Hidden Dragon Legend [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 28.09.2017 um 12:07

 

Spielerisch ins Reich der Mitte

 

China ist seit einigen Jahren nicht mehr aus der Wirtschaft wegzudenken und gehört zu einem der wichtigsten Märkte, wenn man mit seinem Produkt Erfolg haben will. Da verwundert es etwas, dass klassische Videospiele in China bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben und es bis vor kurzem nicht einmal die PS4 offiziell im Reich der Mitte zu kaufen gab. Doch gleichzeitig mit deren Release schienen auch plötzlich die chinesischen Spiele-Entwickler Interesse am Geschäft mit den Konsolen gefunden zu haben, denn nach und nach drängen nun mehrere chinesische Studios mit ihren Spielen auf den Markt.

Auf der diesjährigen gamescom in Köln hatten wir einen Termin bei Oasis Games, die neben klassischen PC-Spielen auch einige PS4-Titel in ihrem Portfolio hatten. Eines dieser Spiele war „Hidden Dragon Legend“, welches spielerisch einen recht guten Eindruck hinterließ. Ob auch der Gesamteindruck des Spiels passt, verraten wir euch nun in den folgenden Zeilen.

 

 

Rache muss sein...aber warum?

 

Ohne Erinnerung an euer bisheriges Dasein erwacht ihr in einem Kerker. Um euch herum nur Dunkelheit und hin und wieder das Stöhnen von Mitgefangenen. Auch wenn ihr geschwächt seid, richtet ihr euch auf und begebt euch auf die Flucht aus dem Gefängnis, welche euch überraschend leicht gelingt.

In der Rolle von Schwertmeister Lu begebt ihr euch anschließend auf eine Schwertkampf-reiche Reise, die euch den Verlust von Verbündeten und Auseinandersetzungen mit überlegenen Gegnern nicht erspart und euch das kaiserliche China näher bringt.

 

Chinesisches „Dark Souls“

 

Auch wenn es sich bei „Hidden Dragon Legend“ um ein Oldschool-2,5D-Hack’n’Slay handelt, ist klar erkennbar wer für das Spielkonzept Pate stand. So bedient man sich bei einigen Mechaniken an From Softwares „Dark Souls“-Reihe und vermischt dies mit einer ordentlichen Portion Rollenspiel.

Generell bewegt ihr euch im Spiel immer von links nach recht, ab und an frischen Sprungpassagen das Laufen auf. Hauptinhalt des Spiels sind aber die Kämpfe, die ihr meist immer gegen mehrere Gegner gleichzeitig bestreitet. Gegen diese könnt ihr euch entweder mit Hilfe eures Schwertes erwehren, später könnt ihr außerdem noch auf Fernkampfwaffen wie Dolche zurückgreifen. Neben einem leichten und einem schweren Angriff setzt das Spiel vor allem auf Kombos und einer guten Kombination von allen Angriffsarten. Werden die Gegnermassen zu übermächtig könnt ihr mit Hilfe eurer Spezialangriffe, die aber auf Kosten eurer Spezialleiste geht, einen vernichtenden Angriff starten.

Da das Spiel auf ein Blocksystem verzichtet, müsst ihr mit Hilfe der Dashfunktion den feindlichen Angriffen ausweichen und diesen in den Rücken fallen. Deren Benutzung zehrt aber an eurer Ausdauerleiste(im Spiel Acrobatic Points), die sich dann erst wieder auffüllen muss. Ihr seht also, Kämpfe beschränken sich nicht auf reines Draufhauen!

 

 

Von Seelensteinen und Fertigkeiten

 

Ein weiteres Genre an dem sich „Hidden Dragon Legend“ bedient, ist das der angesagten Metroidvanias. So ist man zu Beginn über die Levelauswahl etwas verwundert, spätestens wenn man aber den Greifhaken im Spiel bekommt, eröffnen sich noch einige alternative Routen bzw. Geheimverstecke in schon erledigten Levels. Neben Kisten mit Heiltranks gilt es vor allem Artefakte zu finden, die euch die Hintergrundgeschichte etwas besser erzählen, spielerisch aber keine Auswirkung haben.

