Pokémon Tekken DX [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 30.09.2017 um 11:41

 

Von Dinosauriern und Kängurus

 

In der langen Historie der Prügelspiele gab es schon zahlreiche seltsame Kämpfer und Settings. Gerade zur Hochzeit des Genres als „Street Fighter II“ die Massen anzog, gab es eigentlich kaum Grenzen im Absurditäten-Level so dass sich plötzlich prähistorische Wesen in „Primal Rage“, Knetfiguren in „Clay Fighter“ oder transformierende Tiermenschen in „Bloody Roar“ gegenüber standen.

Vor einigen Jahren traf es dann auch die beliebten Pokémon, die von „Tekken“-Erfinder Bandai Namco für die Spielhalle fit für den Kampf gemacht wurden. Nachdem sich das Spiel, in Japan übrigens „Pokken Tournament“, recht großer Beliebtheit erfreute, folgte 2016 eine Umsetzung für die WiiU. Diese Fassung dient auch als Grundlage für das nun auf der Switch erschienene „Pokémon Tekken DX“. Ob es sich dabei nur um ein skurriles Crossover für Diehard-Fans handelt oder man ein ernstzunehmendes Prügelspiel vorliegen hat, verraten wir euch in unserem Test.

 

 

Ich will der Allerbeste sein!

 

Natürlich dreht sich auch in „Pokémon Tekken DX“ alles darum, dass ihr der beste Pokémon-Trainer der Welt sein wollt. Und hierfür schickt ihr eure Taschenmonster diesmal eben nicht zu traditionellen Rundenkämpfen in den Ring, sondern hier werden ordentlich Backpfeifen und Tritte in Echtzeit verteilt. So spielt der Prügler diesmal in der Ferrum-Region, in der ihr an der sagenumwobenen Ferrum-Liga teilnehmt und dort um die Krone und den Titel zu kämpfen.

Zu Beginn müsst ihr euch dabei für ein Alter Ego(männlich oder weiblich) entscheiden und könnt euer Partner-Pokémon aus den 21 vorhandenen Monstern wählen. Diese Entscheidung könnt ihr später aber wieder rückgängig machen, was besonders sinnvoll ist, wenn ihr doch nicht mit dem gewählten Partner klar kommt.

 

Vom Feld ins Duell

 

Dass es sich bei „Pokémon Tekken DX“ um kein gewöhnliches Fighting-Game handelt, merkt man spätestens an der ungewöhnlichen Perspektive des Spiels. Denn in der Feldphase seht ihr den Kampf aus einer Verfolgerperspektive und so spielt sich der Titel dann eher wie ein Thirdperson-Spiel. Doch durch bestimmte Attacken wechselt man in die Duellphase, in der nicht nur die Angriffe mehr Schaden machen, sondern auch klassische Prügelspiel-Atmosphäre aufkommt.

Auch bei der Steuerung gibt es traditionelle Kost, also je einen Button für einen Block, einen leichten, einen schweren und einen Pokémon-spezifischen  Angriff. Durch Kombination einiger Knöpfe kann man außerdem eine Greifattacke vollführen. Soweit so bekannt.

Dennoch gibt es zwei Features, die etwas herausstechen. Auf der einen Seite ist das die Resonanzphase, die man durch Drücken von L und R auslöst, für die ihr aber erst einmal Energie sammeln müsst. Entweder bekommt ihr diese durch in der Arena verteilte Energie-Items oder eben für erfolgreiche Angriffe auf den Gegner. In der Resonanzphase verteilt ihr dann wesentlich mehr Schaden und könnt durch erneutes Drücken der beiden Schulterknöpfe Spezialattacken auslösen, die ähnlich spektakulär wie in „Injustice 2“ sind.

 

 

Jedes Pokémon braucht gute Partner!

 

Sonderfeature Nr.2 sind die Helfer-Pokémon, die euch immer als Paar mit in den Kampf folgen. Auch hier müsst ihr mit deren Einsatz warten bis sich die Spezialleiste des Helfers gefüllt hat, außerdem könnt ihr euch in jeder Runde neu für einen der beiden Helfer entscheiden.

Die Helferlein verfügen dabei über allerlei Spezialfähigkeiten, lassen sich aber grob in drei Rubriken unterteilen. So gibt es entweder Angreifer-, Saboteur- oder Verstärker-Pokémon. Zum Beispiel steigt durch den Einsatz eines Verstärkers euer Wert im Angriff, Angreifer attackieren euren Gegner zusätzlich mit bestimmten Attacken. Welche Effekte euer gewähltes Helfer-Pokémon dabei gerade hat, wird euch auch im Kampf mit Hilfe von Symbolen über eurem Kämpfer angezeigt. Deren Einsatz gibt das Spiel aber grob vor, so gibt es bestimmte Wettbewerbe, bei denen man die Helfer nur einmal wählen kann und dann für mehrere Kämpfe nutzen muss, es gibt aber auch Turniere, die vor jedem Kampf eine erneute Wahl zulassen. So könnt ihr auch anhand der Gegner gut taktieren, welche Art von Hilfe am Besten wäre.

 

Willkommen in der Ferrum-Region!

