Forza Motorsport 7 [Xbox One]

Verfasst von Christian Suessmeier am 13.10.2017 um 10:31

 

Starten Sie die Motoren!

 

Zu Zeiten der PSone starteten Rennspiele dank 3D-Grafik und Rechenpower richtig durch und wurden immer realistischer. Erster Höhepunkt dieses Trends war „Gran Turismo“, welches eine nie dagewesene Optik und ein echtes Fahrgefühl bot. Doch mit Aufkommen der Xbox bekam die japanische Rennspiel-Serie deftige Konkurrenz in Form von „Forza Motorsport“.

Mittlerweile hat die Reihe und ihre „Horizon“-Ableger Polyphonys „Gran Turismo“ lange überholt und begeistert Millionen von Spielern weltweit. Schuld daran ist nicht nur die tolle Optik, sondern auch das Gameplay welches man zwischen Arcade-Racer und Simulation einstellen kann. Mit „Forza Motorsport 7“ erscheint nun der jüngste Spross der Serie und dank 4K-Optik soll das Spiel vor allem zum Vorzeigetitel für Microsofts Xbox One X werden. Einen guten Monat vor deren Release ist das Spiel selbst aber nun schon für die reguläre Xbox One erschienen und nun in unser Testlabor gefahren.

 

Bolzen nachziehen, Spur verstellen

 

In „Forza Motorsport 7“ erwarten euch wieder heiße Rennen um den Platz auf dem Treppchen. Wie von der Serie gewohnt wird euch hier aber keine beinharte Rennsimulation a lá „Assetto Corsa“ geboten, auch mit den geringsten oder deaktivierten Fahrhilfen gehört das Spiel immer noch zu einem der zugänglicheren Vertretern und ist so perfekt für den Einstieg in den Rennzirkus.

Das wird auch beim Einsatz von solchen Features wie der Rückspulfunktion deutlich, die man zum Beheben von groben Fahrschnitzern einsetzen kann. Auch die Ideallinie lässt sich wieder unterschiedlich skalieren und macht euch so nach und nach zu besseren Fahrern. Gleiches gilt für die Intelligenz eurer Gegenspieler auf der Strecke und  das Schadensmodell des Autos, was aber immer noch hinter dem anderer Rennspiele hinterherhinkt.

 

 

Karriere kann es auch

 

Der Karrieremodus bei Rennspielen ist immer so eine Sache. So verstehen manche Spiele unter einer Karriere bereits eine Aneinanderreihung von Rennen mit unterschiedlich starken Autos, anderswo muss man sich wirklich von der Kleinserie zu den Supersportwagen hocharbeiten.

In „Forza Motorsport 7“ stehen euch verschiedene Gruppen zur Verfügung, die jeweils in bis zu 15 Events oder Serien unterteilt sind. Dabei müsst ihr nicht nur bei PS-starken Rennboliden hinters Steuer, auch Trucks oder Offroad-Fahrzeuge wollen von euch beherrscht werden. Das bringt gelungene Abwechslung in die regulären Rennen und macht echt Spaß. Auch die ein oder andere unterhaltsame Challenge sorgt für ordentlich Unterhaltung, wenn ihr zum Beispiel mit einem Porsche in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele VW Käfer überholen sollt.

 

Blitzblank poliert

 

Wie auch schon bei den Vorgängern und den „Horizon“-Spielen gehört die Optik von „Forza Motorsport 7“ definitiv zum Schönsten was man aktuell auf Konsolen sehen kann. Dazu gehören vor allem die detaillierten Autos, die man sich stundenlang von allen Seiten anschauen könnte und jedes noch so kleine Detail dieser entdecken will.

Leider muss man wie bei jedem „klassischen“ Rennspiel aber die Streckengestaltung etwas kritisieren. Auch „Forza 7“ schafft es nicht, dass die Umgebung einigermaßen lebendig und dynamisch wirkt. Es ist doch wieder alles sehr steril, was natürlich aber auch dem Fakt geschuldet ist, dass das Spiel nur die Realität umsetzt. Aber auch bei fiktiven Strecken wie dem neuen Dubai-Kurs könnte man etwas mehr Kreativität walten lassen. So gehört dieser optisch zwar schon zu einem der Highlights, aber bietet außer den Sandverwehungen keine großen Spielereien.

