Knack 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 06.09.2017 um 10:44

 

Eine Fortsetzung, die keiner braucht?

Mark Cerny wurde vielen Spielerinnen und Spielern eigentlich erst so richtig bekannt als die PlayStation4 vorgestellt wurde. Die Konsole entstand nämlich zu einem Großteil unter seiner Federführung. Jedoch ist Mr. Cerny nicht nur der Vater des Erfolgs der PS4, er arbeitet schon seit vielen Jahrzehnten erfolgreich in der Branche und war beteiligt an Klassikern wie der „Uncharted“- und der „Crash Bandicoot“-Serie.
Zum Start der PS4 wollte er natürlich auch mit einem eigenen Spiel glänzen und so wurde „Knack“ realisiert. Doch sowohl von Seiten der Presse als auch bei den Konsolen-Käufern selbst fiel das Spiel durch und machte nicht den Eindruck, den seine vorherigen Spiele hinterließen. Umso verwunderlicher ist es, dass Anfang September nun „Knack 2“ auf Sonys schwarzem Kasten erscheint.

Knickknack

Einige Zeit nach den Geschehnissen des Erstlings wird die Welt erneut bedroht, nun aber durch eine mysteriöse Roboterarmee. Zunächst liegt es aber an euch herauszufinden, wie es zu dieser Gefahr kam und so begebt ihr euch durch die verschiedensten Ländereien und erforscht den Ursprung der Roboter. Zusammen mit euren menschlichen Begleitern durchkämmt ihr so einen Dschungel, karge Berglandschaften oder eine mysteriöse Miene nach Hinweisen, wie ihr sie stoppen könnt und die Erde doch noch rettet.





Kleinteile und Prügeleien

Das Hauptfeature von Knack besteht aus dessen Wandlungsfähigkeit. So könnt ihr eure Figur mit Druck der R1-Taste „schrumpfen“ lassen, d.h. Knack lässt alle Teile außer seinem Hauptkörper zurück und kann dann als ca. 70cm hoher Knirps durch allerlei Spalten oder schmale Gänge gelangen. Habt ihr solche Abschnitte hinter euch gebracht, könnt ihr euch durch erneuten Druck auf die Schultertaste die fallengelassenen Teile wieder an euren Körper holen und seid somit wieder als Riese unterwegs. Durch einsammelbare Teile wächst eure Körpergröße teilweise deutlich über die vier Meter an und somit seid ihr auch größeren Gegnern gewachsen.
Im Grunde spielt sich „Knack 2“ aber wie ein klassischer Brawler mit Jump’n’Run-Einlagen. So besteht euer Bewegungsrepertoire aus Hüpfen, Schlagen, Treten, Blocken und Ausweichmanövern. Zwischen den Kämpfen wird ab und an euer Gehirnschmalz auf die Probe gestellt, indem ihr diverse Knöpfe aktivieren oder Kisten verschieben müsst. Begleitung habt ihr meist von einem oder mehreren Menschen, was aber keinen spielerischen Mehrwert hat, da diese relativ selbständig agieren.

„God of War Kids“

Wer schon einmal ein Spiel mit Kriegsgott Kratos gespielt hat, weiß ungefähr was ihn in „Knack 2“ erwartet. So ähneln nicht nur die Kämpfe den Spielen von Sony Santa Monica, auch der Einsatz einer starren Kameraperspektive und der Einsatz von Quick Time Events erinnert stark an das griechische Götter-Epos. Spieler des jüngst veröffentlichten Remasters der „Crash Bandicoot“-Trilogie werden ebenfalls das ein oder andere Deja vú erleben können.
Doch von der Härte der beiden genannten Titel, sei es im Bereich der gezeigten Gewalt oder dem Anspruch des Spiels, ist „Knack 2“ weit entfernt. Es ist vielmehr ein perfektes Spiel für Kids mit PS4, die sich gut unterhalten wollen. So kommt man in den niedrigeren Schwierigkeitsgraden relativ gut voran, auch die Rätsel erklären sich meist von selbst. Steckt man doch einmal fest, kann man sich einen Hinweis anzeigen lassen.
Was „Knack 2“ im Gegenzug zum Erstling aber so besonders machen soll, ist vor allem der Koop-Modus. In diesem kann ein zweiter Mitspieler ohne große Umwege ganz einfach ein- und auch wieder aussteigen. Die Übergänge von Single- zu Zweispielermodus sind somit fließend und werden nicht unterbrochen oder benötigen gar Levelneustarts.





