WipEout Omega Collection [PS4]

Verfasst von Playzocker am 19.06.2017 um 17:59

 

„I’m gonna take you back to the past to play some awesome gamest hat kicked ass!“

 

 Es gibt Momente im Leben, an denen muss man einfach nostalgisch werden. Geburtstage, Jahrestage, die Ankündigung eines neuen „Wipeout“ für die aktuelle Konsolengeneration – die wichtigsten Lebensabschnittsmarkierungen eben. Verständlich groß war der Aufschrei der Fangemeinde, als die „Wipeout Omega Collection“ für die PlayStation 4 angekündigt wurde. Wenngleich das Paket mit einem gehörigen Wehrmutstropfen daherkommt – handelt es sich dabei doch nicht um ein wirklich neues „Wipeout“ sondern nur um verbesserte Neuauflagen bereits vor langer Zeit erschienener Spiele aus dem Franchise – sah man das Konzeptz dennoch prädestiniert, die gute alte PlayStation 4 und die gute neue PlayStation 4 Pro mit rasanten Gleiterflügen in 60fps und 1080p bzw. 4K/HDR in ein Sternentor zu den Träumen feuchter Kinderaugen zu verwandeln. In unserem Test klären wir ob es tatsächlich geglückt ist, die futuristische Rennaction zukunftstauglich machen, oder ob der Gleiter sich bereits nach wenigen Metern in die Bande bohrt.

 

 Furioses Rennvergnügen

 

 Die „Wipeout Omega Collection“ vereint 2.5 Spiele der vergangenen Sony-Generationen. So bietet das Paket einerseits das 2008 für die PlayStation 3 erschienene „Wipeout HD“, vergisst aber auch nicht auf dessen massive Erweiterung „Wipeout HD Fury“ aus dem Jahr 2009. Außerdem ist das ursprünglich für die PlayStation Vita veröffentlichte „Wipeout 2048“ aus dem Jahr 2012 mit an Bord. In Sachen Inhalt haben sich die Teams von Clever Beans und EPOS definitiv nicht lumpen lassen, so warten in der „Wpieout Omega Collection“ alle 26 Strecken (in beide Richtungen befahrbar) sowie 46 Gleiter auf euch. Außerdem hat man darauf Wert gelegt, die Erfahrung so nahtlos wie möglich zu machen. Ähnlich wie bei dem (mittlerweile) grandiosen „Driveclub“ kann man mittels weniger Klicks zwischen den einzelnen Kampagnen und Programmpunkten wechseln, ohne das Spiel verlassen zu müssen oder sich durch unübersichtliche Menüs zu kämpfen. Außerdem hat man auf viele unnötige Spielereien verzichtet, die heutzutage ihr bestes versuchen, jedes noch so große Spielvergnügen zu trüben.

 

 

Geradewegs zum Erfolg

 

 Nein, es gibt keine Mikrotransaktionen, keine (ach, welch Zufall) auch durch Echtgeld zukaufbare ingame-Währung, mit der man entweder durch stundenlanges Spielen … Verzeihung: Spielvergnügen! … oder durch das einfache Anzapfen der Kreditkarte zum Erfolg kommt. Und, schau an, das Freischalten der verschiedenen Strecken, Gleiter und Boni macht immer noch Spaß. Fast so wie bei einem echten Spiel! Auch ist es gar nicht notwendig, Zeit in irgendwelchen Lack-Editoren zu verbringen, deren kosmetische Änderungen sich sowieso nicht auf das tatsächliche Spielgeschehen auswirken. Die „Wipeout Omega Collection“ definiert den Begriff ‚streamlined‘ förmlich neu. Alles, das „Wipeout HD“ und „Wipeout 2048“ großartig gemacht hat wird übernommen, auf unnötige Ergänzungen (Ausnahme: der Fotomodus) oder gar moderne Unannehmlichkeiten wird komplett verzichtet. Vorbildlich!

 

 3. 2. 1. LOS!

 

 Nach dem Spielstart habt ihr in wenigen Momenten zu dem gewünschten Event navigiert, dass man erfreulich kurzer Ladezeit (ca. 10 Sekunden) bereits startet. Dabei stehen euch wie vom Franchise gewohnt verschiedene Veranstaltungstypen zur Verfügung. Am wenigsten Erklärung benötigen wohl die klassischen Platzierungsrennen, bei denen ihr im besten Fall an der Spitze der Gleiterkolonne durch das Ziel rast. Während ihr euch mühevoll nach vorne kämpft fällt eine weitere großartige Eigenschaft des Spiels auf: es gibt keine Gummiband-KI! Dieses System wurde dazu entwickelt um ‚permanent herausfordernde Rennen‘ zu schaffen, sorgt bei den meisten Spielen aber nur für Frustration bzw. unfreiwillige Komik. Grundsätzlich funktioniert es nach dem Prinzip, dass euer Fahrzeug und die Gegner von einem (imaginären) Gummiband umgeben sind das verhindert, dass sich einzelne Rennteilnehmer zu weit auseinander bewegen. Das bedeutet einerseits, dass ihr auch nach unzähligen Unfällen von euren Gegnern nicht mehr überrundet werdet und diese förmlich auf euch warten, andererseits ist es aber auch für euch unmöglich Gegner wirklich zu deklassieren, da auch diese immer wieder auf unfaire Art und Weise aufholen bzw. sich an eure Stoßstange teleportieren. Eigentlich tragisch, dass man klassisches, unverfälschtes Rennvergnügen im Jahr 2017 wieder als erfreulichen (fast schon überraschenden) Aspekt der Spielmechanik bezeichnen muss.

