FIFA 18 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 07.10.2017 um 17:06

 

König Fußball

 

Gerade in Europa ist Fußball der unumstrittene Meister wenn es um die Beliebtheit von Ballsportarten geht.  Mittlerweile ist das Geschäft um den Fußball zu einem milliardenschweren Business aufgestiegen, welcher zu kuriosen und fast schon lächerlichen Ablösesummen und horrenden Ticketpreisen führt.
Da verwundert es auch nicht, dass auch die „FIFA“-Serie sich mittlerweile zu einer der wichtigsten und finanzstärksten Videospielreihen gemausert hat. Konkurrent „PES“ hat man lizenztechnisch schon lange abgehängt, auch wenn man darüber streiten kann, welches der beiden Spiele die bessere Simulation auf dem Platz bietet.

Nachdem man im letzten Jahr mit dem Wechsel zur Frostbite Engine einen großen, technischen Sprung gemacht hat, will man in diesem Jahr vor allem mit mehreren Feinheiten glänzen, die das Spiel noch besser machen sollen. Ob das gelingt, lest ihr in unserem Test.

 

Alex ist zurück

 

Wie auch schon bei „FIFA 17“ steht auch dieses Jahr wieder „The Journey“, der neue Karrieremodus, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. „Hunter Returns“ versetzt euch erneut in die Rolle des britischen Talents Alex Hunter, der immer noch bei einem großen Premier League-Club spielt, allerdings irgendwie auch von der Karriere bei anderen europäischen Topvereinen träumt. Als dann Real Madrid an die Tür klopft, scheint der Aufstieg perfekt, doch es ist nicht alles Gold was glänzt.
Was dann folgt, ist eine spannende Sportler-Geschichte, die allerdings häufig einen Abstecher in Richtung Soap macht, euch dennoch aber über die sechs Kapitel immer wieder neu zu motivieren weiß.

 

 

Wer gut sein will, muss leiden

 

Neben unzähligen Zwischensequenzen, in die ihr ab und an mit Entscheidungen eingreifen könnt und die sogar mit den realen Stars wie Cristiano Ronaldo oder Thierry Henry vertont sind, müsst ihr euch natürlich wieder auf dem Platz beweisen. So gilt es Trainingsspiele zu absolvieren, in denen ihr bestimmte Aufgaben zu lösen habt, außerdem solltet ihr zwischen den Spielen an den Trainingseinheiten teilnehmen, damit ihr eure Fähigkeiten nach und nach verbessern könnt.

In den Spielen selbst könnt ihr euch entscheiden, ob ihr nur Alex Hunter steuern wollt(auf einer Position, die ihr zu Beginn eurer Karriere gewählt habt) oder das komplette Team. Wie auch schon aus anderen ähnlichen Modi bekannt, verbessert ihr eure Spielerwertung durch gute Aktionen, schlechte Pässe oder unpassende Fouls werden mit negativen Einträgen versehen. Nach und nach erspielt ihr euch so Skillpunkte, die ihr für verschiedene Fähigkeiten einsetzen könnt. Auch optisch könnt ihr Alex nach euren Wünschen gestalten, so stehen eine Vielzahl an Tattoos, Klamotten oder Frisuren zur Wahl.

 

Alex ist nicht Alles

 

Doch „FIFA 18“ wäre kein „FIFA“-Spiel, wenn es euch nicht zahlreiche weitere Möglichkeiten für den Zeitvertreib bieten würde. So stehen euch neben klassischen Sachen wie Freundschaftsspielen, Skill-Einheiten und regulären Liga-/Pokal-Modi auch wieder FIFA Ultimate Team und der „normale“ Karrieremodus zur Wahl.

Auch die Zahl der wählbaren Mannschaften ist einfach wahnsinnig, neben den großen Ligen aus Spanien, England, Deutschland oder Frankreich kann die japanische J-League, die saudi-arabische Liga oder die US-amerikanische Major League Soccer ausgewählt werden. Dabei beschränkt man sich oft nicht nur auf die ersten Ligen, mittlerweile kann man sogar mit der dritten, deutschen Liga oder tief unten im englischen Profifußball an den Start gehen.

Neben Männerklubs kann man auch wieder aus einer Hand von Frauen-Nationalteams wählen, die ebenso realistisch abgebildet sind wie ihre männlichen Pendants. Leider fehlt hier ein richtiges Ligasystem, mittlerweile gibt es ja auch zahlreiche Frauen-Ligen, die es verdient hätten, in „FIFA“ abgebildet zu werden. Aber schließlich muss man sich ja noch Neuerungen für die kommenden Titel aufheben.

Der Umfang stimmt also mal wieder, aber natürlich ist es entscheidend was auf dem Platz passiert...

 

 

Tikitaka oder Kick & Rush

 

Über die Jahre hat sich die „FIFA“-Serie immer wieder spielerisch verändert. Mal oberflächlicher Arcadekick, dann wieder Simulationsanleihen mit schnörkellosem Passspiel, es gab schon ziemlich viele Varianten in „FIFA“. In diesem Jahr hat man das Gameplay stark verlangsamt, was natürlich für den Simulationsanspruch spricht. Dennoch setzte man einen starken Fokus auf die Offensive, so dass manches Spiel zu einem echten Torspektakel gerät, was natürlich unterhaltsam, aber nicht unbedingt realistisch ist.

