Nvidia Shield TV

Verfasst von Christian Suessmeier am 23.08.2017 um 10:38

 

Android-Konsolen – Fluch und Segen

 

 Seit der Einführung von Android als System für vorwiegend mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones, gab es auch immer wieder Versuche, damit vernünftige Geräte für den Heimgebrauch zu machen. Bekanntestes Beispiel ist wohl die Ouya, die mit einer sagenhaften Kickstarter-Kampagne zu Ruhm kam, im Endeffekt aber kläglich scheiterte. Besser machen will es da Chiphersteller Nvidia, der nun seine aktuelle 2017er Version des Nvidia Shield TV herausgebracht hat. Was die kleine Box so alles kann und ob sie eventuell sogar für PS4 oder zumindest Switch eine Gefahr darstellt, klären wir in unserem Hardware-Test.

 

 Design wie aus einem SciFi-Film

 

 Öffnet man die Box des Nvidia Shield TV fällt zunächst das futuristische Design der Konsole samt Controllers auf. So setzt man bei Nvidia auf eine kantige Gestaltung der Konsole selbst, der Controller gefällt mit schicken Vektor-Anleihen und sieht einfach nur gut aus. Da man das Gerät nicht nur als Spielemaschine, sondern auch für TV- und Medienwiedergabe nutzen kann, liegt außerdem eine Fernbedienung bei, die äußerlich der des Apple TV ähnelt und auch mit einem Mikrofon zur Sprachsteuerung versehen ist.
Solltet ihr den Nvidia Shield TV senkrecht hinstellen wollen, gibt es separat noch einen Standfuss zu kaufen. Im Vergleich zum Vorgänger-Modell ist die Konsole merklich kleiner geworden, bietet in der Grundversion aber immer noch 16GB Flashspeicher und ausreichend Anschlüsse für Peripherie. Die teurere Version bietet eine 500GB Festplatte. So könnt ihr externe Festplatten oder andere Speichererweiterungen über einen der zwei USB 3.0-Ports anschließen, euren TV verbindet ihr wie üblich mit einem HDMI-Kable, welches für 4K-Auflösung geeignet sein sollte.

 

 

Topmodern!

 

 Denn neben der ziemlich guten technischen Ausstattung, bewirbt Nvidia vor allem die 4K-Fähigkeiten der kleinen Wunderkiste. So kann man zum Beispiel Amazon Prime in 4K und HDR auf Nvidia Shield TV nutzen, Anbieter wie Zattoo oder Sky sind außerdem verfügbar bzw. sollen folgen. Das Gerät selbst basiert dabei auf Android 7.0, läuft aber mit Android TV, welches speziell für die Wiedergabe von Multimedia-Inhalten konzipiert wurde. Dank Tegra X1-Prozessor, übrigens dem der Switch sehr ähnlich oder sogar baugleich, hat das Gerät absolut genug Power und das merkt man auch. Selten ließ es sich so flüssig und einwandfrei durch eine Benutzeroberfläche navigieren wie auf dem Nvidia Shield TV. Echt super! Neben der 4K-Fähigkeit und der großen Rechenpower kommen Fans von aktuellen Techniktrends voll auf ihre Kosten. So unterstützt Nvidia Shield TV Soundformate wie Dolby Atmos oder 360 Grad-Videos auf YouTube. Dank Android-Unterstützung kann man viele Apps auf dem Gerät wiedergeben, u.a. natürlich auch Spiele.

 

 Gefahr für PS4 & Co.?

