The Evil Within 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 19.10.2017 um 12:26

 

Von Zombies und Herrenhäusern

 

Mit „Resident Evil“ schuf Shinji Mikami ein einzigartiges Videospiel und machte das Genre des Survival-Horrors schick. Doch irgendwann verflog der Zauber der Reihe und Capcom ließ die einstige Ikone des Genres zu einem aufgeblasenen Action-Feuerwerk verkommen. Nachdem die Serie mit Teil 7 zum Glück zu ihren Wurzeln zurück gekehrt ist, muss man sich vorerst keine Sorgen mehr darum machen und auch die Versorgung mit anderen Spielen des Genres läuft mittlerweile wieder an.

Auch „Resident Evil“-Schöpfer Mikami hat sich mittlerweile einer neuen Serie angenommen und zwar dem wahnsinnigen „The Evil Within“ dessen Erstling doch recht gute Kritiken bekam. Recht kurzfristig kündigte Bethesda nun zur E3 2017 einen zweiten Teil an, der nun mit einer offeneren Welt und mehr Flexibilität im Gameplay glänzen will.

 

Sebastian auf der Suche

 

Auch im Nachfolger von „The Evil Within“ schlüpft ihr wieder in die Rolle von Sebastian Castellanos und seid aufgrund dessen Ereignisse nur noch ein versoffenes Häufchen Elend. Doch plötzlich taucht eure ehemalige Kollegin Kidman auf, die euch für eine neue Mission der Organisation Mobius gewinnen will. Eigentlich möchte Sebastian nichts mehr von dieser wissen, doch als sie seine verstorbene Tochter und die Möglichkeit, diese doch wieder zurückzubekommen erwähnt, willigt Sebastian ein, wieder das STEM zu betreten. Diese Maschine verbindet die Gehirne verschiedener Menschen und lässt sie in deren Bewusstsein eintreten.

Folglich macht ihr euch in der virtuellen Kleinstadt Union auf die Suche nach eurer Tochter, aber auch nach dem Einsatzteam von Mobius, welches keinen Kontakt mehr zur realen Welt hat. Doch plötzlich tauchen monströse Kreaturen und unheimliche Serienkiller auf und die Ereignisse aus Teil 1 rücken wieder deutlich näher an Sebastian.

 

 

The Last of Evil Within

 

Wie oben schon erwähnt legte man den Fokus in „The Evil Within 2“ auf eine offenere Welt, die euch allerlei Möglichkeiten bietet, Missionen zu erledigen. Dank zahlreicher Mechaniken wie Schleichen, Nah- und Fernkampf oder dem Interagieren mit Objekten in der Umgebung, offenbaren sich so zahlreiche Varianten, wie man das Spiel spielen kann.

Und auch wenn man den Open World-Gedanken beim Spiel hatte, sind die Gebiete doch recht überschaubar und erschlagen euch nicht mit all zu viel Zusatzaufgaben.

Viele Missionen finden allerdings auch in geschlossenen Bereichen wie Häusern statt, die die Handlungsmöglichkeiten dann doch wieder etwas einschränken, dafür aber mit gescripteten Events für wesentlich mehr Horror und Schrecken sorgen.

Vor allem in den Schleichsequenzen erinnert „The Evil Within 2“ sehr häufig an „The Last of Us“, der Einsatz von Waffen sollte, vor allem in den oberen Schwierigkeitsgraden, wohl überlegt sein. Denn Munition ist in jedem guten Survival-Horrorspiel knapp.

 

Von sicheren Plätzen und kleinen Aufgaben

 

Wie auch schon in „Resident Evil“ muss es im Spiel einen Platz geben, an dem man einmal durchschnaufen kann. In „The Evil Within 2“ sind dies wieder die bekannten Unterschlupfe, in denen ihr speichern, eure Energie dank Tasse Kaffee aufladen oder Waffen verbessern bzw. Gegenstände herstellen könnt.

Außerdem trefft ihr hier ab und an auf so manchen NPC, der euch mit neuen Nebenmissionen versorgt. Diese werden dann nicht nur auf eurer Karte markiert, sondern können auch mit Hilfe eures Kommunikators erreicht werden, der euch an die wichtigen Orte navigiert.

In eurer Unterkunft findet ihr außerdem hin und wieder Computer-Terminals, mit denen ihr euch in andere Ebenen von Union „teleportieren“ könnt und so als Schnellreisefunktion fungieren.

