Everybody's Golf[PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 31.08.2017 um 18:05

 

Jeder kann Golfen

Fast jede Umsetzung einer Sportart profitierte auf den Konsolen und dem PC von der ständigen Verbesserung der Technologie. So kann man in „PES“ oder „FIFA“ mittlerweile von einer Simulation des Rasensports sprechen, auch „NBA 2K“ oder „NHL“ bilden den echten Sport realistisch nach. Denselben Weg ging man auch bei Golfsimulationen und vor allem Electronic Arts bescherte bis vor zwei Jahren mit regelmäßigen Upgrades die Fans des edlen Sportes.
Im Gegenzug zu den Simulationen gab es aber auch schon immer Spieleumsetzungen, die den Sport nicht ganz so ernst nahmen und ihn mit bunter Optik oder Spezialfähigkeiten aufpeppten. Einer dieser Vertreter ist seit PSone-Zeiten „Everybody’s Golf“, welches zwar eine Knuddeloptik besaß, aber dennoch den Sport Golf ziemlich gut nachbildete. Fast exakt zwanzig Jahre nach dem ersten Teil, erscheint der neueste Serienableger für die PS4.

Das Runde muss ins...äh...Runde

Jeder, der sich ein kleines bisschen mit der realen Welt auseinandersetzt, wird schon einmal in Kontakt mit Golf gekommen sein. Und sei es in Form von einem Minigolf-Abenteuer mit der geliebten Familie am Sonntag Mittag, an dem auch gefühlt alle anderen Einwohner des Ortes die gleiche Idee hatten und sich Schlangen an den fordernden Bahnen bilden.
Das Spiel einmal gestartet, müsst ihr zunächst euren eigenen Charakter erstellen mit dem ihr künftig auf Rekordjagd gehen werdet. Wie es die Tradition der Serie verlangt, sind die Figuren in einem Manga-ähnlichen Stil gehalten und können nicht nur im Gesicht vielfach gestaltet werden, auch zig Accessoires und Kleidungsstücke warten darauf, verwendet zu werden. Ist dies geschehen werdet ihr auch prompt in den Heimbereich des Spiels geworfen, welcher als zentrales Hub für fast alle Spielmodi fungiert.

Der Start in eine vielversprechende Karriere

Was neben dem Grafikstil, der realistische Optik mit den Comicfiguren vermischt, als Erstes auffällt: „Everybody’s Golf“ hat nicht nur deutsche Bildschirmtexte, was bei einer Umsetzung eines solchen Nischensports vorbildhaft ist, sondern auch eine deutsche Sprachausgabe. Diese ist zwar meist wesentlich kürzer als das Geschriebene in den Textboxen, aber immerhin vorhanden.
In dem bereits erwähnten Heimbereich findet ihr künftig den Zugang zu den Offline- wie auch Onlineevents, außerdem könnt ihr dort mit anderen NPCs sprechen, an einem Quiz teilnehmen oder nützliche Items finden. Als Einzelspieler sind aber natürlich die Turniere das A und O. Zu diesen meldet ihr euch an einem Stand im Heimbereich an und könnt euch zunächst einen Überblick über die zur Auswahl stehenden Herausforderungen machen.
Zu Beginn bestehen diese meist aus 9 Loch-Turnieren, nach deren Abschluss ihr je nach eurem Erfolg Erfahrungspunkte, Münzen und neue Items bekommt. Habt ihr genügend XP gesammelt, steigt ihr natürlich ein Level auf. Besonderheit bei „Everybody’s Golf“: Bevor euch der Levelaufstieg „erlaubt“ wird, müsst ihr einen Rivalen im 1v1 besiegen. Nach einer bestimmten Anzahl an erfolgreichen Spielen gegen Rivalen, steigt ihr letztlich auch im Rang auf, was euch Zugang zu neuen Inhalten im Spiel wie Kurse, Schläger oder Bälle eröffnet.

 




Entscheidend ist auf dem Platz

Auf dem Rasen selbst, präsentiert sich das Gameplay als Mischung aus Simulation und Arcade. So kann man auch ohne viel Nachjustierung und das Beachten von Wind und Wetter relativ gute Erfolge erzielen, wer will kann dies aber alles manuell einstellen. So gibt es für Anfänger den sogenannten Auto-Abschlag, bei dem ihr nur zum Start des Abschlags und zur Einstellung der Schlagkraft X drücken müsst. Im regulären Modus ist noch ein dritter Druck auf den X-Button nötig, um die Genauigkeit des Schlages zu justieren. Dies geschieht alles mit einer Leiste am unteren Ende des Bildschirms und geht nach etwas Übung leicht von der Hand.
Natürlich kann man dem Ball auch noch einen Spin geben und verschiedene Schläger für die jeweils passende Situation auswählen. Dank einer Anzeige, wie weit man mit dem entsprechenden Holz bzw. Eisen schlagen kann, ist man auch als Laie immer im Bilde.
Besonders motivierend bei „Everybody’s Golf“: mit jedem Schlag lernt eure Figur bei den Fähigkeiten dazu und verbessert ihr Können mit dem jeweiligen Schläger. So habt ihr schon bald wesentlich mehr Kraft beim Abschlag oder mehr Kontrolle beim Einlochen.