 

 Nvidia bewirbt den Shield TV nicht nur mit seinen Multimedia-Funktionen, sondern will es auch Spielerinnen und Spielern schmackhaft machen. Dazu findet ihr auf dem Gerät zum Beispiel eine Verbindung zu Steam, dank Kooperation mit Ubisofts uplay sind auch die Spiele des französischen Publisher auf der Konsole spielbar. Sehr interessant für PC-Gamer: ihr könnt eure Spiele vom heimischen PC über das Netzwerk auf die Konsole und so auf euren TV im Wohnzimmer streamen. Im Praxistest funktionierte das gut, die Spiele sahen auch sehr gut aus. Damit dies einigermaßen ruckel- und verzögerungsfrei läuft, solltet ihr allerdings mindestens eine 20Mbit-, besser sogar eine 50Mbit-Leitung zuhause haben. Solltet ihr keinen Spiele-PC besitzen, könnt ihr wahlweise auch aus einer Spielebibliothek namens GeForce Now Titel auswählen, die dann direkt auf den Nvidia Shield TV gestreamt werden. Dieses Angebot ist allerdings mit monatlichen Gebühren verbunden. Natürlich ist bei einer Android-Konsole auch das Thema „Emulation“ zu nennen, da es in Googles Play Store viele Emulatoren zu klassischen Konsolen gibt. Alles was ihr dann noch braucht, sind passende Roms, die ihr idealerweise von euren eigenen Modulen ausgelesen habt. Kleiner Knackpunkt: die Multiplayer-Funktionen auf dem Nvidia Shield TV sind bisher nur eingeschränkt nutzbar und befinden sich aktuell noch im Aufbau.

 

 

Nvidia hat mitgedacht

 

 Kommen wir zum Schluss noch zu einigen technischen Punkten, die heutzutage von Bedeutung sind. So liegt der Stromverbrauch der Konsole im untersten Bereich, mit maximal 20 Watt, teilweise sogar unter 10 können PS4 oder Xbox One nicht konkurrieren. Dies ist auch bei der Geräuschentwicklung auffällig. So entwickelt sich nie ein Geräuschpegel wie bei den großen Konsolen und man kann den Nvidia Shield TV ohne Probleme auch ins Schlafzimmer stellen. Auch bei der Akkuleistung des Controllers können sich die Konsolenhersteller Sony und Microsoft eine Scheibe abschneiden. Denn mit 60 Stunden Laufzeit kann höchstens noch der Pro Controller der Switch mithalten. Stichwort Controller: dieser ist mit dem der Xbox One zu vergleichen und besitzt auch ein ähnliches Layout. Auch wenn er auf Bildern etwas klobig aussieht, liegt er gut in der Hand und ist empfehlenswert.

 

 FAZIT: Keine Konkurrenz zu PS4 & Co. aber eine gute Ergänzung

 

 Nach unserer ausgiebigen Testsession mit dem Nvidia Shield TV sind wir doch recht angetan von der Konsole. Vor allem für PC-Besitzer, die ihren Computer nicht sowieso schon im Wohnzimmer mit Steams Big Picture-Modus betreiben, kann das Gerät dank Streamingfunktion oder GeForce Now eine lohnenswerte Alternative sein. Aber auch Technik-Freaks, die viele Videodienste von Amazon & Co. oder Mediatheken nutzen, kommen mit dem Nvidia Shield TV auf ihre Kosten. Vor allem dank der Unterstützung solch moderner Formate wie 4K, HDR oder Dolby Atmos ist hier einiges geboten. Einen Kritikpunkt haben wir dennoch, den Preis. So ist das Gerät mit 229,-€ in der Grundausstattung(also mit 16GB Flashspeicher) teurer als eine PS4 oder Xbox One im Angebot. Das mag für Leute interessant sein, die nicht unbedingt aufs Geld schauen müssen. Alle anderen greifen in dieser Preiskategorie wohl eher zu einer der genannten Konsolen. Dennoch hat der Nvidia Shield TV einen Vorteil gegenüber PS4 oder Xbox One und das ist die Mobilität. Durch die Größe des Gerätes ist es schnell eingepackt und eigentlich braucht ihr nur einen Stromanschluss, TV und im besten Fall noch Internet – los geht der Spaß!

 

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