Cuphead [Xbox One]

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.10.2017 um 13:44

 

Schwer? Kein Problem!

 

Zu Zeiten von SNES, Mega Drive & Co. war man es gewohnt, dass man bei einem Spiel nach einem Treffer starb(siehe zum Beispiel „Contra“), keine Continues oder am Ende nicht einmal ein Speichersystem hatte, um den Spielfortschritt festzuhalten. Da viele Games Automaten aus der Spielhalle zur Vorlage hatten, war dies nicht verwunderlich, sollten gerade diese doch die Kids dazu animieren immer mehr Münzen nachzuwerfen.

Doch irgendwann geriet es außer Mode, Spiele so schwer zu machen, da es nur noch einen Kernteil der Spielerschaft ansprach. Erst das Aufkommen von „Demon’s Souls“ oder Indieperlen wie „Super Meat Boy“ machten herausfordernde Spiele wieder modern.

Daher ist es heute nicht verwunderlich, dass es immer wieder sehr fordernde Spiele in die Top-Ränge der Verkaufszahlen schaffen und diese die Massen anziehen. Jüngster Kandidat der Spiele, die gerne auch einmal ein Controller-Leben kosten, ist „Cuphead“ welches exklusiv für Microsofts Xbox One erscheint.

 

Zwei Tassen und der Teufel

 

Die Story von „Cuphead“ ist so kurz wie überflüssig: in der Form der beiden Brüder Mughead und Cuphead verfallt ihr in einem Casino dem Glücksspiel. Doch leider will es mit dem Gewinnen nicht so recht klappen, daher gehen die beiden doch glatt einen Pakt mit dem Teufel ein um für einen dicken Gewinn zu sorgen. Da es sich so seelenlos aber auch nicht wirklich gut lebt, macht ihr euch anschließend auf den beschwerlichen Weg, diese wieder zurückzufordern. Vom Höllenmeister höchstpersönlich!

 

 

Ballern bis der Porzellankleber kommt

 

Unter der herausragenden Optik von „Cuphead“ steckt ein ganz klassischer Shooter, der an Spiele der Marke „Contra“ oder „Gunstar Heroes“ erinnert. So bewegt ihr euch meist von links nach rechts laufend oder fliegend über den Bildschirm und beantwortet die Feuersalven der Gegner mit euren eigenen Geschossen. Dies macht ihr entweder alleine oder zu zweit, netterweise verfügt ihr über einen Lebensbalken und sterbt nicht beim ersten Kontakt mit Feinden.

Feindlichen Projektilen müsst ihr glücklicherweise nicht immer ausweichen, pinkfarbene Objekte könnt ihr nämlich mit einer Konterattacke auf den Feind zurückschlagen. Habt ihr dies häufig genug gemacht, ist auch euer Supermeter voll, das euch Spezialangriffe ausführen lässt.

 

Vorteile mit Nachteilen

 

In den Levels selbst findet ihr häufig Goldmünzen, die ihr beim Händler eures Vertrauens gegen diverse Extras eintauschen könnt. Doch aufgepasst, denn jeder Bonus wie zum Beispiel ein zusätzlicher Trefferpunkt, hat eine negative Auswirkung. So fällt dadurch beispielsweise eure Feuerkraft bedeutsam unter den Normalwert. Es ist also angesagt abzuwägen, welches Item ihr wie einsetzt.

Um zwischen den Levels hin und her zukommen, bewegt ihr euch auf einer Landkarte. Die Levels sind dabei oft nicht mehr als der Bosskampf selbst, die eigentlichen Run’N’Gun-Welten sind leider eher in der Unterzahl. Hinzu kommt, dass ihr das wirkliche Ende des Spiels erst sehen könnt, wenn ihr Levels auf dem Regular-Schwierigkeitsgrad abgeschlossen habt. Auch hier atmet „Cuphead“ also die Luft vergangener Arcade-Zeiten.

Die Bosse sind übrigens richtig toll gelungen und sehr einfallsreich. So müsst ihr euch diversen Phasen der Endgegner gegenüber stellen, in denen sie immer wieder ihre Angriffsmuster und auch die Form wechseln. Das ist unglaublich herausfordernd und wird sicherlich für den ein oder anderen Frustmoment sorgen.

 

Walt Disney wäre stolz!

 

Aber kommen wir zu einem der herausragendsten Punkte des Spiels, der Optik. Im Stil der  Cartoons der 1930er Jahre präsentiert sich „Cuphead“ wie ein damaliger Zeichentrickfilm. Dies beginnt bei der hörenswerten Musik und endet natürlich bei den großartigen Zeichnungen und Animationen.

Dies durchzieht die ganzen Levels, egal ob Hintergründe, Feinde oder eigene Charaktere. Was hier an liebevoller Arbeit in die Details gesteckt wurde, ist schlichtweg genial. Das war letztlich auch ein Grund für die vielen Verspätungen des Titels, denn die meisten Sachen, die ihr im Spiel seht sind tatsächlich handgezeichnet. In Zeiten von CGI und steriler Computer-Optik eine absolute Seltenheit.

 

 

FAZIT: Fordernder Shooter mit Wahnsinns-Look!

 

„Cuphead“ ist mal wieder ein hervorragender Exklusivtitel für die Xbox One für den sich vielleicht sogar ein Kauf dieser lohnen würde. Denn neben der herausragenden Optik, die den Charme der Vorlage, die Cartoons der 1930er, perfekt einfängt, motiviert auch das Gameplay, das Level immer wieder und wieder zu probieren.

Dies muss man auch, denn bei einigen Abschnitten hilft wirklich nur das Auswendiglernen der verschiedenen Angriffsmuster, sonst ist man ganz schnell aufgeschmissen. Trotz des heftigen Schwierigkeitsgrads ist „Cuphead“ kaum unfair, an einigen Punkten verdeckt aber das Leveldesign ab und an Stellen, an denen man dann doch mal den ein oder anderen unnötigen Treffer kassiert.

„Cuphead“ ist definitiv für die Generation, die mit den Herausforderungen der 8- und 16 Bit-Konsolen aufgewachsen ist und für diejenigen, denen „Dark Souls“ zu einfach ist. Und haltet bitte immer einen Ersatz-Controller bereit!