 

Das Gebiet von „Pokémon Tekken DX“ dient als Hub, von dem aus ihr Zugriff auf sämtliche Modi habt. Neben täglichen Herausforderungen, die euch besondere Belohnungen wie Items für euren Charakter oder natürlich XP bringen, gibt es einen Online- und einen lokalen VS-Modus.  Wollt ihr euch zunächst mal etwas ausprobieren, ist der umfangreiche Trainingsmodus zu empfehlen, der euch die wichtigsten Manöver beibringt. Herzstück ist aber die Kampagne, die sogenannte Ferrum-Liga.
In dieser kämpft ihr euch von Liga D in die Liga A und bestreitet zunächst mehrere Kämpfe gegen Konkurrenten aus der entsprechenden Klasse. Danach geht es zum Turnier, welches einen Sieger bestimmt, der wiederum dann gegen den Besten der Liga antreten darf und um den Aufstieg kämpft. Doch hier reiht sich nicht nur ein Kampf an den anderen, auch eine kleine Geschichte dürft ihr dabei miterleben, was für etwas Abwechslung sorgt.

Die Zentrale „Meine Stadt“ lässt euch dabei Änderungen an eurem Avatar vornehmen, so könnt ihr gegen erspielte Ingame-Währung allerlei kosmetische Items wie Frisuren oder Kleidung kaufen. Außerdem könnt ihr euch Titel geben wie zum Beispiel „Vielversprechender Trainer“, die ihr aus einer umfangreichen Liste auswählen könnt. Auch die Statistiken eurer Kämpfe sind dort einsehbar.

 

 

Von Ferrum in die Welt

 

Wie oben bereits beschrieben könnt ihr euch nicht nur lokal oder über die Kopplungsfunktion der Switch mit anderen Spielern messen, auch ein klassischer Onlinemodus ist mit an Bord. Dort könnt ihr entweder Rang- oder Freundschaftskämpfe bestreiten oder ihr eröffnet eine Gruppe, in der ihr die Kampfregeln vollkommen eigenständig festlegen könnt. Auch hier gibt es sowohl XP für das Verbessern eures Pokémon, aber eben auch Punkte für den Aufstieg im Rang.

In unserer Testphase fand das Spiel immer recht flott einen Gegner und die Kämpfe liefen recht problemlos ab. Findet man nach 10 Sekunden keinen Kontrahenten, startet man in einem Kampf gegen den Computer. Dieser wird aber sofort unterbrochen, wenn ein Mitspieler aus Fleisch und Blut erscheint. Das geht alles sehr flott und ohne große Unterbrechungen. Super!

 

Hässliches Pokémon

 

Die tolle Spielbarkeit von „Pokémon Tekken DX“ wird etwas getrübt durch die teils wirklich schlechte Grafik, die so wahrscheinlich auch auf einer Wii möglich gewesen wäre. So sind die Charaktere noch ganz nett gestaltet, auch die Arenen verstecken das ein oder andere liebevolle Detail, aber besonders im TV-Modus erschreckt einen das Spiel mit vielen groben Texturen, kantigen Polygonen oder pixeligen Objekten. Auch verliert die Strahlkraft der Farben extrem und so wirkt das Bild matschig und teilweise wirklich häßlich. Im Handheld-Modus sieht die Sache dann aber schon anders aus. Hier wirkt das Bild schärfer und bunter, auch die groben Texturen fallen natürlich nicht so extrem ins Auge wie auf dem großen TV. Da hätte man von Nintendo und Bandai Namco etwas mehr Feinarbeit für die DX-Version erwarten können, schließlich sind die hauseigenen Produkte für ihr gutes Polish doch recht bekannt.

Die Bildschirmtexte in „Pokémon Tekken DX“ sind alle in Deutsch verfügbar, Sprachausgabe(v.a. von eurer Beraterin) gibt es in Englisch und Japanisch. Die Musik geht in Ordnung, bietet aber keine großen Ohrwürmer.

 

FAZIT: Spaßiger Prügler mit besonderen Charakteren

 

Gerade zu Beginn ist man vor allem aufgrund der zwei verschiedenen Phasen in den Kämpfen etwas verwirrt, sorgt das doch für den ein oder anderen Moment der Verwirrtheit. Aber spätestens nach einigen Kämpfen und dem Absolvieren des umfangreichen Trainingsmodus hat man den Dreh raus und haut seinem Gegner eine tolle Attacke nach der anderen um die Ohren.

Dass dabei die grafische Seite nicht gerade überzeugt, vergisst man bei der Intensität der Kämpfe gerne einmal und dank seiner eingängigen Steuerung ist „Pokémon Tekken DX“ so vor allem auch das perfekte Spiel für unterwegs, das sich auch mit JoyCons prima steuern lässt. Die gute Spielbarkeit in Kombination mit dem „Pokémon“-Setting ist es auch, die einen immer wieder zum Spiel zurückkehren lässt. Etwas enttäuschend ist der Umfang, aber betrachtet man diesen im Kontext eines Prügelspiels kommt er zwar nicht an ein „Dragonball Xenoverse 2“ heran, aber wird trotzdem für einige Stunden an die Konsole fesseln. Seid ihr also auf der Suche nach einem guten Fighting-Game für die Switch und könnt etwas mit den Taschenmonstern anfangen, solltet ihr euch „Pokémon Tekken DX“ mal anschauen. Außerdem gibt es Pikachu in einem Luchador-Outfit!!!