen und reicht hin bis zur Optik, die man so 1:1 aus dem TV kennt. Und auch wenn die Darstellung und Abbildung der Charaktere und Hintergründe meist recht grob ist, findet man doch viele nette Details im Hintergrund. Da merkt man, dass viel Liebe reingesteckt wurde.

Das gleiche gilt für die musikalische Untermalung, die das etwas überzogene Vorbild von Superhelden-Abenteuern exakt abbildet und für viel Theatralik im richtigen Moment sorgt. Sowohl Anhänger der deutschen wie auch englischen Synchronsprecher kommen bei der Videospiel-Portierung übrigens auf ihre Kosten, denn beide entsprechen den Originalen aus der TV-Serie.

 

FAZIT: Auch für Nicht-Freunde der Serie empfehlenswert!

 

Serien wie „South Park“ mag man oder hasst man. So muss man mit dem derben und oftmals politisch unkorrekten Humor klarkommen, außerdem sollte man keine Probleme mit Pipikaka-Witzen haben.

Und auch wenn „South Park – Die rektakuläre Zerreißprobe“ doch in seinen Grundzügen sicherlich nicht mit Taktikgrößen wie „Xcom“ mithalten kann, ist es ein tolles Spiel geworden. So überzeugt das leicht zu erlernende Kampfsystem mit kreativen Angriffen und viel Witz in Form der Dialoge der Figuren, außerdem nimmt das Spiel das Superhelden-Genre und vor allem dessen Vermarktungsmaschinerie dahinter einfach herrlich auf die Schippe.

Hinzu kommen die vielen kleinen Details, die für Kenner der TV-Serie eingebaut wurden und die das Spielerlebnis noch einmal tiefer machen. Aber wie oben schon angedeutet, sollten auch Nicht-Freunde der Serie dem Spiel mal eine Chance geben, denn es hebt sich relativ deutlich vom Rest des Spiele-Allerleis ab, was man in den letzten Monaten ab und an so präsentiert bekam.