Flanken wirken leider all zu oft viel zu mächtig, Fernschüsse sind dafür oft ohne Kraft und wirken so als ob sie von der 70-jährigen Tante Trude abgegeben wurden. Auch das Passspiel bedarf einer ordentlichen Eingewöhnung, gerade der tödliche Pass funktioniert am Anfang kaum. Passend zum Offensivgedanken sind die Möglichkeiten in der Defensive etwas limitiert und so kommt man sich in manchen Situationen hilflos gegenüber dem Angreifer vor. Das sollte für so ein ambitioniertes Spiel wie „FIFA 18“ eigentlich Tabu sein. Gleiches gilt für die Steuerung der gewählten Figur, die einen enorm großen Wenderadius hat.

 

Änderungen im Detail

 

Neben kleinen kosmetischen Änderungen und dem langsameren Spieltempo, gibt es aber auch weitere Neuigkeiten im Gameplay. So kann man nun durch den Schnellwechsel wesentlich flüssiger und unkomplizierter seine Spieler durch einen Knopfdruck auswechseln. So wird bei Bedarf in einer Wiederholung oder einer anderen Spielunterbrechung der R2-Knopf eingeblendet, durch dessen Druck man dann den vorgeschlagenen Wechsel sehen kann. Bestätigt man dann mit dem X-Knopf, wird der Wechsel vollzogen. Ein sinnvolles Feature, welches den Spielfluss nicht unterbricht. Hierbei müsst ihr euch außerdem nicht auf die Vorgaben des Spiels verlassen, im Taktikmenü können Spieler für den Schnellwechsel festgelegt werden.

Weiterhin sind die Spieler nun in verschiedene Archetypen eingeteilt, denen der jeweilige Körperbau des Athleten zugrunde liegt. So sind kleine Spieler wendiger als große, stämmige Spieler können sich in einem Zweikampf eher behaupten. Im Spiel selbst bemerkt man dies schon etwas, allerdings nur minimal.

 

Olé olé

 

Schon seit Jahren steht die „FIFA“-Serie für großartige Spielatmosphäre und auch in „FIFA 18“ kann man dies wieder bestätigen. So ist besonders bei den großen Teams wie Manchester United, Paris St. Germain oder Real Madrid die Stimmung dank echter Fangesänge großartig, auch in den kleinen Stadien kommt aber gute Atmosphäre auf. Leider kann man das von den Kommentatoren nicht immer sagen. Ungewohnt häufig verhaspeln sich diese, in der Testphase fiel vor allem das ständige Erwähnen von Einwürfen auf obwohl gerade etwas völlig anderes auf dem Platz passierte. Sogar Teamnamen wurden verwechselt und so feierte Wolff Fuss mein Team, obwohl der Gegner das Tor geschossen hatte.

Wieder einmal ziemlich gelungen ist die Auswahl der Musiktracks, die es außerhalb der Spiele zu hören gibt. Hier gibt es von Hip Hop über Electro alle möglichen Geschmäcker auf die Ohren.

 

 

König Fußball regiert die Welt

 

Auch in Sachen Onlinevielfalt glänzt „FIFA 18“ mit vielen Inhalten. Ob klassisches Freundschaftsspiel mit anderen Gamern weltweit oder FIFA Ultimate Team, man kann sich mindestens so viele Stunden in den Onlinemodi verlieren wie man mit den anderen Spielarten wie „The Journey“ oder der Karriere verbringt. In unserem Test waren die Matches immer stabil und frei von Lags, auch zu Abbrüchen kam es nicht. Auch hier hält „FIFA 18“ das hohe Niveau, mit dem es sich im Rest des Spiels präsentiert.

 

FAZIT: Kein Triple, aber mindestens das Double

 

Man muss „FIFA 18“ in einem Test  dann doch auch mal mit Konamis „PES 2018“ vergleichen, denn auch in diesem Jahr zeigen die Japaner erneut, dass sie es spielerisch mindestens genauso gut können wie EA. Am Ende bleibt wohl ein torreiches Unentschieden zwischen den Beiden, denn sowohl „PES“ als auch „FIFA“ haben Vorteile wie auch Nachteile.

Aber zurück zu „FIFA 18“: muss man sich zu Beginn noch etwas an das langsamere Tempo und die etwas komplizierten Passmechanismen gewöhnen, begeistert das Spiel von Minute 1 an mit der Präsentation, der Grafik und dem Umfang. Hat man sich dann etwas eingewöhnt gelingen tolle Pass-Stafetten mit den Mitspielern. Dass diese sich nicht immer optimal freispielen ist ärgerlich, auch das Defensivspiel könnte etwas tiefer sein. Ärgerlich ist nach wie vor die grobe Steuerung der Spieler, die häufig einen viel zu hohen Wendekreis haben und bei der das letzte Quäntchen Genauigkeit fehlt. In Sachen Karrieremodus, also „The Journey“, macht EA dieses Jahr 2K und „NBA 2K18“ definitiv Konkurrenz. Auch wenn der ein oder andere Soap-Moment zum Augenrollen führt, motivieren Inhalte wie das Verbessern der Chemie mit euren Teamkollegen oder die vielen überraschenden Momente.