Hauptausgangspunkt für euer Abenteuer ist allerdings euer im STEM nachgebautes Büro. Hier könnt ihr nicht nur ähnliche Funktionen wie in den Unterschlupfen nutzen, hier kann man auch seine Fähigkeiten verbessern. Dies geschieht wieder mit dem Auffindbaren grünen Gel und lässt euch so eure Fertigkeiten in Sachen Athletik, Gesundheit oder Kampf verbessern. Hier könnt ihr außerdem mit gefunden Schlüsseln Türen in einer Leichenhalle für Boni öffnen und euch Dias anschauen, die euch die Hintergrundgeschichte weiter erläutern. Warum man die Katze auf dem Schreibtisch allerdings nicht streicheln kann, bleibt ein Rätsel. Ganz dicker Minuspunkt!!

 

Sebastian, ein Allrounder

 

Wie in jedem modernen Spiel verfügt auch „The Evil Within 2“ über ein Craftingsystem. So findet ihr überall in der Spielwelt verteilt Werk- und Rohstoffe, die ihr für das Erstellen von Dingen wie Munition, Bolzen für eure Armbrust oder Medipacks nutzen könnt. Außerdem sind dadurch auch Verbesserungen der Waffen möglich, so dass ihr schon bald mehr Kugeln im Magazin der Pistole tragen könnt oder schneller mit der Waffe feuert.

Neben einer Ausdauerleiste, die sich mit der Zeit wieder regeneriert, hat Sebastian auch ein sehr gutes Immunsystem. So könnt ihr eure Energie bis zu einem bestimmten Punkt in der Anzeige wieder aufladen lassen, in dem ihr einfach still an einer Stelle verharrt. 

Hat es euch aber schlimmer erwischt oder wollt ihr eure Energie komplett auffüllen, müsst ihr auf Medipacks oder die bekannten Spritzen zurückgreifen.

Die benötigten Items, Roh- und Werkstoffe findet ihr übrigens alle in der Spielwelt verteilt und können aufgrund eines goldenen Schimmerns kaum übersehen werden. Leider wirkt dieser Effekt etwas billig.

 

 

Horror en detail

 

Schon der Erstling von „The Evil Within“ legte einen großen Wert auf eine filmhafte Präsentation und kam daher mit dicken Cinemascope-Balken und starker Körnung in die Läden. Das gefiel nicht jedem Spieler und daher verzichtet der Nachfolger nun in den Standardeinstellungen zumindest auf die Balken. Die Körnung ist allerdings aktiviert, ebenso die chromatische Aberration, die dafür sorgt, dass Farben ineinander verlaufen können und so zu einem sehr künstlichen Bild führen.

Und auch diese Effekte sind stark vom Geschmack des Spielenden abhängig, denn die Grafik wirkt ohne diese Filter wesentlich sauberer und besser. Dies bedeutet allerdings nicht, dass „The Evil Within 2“ grafisch mit aktuellen Produktionen mithalten kann.  Animationen sind oft ziemlich steif, gleiches gilt für die Mimik der Figuren und die Gestaltung der Haare. Auch die Umgebungsgrafik hat definitiv ihre schönen Seiten, bei der freien Erkundung der Kleinstadt Union wiederholen sich aber vor allem Büsche, Häuser und Texturen zu häufig.

Dafür sind allerdings die Monster und übernatürlichen Wesen mit einer wunderschönen Ekelhaftigkeit designt, die einem das ein oder andere Mal einen Schauer über den Rücken jagt. Vieles daran orientiert sich an japanischen Horrorgestalten, weckt aber auch Erinnerungen an westliche Horror-Klassiker von Cronenberg & Co.

In der Bildsprache selbst erinnert „The Evil Within 2“ vor allem im ersten Abschnitt sehr häufig an Tarsem Singhs „The Cell“, welches ja auch thematisch in eine ähnliche Richtung ging.

 

FAZIT: Schauriges Horrorspektakel mit technischen Unsauberkeiten

 

Wie auch schon der Vorgänger ist „The Evil Within 2“ kein perfektes Spiel. Zu sehr ärgert man sich über die maue Grafik und zu sehr limitieren unsichtbare Levelgrenzen den Open World-Charakter. Auf der anderen Seite stehen dann aber die unheimlich dichte Atmosphäre und die große Freiheit in der Erledigung der Aufgaben gegenüber. Muss man Munition sparen, kann man viele Sachen auch per Schleichmodus absolvieren, hat man Lust auf das Brutzeln eines Gegners in einer Lache aus brennendem Benzin, kann man auch das machen.

Hinzu kommen das grandiose Monsterdesign, die schöne Bildsprache und die immer wieder grotesken Einfälle von Mikami-san und seinen Kolleginnen und Kollegen. Deshalb kann man „The Evil Within 2“ jedem empfehlen, der Spaß am Horror und Gore hat. Zartbesaitete Spieler sollten sich den Kauf allerdings zweimal überlegen.

Ach ja, liebes Team von Bethesda: Ich warte sehnlichst auf einen Patch für das Streicheln der Katze!