Resident Evil Revelations[PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 31.08.2017 um 17:55

 

Die Rückkehr des Horrors

Versetzen wir uns einmal zurück in die Jahre 2011/2012: was einst als grandiose, aber auch immer leicht trashige Horror-Videospielreihe begann und unter dem Namen „Resident Evil“ weltbekannt war, ist zu dieser Zeit nur noch ein Schatten seiner selbst. Zwar hält man immer noch an der klassischen „Panzer“-Steuerung der Figuren fest, jedoch musste die Gruselatmosphäre bleihaltiger Action weichen. Umso größer ist die Freude unter den Fans als Capcom „Resident Evil Revelations“ ankündigt, welches sich wieder mehr am Aspekt des Survival-Horrors orientieren soll. Auch wenn das Spiel damals „nur“ für den Nintendo 3DS erscheint, kann der Titel ziemlich gute Wertungen einfahren. Etwas über ein Jahr später folgten dann aber auch aufgehübschte Fassungen für PS3 & Co, welche „Resident Evil“-Fans wohl etwas vom Schock über den sechsten Teil ablenken sollten. Nun erscheint das Serien-Spinoff auch für die aktuelle Konsolengeneration.

Eine Kreuzfahrt ohne Happy End

Einst wurde im Mittelmeer eine künstliche Stadt mit dem Namen Terragrigia erbaut, die sich komplett von der Kraft der Sonne versorgte und so etwas wie ein Utopia war. Doch leider fiel die Stadt einem Terroranschlag der Organisation Il Veltro zum Opfer, welche mit biochemischen Viren eine Katastrophe auslöste. Nun, mehrere Jahre nach dem Vorfall werden mysteriöse Fleischwesen am Strand angespült, deren Ursprung ihr in der Rolle von Serienveteranin Jill Valentine und ihrem Partner Parker Luciani nachgehen sollt. Als dann auch noch ein Notruf von einem Kreuzfahrtschiff eingeht, auf dem sich unter anderem Chris Redfield befand, geht das Abenteuer aber erst richtig los.

Panzer vs Moderne

Nach dem Release von „Resident Evil 5“ musste man sich bei Capcom vor allem Kritik an der antiquierten Shooter-Steuerung gefallen lassen, die zum damaligen Zeitpunkt von vielen anderen Spielen wesentlich intuitiver gestaltet wurde. Daher verwundert es auch nicht, dass man in „Resident Evil Revelations“ zum ersten Mal in der Seriengeschichte auf eine klassische, direkte Steuerung umschalten konnte. Serienveteranen können allerdings auch auf die etwas langsamere „Panzer“-Bewegungen umstellen. Ansonsten handelt es sich bei „Resident Evil Revelations“ zweifellos um ein klassisches Spiel der Reihe. So lauft ihr durch die Level, löst verschiedene Rätsel – meist einfache „Suche den Schlüssel“-Aufgaben - und zieht bei Bedarf die Waffe, um den Untoten die Birne wegzuschießen.

Altbekannte Zutaten

Wie man also bereits erahnen kann, ist „Resident Evil Revelations“ ein ganz klassischer Serienteil. Das mag im Jahr 2012 begeistert haben – aufgrund der ganzen Misere der Reihe – kann aber im Jahr 2017 nach einem fantastischen „Resident Evil 7“ nicht mehr ganz so zufriedenstellen. Denn auch wenn die Grundstimmung des Spiels eher wieder in die Horrorecke geht und man nicht wild ums sich schießen kann, da man sonst bald ohne Munition dasteht, wirken andere Elemente zu altbacken. So hat man zwar neuerdings einen Bioscanner namens Genesis, dieser bringt aber keine spielerische Frische in den Titel. Zwar kann man so Items aufspüren, Gegner analysieren oder Impfstoff herstellen, das Alles wirkt aber mittlerweile altbekannt.
Dennoch hat man in die zwölf Episoden des Spiels immer wieder mal abwechslungsreichere Abschnitte eingebaut wie z.B. einen Part in dem ihr um die Gegner herumschleichen müsst und kein Schießeisen besitzt. Auch eure Waffen könnt ihr mit einigen Upgrades versehen und so verstärken. Nebenbei sammelt ihr wieder die berühmten Kräuter zum Heilen, dank Autospeicherfunktion seid ihr aber nicht mehr auf die Farbbänder für Schreibmaschinen angewiesen.

Retro-Technik

Bereits den Umsetzungen des Spiels für PS3 & Co. konnte man ankreiden, dass sie sich technisch nicht auf dem besten Level befanden. Und leider gilt das nun auch für die aktuellen Versionen. So sind viele der Levels trist, die Texturen matschig und die Polygone kantig wie zu schönsten PS2-Zeiten. Da merkt man ganz deutlich die Herkunft der 3DS-Vorlage. Auch die Videosequenzen sehen entsprechend aus und bräuchten dringend einen Schärfefilter o.ä. Da hat Capcom bei der Portierung leider keinen Yen mehr investiert als nötig.
Zur mauen Technik kommt eine sehr schwammige Steuerung, zum Glück kann man diese beim Zielen zumindest durch die Änderung der Zielgeschwindigkeit noch etwas zum Besseren wenden. Auf dem Handheld sicherlich auch dienlich, auf Konsolen eher unübersichtlich, ist die Kamera, die sich sehr nahe an euren Protagonisten befindet. Vor allem in engen Räumen kommt es so ständig zu Chaos und wilden Schwenks.

FAZIT: Damals hui, heute eher pfui!

Man kann verstehen, warum „Resident Evil Revelations“ damals solch gute Wertungen beim Release auf dem 3DS bekam, schließlich wünschte man sich nichts sehnlicher als einen gruseligen Serienteil. Heutzutage ist das Spiel zwar atmosphärisch immer noch sehr dicht, der Grusel ergibt sich aber hauptsächlich aus der technischen Verfassung des Spiels. So sind alle Kritikpunkte der PS3-, PC- oder Xbox 360-Fassung auch heute noch vorhanden und lassen auf einen schlampigen Port schließen, der nur für das schnelle Geld gut sein sollte. Serienfans werden das Spiel vermutlich schon gespielt haben, sollte man „Resident Evil Revelations“ noch nicht kennen, greift man wohl am besten zur 3DS-Version. Denn der kann man einige der genannten Mängel verzeihen.