 

Die Qual der Wahl

 

„Forza Motorsport 7“ beinhaltet welche der schönsten Autos der Welt von einigen der wichtigsten Marken der Welt. So könnt ihr mit insgesamt über 700 Autos auf die Jagd nach der Bestzeit gehen, angefangen bei den deutschen Vertretern von Audi, Mercedes-Benz oder BMW über die edlen Briten von Aston Martin. Auch Freunde japanischer Sportwägen kommen auf ihre Kosten, denn neben Nissan Skyline GT-R, dem Klassiker Honda NSX oder dem Subaru Impreza könnt ihr auch mit dem Wankelklassiker von Mazda, dem RX-7, eure Runden drehen.

Wer sich lieber hinter das Steuer von Supersportwägen klemmt, kann sich über die Auftritte von Pagani, Koenigsegg oder Ferrari freuen. Auch ganz normale Straßenautos wie der Ford Fiesta oder der Honda Civic freuen sich auf gemeinsame Rennabenteuer und bieten für jeden Geschmack die passende Rennsemmel.
Schaut man sich die Strecken des Spiels an, trifft man auf einige alte Bekannte. So wurden viele Kurse aus dem vierten Teil wiederbelebt, so dass ihr insgesamt aus 32 Strecken mit zig Variationen wählen könnt. Für einige Stunden Zeitvertreib ist also Einiges geboten!

 

 

Die Boxencrew leistet gute Arbeit

 

Wie von der Serie gewohnt, kann man über die Technik von „Forza Motorsport 7“ nicht meckern. Die Autos sind wie oben schon geschrieben einfach wunderschön modelliert, Turn 10 spendierte außerdem jedem Modell sein eigenes Cockpit. Das muss man erst mal machen!

Soll das Spiel auf der Xbox One X bei flüssigen 60 Frames pro Sekunde in nativer 4K-Auflösung laufen, braucht sich aber auch die Xbox One S nicht hinter dem großen Bruder verstecken. Denn auch auf der „alten“ Konsole läuft das Spiel stabil in FullHD-Pracht mit 60fps und das bei jeder Situation mit noch so viel Konkurrenten auf dem Asphalt.

Genau so auf Hochglanz poliert wie die Autos sind auch die Wetter- und Umwelteffekte. Regen sieht fantastisch aus, vor allem in der Cockpitperspektive, und die dynamischen Wetterwechsel sind toll inszeniert.

Wer sich gerne mit anderen Fahrern misst, kann dabei entweder auf lokale Duelle mit Splitscreen-Rennen zurückgreifen oder wirft sich gleich in die zig Onlinemodi. Stichwort Drivatar: auch der siebte Teil von „Forza Motorsport“ nutzt wieder die Fahrverhalten eurer Freunde aus der Cloud, um die Gegner unberechenbarer zu machen. Inwiefern dies natürlich immer einwandfrei abgebildet werden kann, ist schwer zu sagen.

 

FAZIT: Starkes Rennspiel mit Bombast-Optik

 

Auch wenn „Forza Horizon 3“ mit seiner hippen Aufmachung und dem actionreichen Gameplay noch einen Tick besser im Test wegkam als nun „Forza Motorsport 7“ ist der aktuellste Teil der Hauptserie absolut empfehlenswert. Was Turn 10 hier nicht nur technisch aus der Xbox One herausholt, sondern auch an tollem Umfang bietet, ist bei dieser Art Rennspiel sicherlich einzigartig. Aber auch wenn man die Rennoptionen so sehr skalieren kann, dass man von Arcade-Racer bis Rennsim alles in einem Paket hat, entspricht „Forza Motorsport 7“ nie den bierernsten Simulation wie es zum Beispiel „Project CARS 2“ tut. Hier steht doch noch etwas mehr die Einsteigerfreundlichkeit im Fokus der Entwickler.

Aktuell stellt man direkte Konkurrenz wie „Gran Turismo“ deutlich in den Schatten, wobei es abzuwarten bleibt, wie sich dessen aktuellster Ableger später im Monat noch schlägt. Spannend wird sicherlich auch, wie groß der technische Sprung von Xbox One- zu Xbox One X-Version sein wird. Denn dank HDR und FullHD sieht das Spiel ja jetzt bereits fulminant aus. Großes Ärgernis übrigens ist die Implementierung von Lootboxen und Microtransactions, wie das aktuell fast jedes große Spiel macht. So könnt ihr Autos nämlich zu jeder Zeit auch für Echtgeld kaufen, was gerade ungeduldigen Spielern mit dickem Geldbeutel zu gute kommt. Ob so etwas in einem Rennspiel sein muss, sei einmal dahin gestellt.