Retrospiele im Land der aufgehenden Sonne

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.07.2017 um 15:57

 

Es gibt auf dem Globus viele Ziele für passionierte Gamerinnen und Gamer und Japan ist sicherlich eines der Interessantesten davon. Nicht nur aktuelle Konsolen, Handhelds und Spiele kann man vor Ort sichten und erwerben, auch und besonders für Freunde von Retrospielen ist Japan eine Reise wert. Darum haben wir auch keine Kosten und Mühen gescheut und sind für euch gen Osten geflogen...eventuell war der Autor auch einfach nur privat dort und ging im Retro-Wunderland Tokyo fast verloren.

 

(In so ziemlich jedem Gebrauchtspiele-Laden gibt es Retrogames in OVP.)


Neben üblichen Elektromärkten wie Yodobashi Camera und Bic Camera sollte man auf seiner Suche nach Games vor allem auf die Secondhand-Ketten Book Off und Trader achten. Eine Ausnahmeposition hat hier Tsutaya, da man dort sowohl Neu- als auch Gebrauchtware bekommt. Selbst in den regulären Shops der oben genannten Ketten außerhalb des einstigen Elektronikviertels Akihabara kann man schon den ein oder anderen Klassiker für Gameboy, SNES oder PSone in der Originalverpackung zu einem günstigen Preis bekommen.

 

 

(Die Preise der Spiele variieren stark. Module für das Neo Geo sind teurer als die Spiele für das Neo Geo CD.)

 

Aber fangen wir vorne an und arbeiten uns von Stadtteil zu Stadtteil. Aktuell ein besonderer Tipp ist Nakano Broadway, was eine große, verwinkelte Mall an der Metro-Haltestelle im gleichnamigen Stadtteil Nakano ist und seinen Charme und seinen Geheimtipp-Status erst nach einigen Metern offeriert. Zwischen zig kleinen Läden in denen es von Manga über Anime bis hin zu Figuren alles gibt, was das Nerdherz begehrt, finden sich auch mehrere Videospiel-Shops, die eine feine Auswahl an Retrospielen haben.

Besonders zu empfehlen ist der Laden der Mandarake-Kette, der euch von Game Gear- über PC Engine- bis hin zu Famicom/NES-Spielen allerlei Auswahl bietet. Preislich könnt ihr hier bereits ab 1,50€ für unverpackte Module fündig werden. Falls ihr mehr Geld loswerden wollt, werdet ihr in der Vitrine am Eingang fündig wo das ein oder andere Schätzchen steht.

 

(Konsolen gibt es zuhauf, oft aber ohne OVP und Zubehör. Rechts ist übrigens das Famicom Dics System zu sehen.)
 

Allseits bekannt dürfte Akihabara sein. Das Stadtviertel, das sich früher mit seiner riesigen Auswahl an Elektroteilen aller Art einen Ruf machte, ist mittlerweile zum Mekka für Anime- und Manga-Fans geworden. Auch in Akiba – wie man als hipper Besucher sagt – findet man große Filialen der bereits erwähnten Gebrauchtwarenketten.

Einen Besuch wert sind hier vor allem die Trader-Shops in denen man neben CDs, DVDs und Figuren eben auch Games und Konsolen bekommt. Teilweise gibt es dort sogar eine Sektion mit Importspielen(US- und EU-Versionen) und relativ neue Spiele für einen Bruchteil des Neupreises. „NieR: Automata“ konnte man so schon zwei Wochen nach Release für knapp 40€ kaufen.


(Der gut versteckte Kultladen Super Potato befindet sich in einer Seitenstraße Akihabaras.)
 

Absolutes Highlight ist aber Super Potato, ein schwierig zu findender Shop, der auf drei Stockwerke verteilt ist. Schon seit Jahren hat dieser Lden einen ausgezeichneten Ruf unter Gamingfans, auch international. Gibt es auf den ersten beiden Etagen noch Spiele für Dreamcast, Mega Drive, Neo Geo & Co. kann man im obersten Stockwerk an alten Arcade-Automaten daddeln. Und damit man sein Spiel am Automaten nicht unterbrechen muss, gibt es dort einen kleinen Shop und sogar Wasserkocher für die Nudelsuppe. In den letzten Jahren wurde Super Potato von westlichen Retrofans angeblich ziemlich leer gekauft, allerdings kam es mir nicht so vor. Egal ob Mainstream-Spiel oder Geheimtipp, die Auswahl an Titel war ziemlich groß.

 

(Auch Segas letzte Konsole gibt es in Japan natürlich zu kaufen.)


Stichwort Arcades: Nachdem die Anzahl an Spielhallen in den vergangenen Jahren auch in Japan erheblich abgenommen hat, scheinen es mittlerweile wieder mehr zu werden. Zwar bestehen sie meist zum Großteil aus Rhythmusspielen oder UFO-Catchern, allerdings gibt es zwischendrin immer wieder mal einen Automaten wie „Tekken 7“, klassische Sega-Titel oder Lightgun-Shooter zu entdecken.

 

(Solch eine Auswahl lässt dem eingefleischten Sega-Fan das Wasser im Munde zusammen laufen.)


Alles in allem lohnt sich eine Reise nach Tokyo bzw. Japan auf jeden Fall. Sei es wegen der unglaublichen Kultur, dem tollen Essen oder den netten Menschen. Freunde von Retrospielen werden sich wie im siebten Himmel vorkommen. Denn egal ob es die Auswahl oder die Qualität der Ware betrifft, hat man sonst nichts Vergleichbares. In den meisten Shops kann man beobachten wie sorgfältig mit der Ware umgegangen wird. Da werden Klebereste auf Modulen entfernt, CDs poliert und Konsolen entstaubt. Deswegen ist ein Großteil der zu kaufenden Sachen in einem sehr guten Zustand. Wenn man dann noch die geringen Preise nimmt, muss man sich über die Retro-Wucherpreise, die aktuell im Westen gezahlt werden, wundern.

Bei Spielen kann man von 10 Yen(ca. 8 Cent) für „NBA Live“ bis hin zu mehreren 1000 Yen für Titel in OVP rechnen. Im Durchschnitt wird man bei gängigen Titeln aber maximal 4000 Yen(ca. 32€) zahlen. Auch Konsolen sind vergleichsweise günstig, werden aber im Originalkarton auch etwas teurer. Allerdings muss man hier auch auf den Lieferumfang der Hardware achten. Oft gibt es die Konsolen nur einzeln ohne Zubehör.


Zum Abschluss noch ein Wort zu den aktuellen Konsolen und Handhelds in Japan: hier dominieren ganz klar die Sony-Systeme PS4 und PS Vita und natürlich der 3DS. Da die Reise kurz nach dem Release der Switch stattfand, war auch diese sehr gefragt und vielerorts wie in Europa ausverkauft. Spielt die Vita im Westen keine Rolle mehr, ist die Auswahl an Spielen und Zubehör in Japan der Wahnsinn.

Also, packt eure Koffer und besorgt euch ein Ticket nach Japan! Es lohnt sich.

 

(Besucht im Super Potato auf jeden Fall das oberste Stockwerk mitsamt seinen klassischen Arcades.)