Sonnenstein, flieg und sieg!!

In „Knack 2“ müsst ihr euch jedoch nicht nur mit euren Fäusten gegen die Kobolde und Roboter zur Wehr setzen. So erlangt ihr nach und nach immer wieder neue Spezialfähigkeiten wie zum Beispiel eine Tarnfunktion, einen besonders starken Schlag oder einen Peitschenangriff.
Essentiell ist bei den Kämpfen auch der Status eurer Sonnenenergieleiste, denn solange diese einigermaßen gefüllt ist, dient euch die Energie als Schutzschild gegen feindliche Attacken. Aufladen könnt ihr die Sonnenenergie durch das Zerstören von gelben Kristallen, die überall in den Levels zu finden sind. Habt ihr eure Gegner erfolgreich in die ewigen Jagdgründe geschickt, bekommt ihr dafür blaue Reliktenergie. Diese könnt ihr letztlich am Fertigkeitenbaum einsetzen und gegen schnellere oder stärkere Attacken eintauschen.
Zusätzlich zu diesen Fähigkeiten erwerbt ihr mit Verlauf des Spiels auch Kräfte, durch die ihr euch zum Beispiel Eisen oder Stein an den Körper setzen könnt. Dadurch werdet ihr vor allem stärker, aber auch für das Lösen von Rätseln wird hiervon ab und an Gebrauch gemacht. In den Levels findet ihr außerdem hin und wieder Geräteteile, die euch weitere, hilfreiche Vorteile bringen.

Stein auf Stein

Schon zum Start der PS4 war der Erstling kein echter Hingucker! So konnten zwar die Effekte, wie Knack sich aus den vielen Einzelteilen wieder zusammensetzt begeistern, aber der Rest der Grafik löste keine Jubelstürme aus. Ähnlich ergeht es nun auch dem zweiten Teil. Sind die Designs der Hauptfiguren wirklich schön und detailliert gelöst, erschreckt der Großteil der Umgebungsgrafiken mit verwaschener Optik oder einfach langweiligen Szenarien, die es schon vor zwanzig Jahren in anderen Spielen gab. Die Zusammensetzung der Level wirkt wie das Gesamtkonzept des Spiels einfach uninspiriert. Dies gilt auch für einige Designentscheidungen bei der Handhabung des Fertigkeitenbaums. Hier muss man zum Beispiel erst einen kompletten Bereich, z.B. Schnelligkeit, freischalten, um Zugriff auf die anderen Bereiche zu bekommen.
Abgesehen von der veralteten Optik läuft das Spiel aber recht flüssig. Außerdem gibt es im Optionsmenü die Möglichkeit, die Frames auf stabile 30 Bilder pro Sekunde zu stellen. Auch die PS4 Pro soll mit weiteren Einstellungsmöglichkeiten unterstützt werden.


FAZIT: „Knack 2“ ist kein Meisterwerk, kann jedoch unterhalten

Neben der etwas veralteten Technik und der nicht gerade herausragenden Optik ist das größte Problem von „Knack 2“ das uninspirierte Gameplay. Als langerfahrener Zocker kennt man die Inhalte des Spiels einfach aus zig anderen Titeln, sei es beim Rätseldesign oder den Angriffsmustern der Gegner. Zwar gibt es hin und wieder schöne Details wie die Rüstungen, die die Gegner nach und nach verlieren oder das Erlernen neuer Fähigkeiten, allerdings lockt man damit niemanden hinter dem Ofen hervor.
Hinzu kommen die schlauchigen Leveldesigns und die starre Kamera, die das Erkunden dieser zur echten Herausforderung macht.
Trotzdem lockte „Knack 2“ immer wieder vor den Bildschirm was vor allem an dem schönen Oldschool-Gameplay liegt, das einfach an frühe SNES-Titel erinnert. Durch Gegnermassen prügeln und ab und an mal ein Rätsel lösen ist dann doch kein so verkehrter Inhalt eines Spiels und eine willkommene Abwechslung wenn man an komplexere Titel denkt. Und das zählt im Grunde am meisten. Da kann man dann auch einige Storydetails oder komische Verhaltensweisen – vor allem an der verbalen Front - seiner Begleiter verzeihen und haut dafür lieber noch ein paar Kobolden auf die Mütze. Das Spiel richtet sich auch einfach an ein jüngeres Publikum und ist sicherlich nicht für die Zockergruppe 30+ gedacht.