Warum "Leichen pflastern seinen Weg" der beste Western aller Zeiten ist

Verfasst von Sadwick am 20.10.2017 um 20:23

 

Wer das Ende von "Leichen pflastern seinen Weg" sieht, hat genau zwei Möglichkeiten. Er wird diesen Film nie wieder anrühren, weil er die Erbarmungslosigkeit verabscheut, mit dem Sergio Corbucci diese menschengemachte Hölle vollendet. Oder er wird diesen Film lieben, weil er kompromisslos und konsequent wie kein anderer Western ist. Denen zuliebe, die diesen Meilenstein noch nicht gesehen haben, sei hier darauf verzichtet, noch näher auf das Finale einzugehen. Man sollte sich allerdings auf etwas gefasst machen (und es ist wohl nicht ohne Grund, dass auf Druck des Produzenten auch noch ein alternatives Ende gedreht wurde).


Nun aber nochmal von vorn: Nur wenige Sekunden reichen, um diesen Western zu etwas ganz Besonderem zu machen. Wie Klaus Kinski als Kopfgeldjäger Loco durch den Schnee pflügt, das erinnert an die Tour de Force in "Fitzcarraldo", als er wie besessen ein Schiff durch einen Urwald ziehen lässt. Corbucci erzählt seine Geschichte genre-untypisch im verschneiten Utah, die Kälte kriecht hier auch in die Seelen der Dorfbewohner, alles an der Umwelt wirkt hier bedrohlich - und anders als die offene Prärie ist der Bergkessel wie ein unentrinnbares Gefängnis für seine Bewohner. 

Wo das Setting den größtmögliche Gegensatz zur Gluthitze der amerikanischen Wüste zeigt, ist der Plot klassisch: Ein scharf kontrastierter Kampf Gut gegen Böse, und das bedeutet auch hier der Kampf von Armut gegen die Geldgier. Aus purer Not überfallen die Armen die Wohlhabenden, und es gibt keinen Robin Hood, dessen Pfeile noch jedes Ziel treffen. Aber es gibt die Kopfgeldjäger, die dieses Elend noch zu Geld machen. Kein Herz, das hier nicht gefroren ist.

Und der Held? Ja, den gibt es auch. Er heißt Silence, Stille, weil er nach einem Kehlenschnitt nicht mehr sprechen kann. Eine zynische Reminiszenz an wortkarge Revolverhelden der Marke Clint Eastwood, aber auch ein Racheengel hat es in dieser Eishölle schwer.

"Leichen pflastern seinen Weg" nimmt historischen Bezug auf das schmutzige Geschäft der Kopfgeldjäger in den Vereingten Staaten, das es ja tatsächlich gegeben hat. Was geblieben ist, ist das zuweilen seltsame Verhältnis zu Gewalt und Recht sowie eine skandalöse Ungleichheit. Sein Mut zur Gnadenlosigkeit, seine grandiosen Hauptfiguren, sein ungeschönter Bezug auf die amerikanische Mentalität und sein beklemmendes Winter-Setting machen "Leichen pflastern seinen Weg" zum vermutlich besten Western aller Zeiten

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