Thimbleweed Park [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 06.10.2017 um 18:49

 

Indiana Jones and the Secret of Maniac Manion

 

Es begab sich zu einer Zeit, in der man zum Zocken auf klobige Bildschirme schaute und zum Schutz vor Raubkopien an seltsamen Anti-Piraterie-Scheiben drehte, um ein Spiel zu starten. Eine kleine Spieleschmiede mit dem Namen Lucas Arts setzte damals Maßstäbe im Genre der Point’n Click-Adventures und brachte so geniale Hits wie das ulkige Piratenabenteuer „The Secret of Monkey Island“ oder „Maniac Manion“ für den PC heraus.

Einer der kreativen Köpfe hinter den Spielen war Ron Gilbert, der auch die Engine SCUMM für diese Art Spiele entwickelte, nach seinem Weggang bei Lucas Arts aber leider nicht mehr ganz an die früheren Erfolge anknüpfen konnte. Die Fans wollten einfach lieber ein klassisches Point’n’Click-Adventure sehen und nichts anderes. Also erhörte Gilbert das Flehen der Spielerinnen und Spieler und startete mit einer Kickstarter-Kampagne in die Entwicklung seines aktuellen Titels „Thimbleweed Park“. Nachdem dies nun schon seit einiger Zeit für PC und andere Plattformen erschienen ist, wurde nun auch eine Switch-Version veröffentlicht.

 

 

Mulder und Scully in Twin Peaks

 

Alles beginnt mit einem mysteriösen Mord an einem Fremden im beschaulichen Örtchen Thimbleweed Park. Die beiden FBI-Agenten Reyes und Ray werden dabei auf den Fall angesetzt und sehen sich skurrilen Einwohnern gegenüber, die kein großes Interesse an der Aufklärung des Falls haben.

Mehr von der Geschichte zu erzählen, wäre nicht sinnvoll und würde euch den Spaß am Spielen verderben. Was sich Ron Gilbert hier aus den Fingern gesogen hat, ist wirklich großartig und wirkt wie ein wilder Mix aus „Akte X“ und „Twin Peaks“ mit wunderschönen Anspielungen auf die frühen Werke von Lucas Arts und die 1980er in denen „Thimbleweed Park“ spielt.

 

Nutze Eispickel mit Leiche

 

Das Gameplay ist in seinen Grundzügen ein ganz klassisches Point’n’Click-Adventure, in dem man aus verschiedenen Befehlen wie Schaue, Ziehe, Drücke oder Nutze im Kontext mit einer Person oder einem Gegenstand auswählt. Die Switch gibt euch hier verschiedene Möglichkeiten der Bedienung, entweder klassisch mit Steuerkreuz und Buttons oder über die Touchfunktion des Screens. Letztere Variante spielt sich am flüssigsten, jedoch hat man bei der Verwendung des Pads die Möglichkeit, dass interaktive Objekte gleich benannt werden, wenn man sich über sie drüber bewegt. Am besten war im Test so ein Mix aus beiden Bedienungsmöglichkeiten.

Neben vielen Dialogen und Interaktion mit der Umgebung stehen euch natürlich hin und wieder einige Rätsel bei der Ermittlungsarbeit im Weg. Hier sind eure grauen Zellen und eure Kombinationsgabe gefordert. Doch keine Angst! Wer sich vor Rätseln fürchtet, die dreimal um die Ecke gedacht und anschließend noch einmal wild durch den Mixer gedreht wurden, wählt aus der leichten Rätsel-Option in den Settings. So kommen dann auch Point’n’Click-Adventure-Neulinge auf ihre Kosten.

 

 

Pixelpracht wie 1990

 

Wer die frühen Werke von Ron Gilbert gespielt hat, weiß, was ihn optisch erwartet. So präsentiert sich „Thimbleweed Park“ in einer reinrassigen Pixelgrafik, die wohl sogar Guybrush Threepwood neidisch gemacht hätte. Auch die Menüs sind weitestgehend in der Optik gehalten, nur einige Schriftzüge sind normal aufgelöst, wirken aber prompt etwa fehl am Platz. Aber auch mit der etwas groberen Pixelgrafik sind Details im Bild immer gut erkennbar und so müsst ihr nicht lange nach Gegenständen suchen.

Das Spiel ist voll Englisch vertont, die deutschen Übersetzungen sehr gut gelungen. Auch die Musik und die Soundeffekte erinnern an frühere Zeiten und so ergibt das Spiel ein absolut passendes Gesamtkonzept.

 

FAZIT: Spannende Reise in die Vergangenheit

 

Mit „Thimbleweed Park“ schafft es Ron Gilbert tatsächlich, an seine früheren Spiele bei Lucas Arts anzuknüpfen. Besonders schön sind die ganzen Seitenhiebe und Anspielungen, die vor allem langjährige Fans glücklich machen werden. Dazu kommt die stimmige Optik, gute Präsentation und die skurrilen Einfälle, die das komplette Spiel durchziehen. Dank Touchscreen-Einbindung ist die Switch-Version weiterhin wohl die beste Fassung neben der PC-Version, da sich die Bedienung so etwas flüssiger anfühlt als wenn man erst auf den Aktionsbefehl klickt und anschließend das Objekt in der Szenerie. Kluge Entscheidung! Außerdem sollten sich Fans von „Twin Peaks“das Spiel definitiv mal anschauen. Es lohnt sich.