Perfekt für Einsteiger

Wie schon erwähnt, macht es auch „Everybody’s Golf“ auch als Anfänger recht einfach. Sei das in Form des Abschlagsystems, dem automatischen Wechsel auf den passenden Schläger oder einige Hilfen bei der Anzeige der Flugrichtung. Wer sich noch gar nichts zutraut, muss auch nicht bei den Turnieren starten, sondern kann auf den einzelnen Plätzen mit vorgegebenen Bedingungen anfangen. So könnt ihr zum Beispiel größere Löcher oder Ball-anziehende Tornadolöcher einstellen.
Ihr seht also, die Lernkurve ist perfekt und daher ist das Spiel auch für jüngere Generationen geeignet, die bisher mit Golfen nichts anfangen können. Ihr solltet immer auch ein bißchen auf euren Caddy und die Zuschauer hören, die euch ab und an kleine Tipps geben.

Komische Opik

Kommen wir zu einem der schwierigsten Punkte des Spiels, der Optik. Denn auf der einen Seite ist die Umgebung in einem realistischen Grafikstil gehalten, der zwar nicht den Standard der aktuellen Konsolengeneration erreicht, aber in Ordnung geht. Auf der anderen Seite werden dann die Animefiguren dazu gepackt, welche so gar nicht mit der Umwelt harmonieren wollen. Das wirkt am Anfang störend und selbst nach den vielen gespielten Stunden für diesen Test immer noch irgendwie befremdlich.
Dazu gesellen sich verspielte und bunte Menüs, die von dudelnder Musik und teils schrägen Hintergrundgeräuschen begleitet werden. Das muss man schon mögen oder man stellt es einfach aus. Dafür ist die Soundkulisse während der Matches recht angenehm. So hört man immer wieder Fans applaudieren, motivieren oder Tipps geben. Da kommt etwas Rasenatmosphäre auf und es sorgt für den ein oder anderen Schmunzler, was dann letztlich doch wieder ganz gut zum Spiel passt.

 



 

Golf ist doch ein Mannschaftssport...oder?

Hat man sich offline bei „Everybody’s Golf“ ausgetobt, kann man sich auch mit anderen Spielern weltweit messen. Dies kann man entweder in einem selbsterstellten Raum tun, der die eigenen Regeln umsetzt oder man nimmt an einem der zwei anderen Modi teil. So kann man in „Offener Platz“ einfach drauf losspielen, mit anderen Spielern chatten oder Münzen und andere Items für die anderen Modi sammeln oder man wählt den „Rasenkrieg“. In dieser Spielart wird man in eines von zwei Teams gesteckt und muss in einem Zeitlimit möglichst viele Löcher zu Ende spielen. Ein Erfolg wird natürlich mit Münzen, Items oder XP belohnt.
Während des Tests funktionierte der Onlinemodus einwandfrei und sehr schnell. Solltet ihr lieber mit Gegnern auf der Couch spielen wollen, gibt es auch einen lokalen Multiplayer-Modus für bis zu vier Spieler.

FAZIT: Auch du kannst golfen!! Ja, du!!!

Wer mit Golf nur eine biedere, spaßlose Sportart verbindet, ist bei „Everybody’s Golf“ genau richtig. Denn das Spiel nimmt einen nicht nur perfekt an die Hand und führt gut in die Welt des Sports ein, sondern garniert ihn auch mit einer locker-flockigen Atmosphäre. Auch wenn das Artdesign nicht ganz so stimmig wirkt und man etwas für die japanische Art und Weise, Spiele zu designen, übrig haben muss, ist „Everybody’s Golf“ eine Empfehlung wert.
Neben der Inszenierung des Spiels gefallen zwar auch andere spieltechnische Entscheidungen nicht, so seht ihr zum Beispiel während eines Turniers ständig eure Gegenspieler auf dem Platz herumlaufen, auch ein Storymodus hätte dem Spiel gut getan, aber trotzdem greift man immer wieder gerne zum Pad und spielt eine Partie. Dies liegt aber vor allem an der zugänglichen Art und Weise des Spiels, die es Golf-Neulingen besonders einfach macht, den Sport zu erlernen.