Stichwort Heiltrank: Hier haben sich die Entwickler ein neues System einfallen lassen. So kann man für die Soulstones, die Feinde hinterlassen oder in Kisten gefunden werden können, Heiltränke im Pausemenü kaufen. Allerdings sind diese immer auf eine Anzahl von zehn beschränkt, weiterhin werden sie nach einer bestimmten Anzahl gekaufter Tränke auch noch teurer. Stellt man sich also gerade zu Beginn etwas doof an, kann es passieren dass die Heiltränke bereits im zweiten Kapitel 100 Seelensteine kosten. Ärgerlich wird es hier, wenn man Heiltränke nach einem Kampf kauft und einen Bildschirm weiter merkt, dass ein Abschnitt geschafft wurde und man nun sowieso wieder volle Energie hat. Im Detail also etwas unausgereift.

Eure Seelensteine könnt ihr aber nicht nur für Heiltränke ausgeben, im Lauf des Spiels erlernt ihr auch verschiedene Kampftechniken, die ihr dann mit den erworbenen Punkten in Kategorien wie Hitpoints oder Angriffsstärke verbessern könnt. Auch neue Waffen warten im Lauf des Spiels auf euch und lassen euch so immer stärker werden.

 

 

Shaw Brothers lassen grüßen!

 

Kommen wir aber zum auffälligsten „Merkmal“ des Spiels: der sehr gewöhnungsbedürftigen Präsentation! So ist man sich auch nach mehreren Spielstunden nicht ganz schlüssig, ob die trashige Präsentation gewollt ist oder man auf ganzer Linie versagt hat. Für die trashige Schiene spricht die Vorstellung der Gegnertypen im Grindhouse-Stil mit dreckigem Bild und die grausliche Synchronisation in Englisch, die immer so klingt als hätte man die Tonspur in einem leeren Schwimmbad aufgenommen. Auf der anderen Seite steht dann aber auch die wirklich hässliche Grafik, die so vermutlich schon Dreamcast oder PlayStation2 hätten schaffen können. Zwar können die Charakterfiguren einigermaßen überzeugen, jedoch langweilen immer gleiche Gegnertypen und Hintergründe. Das erinnert zwar teilweise an die gute alte 16 Bit-Zeit, aber wie gesagt, ob das so gewollt oder einfach nicht gekonnt ist, kann das Spiel nicht klar machen.

Da passen dann auch die eher langweiligen Menüs, immerhin wird euch im Angriffsmenü aber immer die entsprechende Attacke in der Praxis gezeigt. Ansonsten regiert aber triste Textwüste.

 

FAZIT: Der gute Eindruck der gamescom verblasst

 

Nach der Kölner Messe war „Hidden Dragon Legend“ ein kleines Highlight der angespielten Titel, doch leider kann die Vollversion am Ende nicht so ganz überzeugen. Videospieler, die bereits mit arcadigen Hack’n’Slays auf Mega Drive oder SNES aufgewachsen sind werden dem Spiel zwar durchaus einen gewissen Charme nicht absprechen können, aber alles in allem sprechen wir hier nur von leicht überdurchschnittlicher Kost.

Denn neben der technischen Seite nervt vor allem der ein oder andere Gameplay-Mangel. Warum muss man bei solch einem schweren Titel auf ein Blocksystem verzichten und baut den recht ungenauen Dash ein, der euch bei den hohen Gegnerzahlen dann doch wieder genau in den Schlag eines anderen Feindes führt. Oft bleibt man auch einfach in einem Angriff hängen und kann sich partout nicht daraus befreien so dass man einen Großteil seiner Energie verliert. In solchen Momenten regiert nicht das „Aber jetzt!“-Gefühl von „Dark Souls“, sondern einfach nur Frust über die unfaire Situation. Charmant wird das Spiel dann aber wieder bei der trashigen Inszenierung, die so hoffentlich gewollt ist. Oder, Oasis Games?!?
Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass „Hidden Dragon Legend“ kein Vollpreistitel und für schmale 16,99€ im PSN Store zu haben ist. Da verkraftet man dann auch die Indie-Präsentation des Spiels.