 

 

Mächtiges Badaboom!

 

 Das Herzstück von „Wipeout“ sind allerdings die Kampf-Rennen, in denen ihr neben der Platzierung eures Gleiters auch zahlreiche Waffen im Auge haben müsst. Ihr könnt euren Gegnern während der Rennen mit Minen, Bomben, Lenkraketen und allerlei anderen explosiven Unannehmlichkeiten auf die Pelle rücken – müsst euch allerdings darauf gefasst machen, dass eure Gegner ebenfalls etwas vom Einsatz dieser unlauteren Mittel verstehen. Zu einem Kart-Racer wird das Spiel aber trotzdem nicht – „Wipeout“ behält trotz der rohen Waffengewalt sein ernstes und vor allem beeindruckend rasantes Spielgefühl. Eine weitere Disziplin, mit der ihr viel Zeit verbringen werdet, sind die Zeitrennen, in denen ihr nicht gegen tatsächliche Gegner sondern gegen die Zeit fahrt und bestimmte Strecken in einer bestimmten Zeit schaffen müsst. Zu guter Letzt warten noch Zonen-Rennen auf euch, die eine ganz besondere Gemeinheit bereithalten. Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen unendlich langen Überlebensmodus, bei dem die Spielgeschwindigkeit allerdings immer wieder in die Höhe geschraubt wird und euch schon nach kurzer Zeit die Streckenabschnitte und Kurven förmlich um die Ohren fliegen.

 

 Computer says … YES!

 

 Eines sollte schon nach diesen kurzen Beschreibungen klar sein: Die verschiedenen Spielmodi der „Wipeout Omega Collection“ bieten viel Abwechslung, die natürlich auch von der Vielzahl an Strecken und Gleitern unterstrichen wird. Das Streckendesign ist zudem phantastisch und zählt ohne Frage zum Besten, das man in den letzten Jahren in diesem Genre gesehen hat. Obwohl die einzelnen Strecken teilweise bereits seit knapp 10 Jahren befahren werden können wirken sie immer noch frisch, die Balance zwischen Abkürzungen, komplexen Manövern bzw. den Waffen-Spawns ist nach wie vor hervorragend und vor allem mit weiteren virtuellen Gleitern in eurer Nähe macht das Spiel immer noch unglaublich viel Spaß. Neben dem Kampagnen-Modus (bzw. den drei Kampagnen-Modi, um genau zu sein) bietet das Spiel natürlich noch die Möglichkeit, online gegen menschliche Gegenspieler anzutreten, oder aber – und hier kommt einer der großen Pluspunkte von „Wipeout Omega Collection“ – im lokalen Splitscreen-Multiplayer gegen Freunde anzutreten. Ja! Richtig gehört. Lokaler Splitscreen-Multiplayer. So, wie es früher üblich war. Herrlich, diese Nostalgie! Dabei darf man sich sogar aussuchen, ob man den Bildschirm horizontal oder vertikal teilen möchte und kann dann, einen willigen Mitspieler vorausgesetzt, die wahre Seele von „Wipeout“ auskosten.

 

 

Wax on, wax off

 

 Die „Wipeout Omega Collection“ läuft prinzipiell mit butterweichen 60fps. Auf der PlayStation 4 unterstützt sie dabei 1080p FullHD Auflösung, auf der PS4 Pro kann das Spiel in 4K Ultra-HD mit erweitertem Farb- und Kontrastumfang (HDR) genossen werden. Allerdings ist bei der „Wipeout Omega Collection“ wesentlich mehr passiert als einfach nur die Auflösung in die Höhe zu schrauben. Die Grafik wurde an den erforderlichen Detailgrad für die aktuelle Konsolengeneration angepasst, die Gleiter zeigen beeindruckende Details wie Rohre oder Lüftungen und auch die abwechslungsreichen Umgebungen zeigen einige Details, die man aufgrund des rasanten Spieltempos sowieso nur am Rande wahrnehmen kann. Wenngleich sowohl „Wipeout HD“ als auch „Wipeout 2048“ sehr gut überarbeitet wurden lässt sich der Altersunterschied beider Spiele zumindest im Detail erkennen. So ist das HUD von „Wipeout HD“ etwas größer geschrieben, auch halten sich Lichteffekte hier noch etwas dezenter im Hintergrund. Feuer- und Explosionseffekte wirken gelegentlich allerdings sogar förmlich verpixelt. Eines darf (und wird) man trotz der gelungenen Überarbeitung nicht vergessen: Die „Wipeout Omega Collection“ ist keine Neuentwicklung für die PS4 (Pro) sondern eine überarbeitete Neuauflage. Ja, die Spiele sehen überzeugend und teilweise aufgrund der butterweichen 60fps schlichtweg beeindruckend aus - die aktuelle Konsolengeneration könnte allerdings dennoch noch wesentlich mehr leisten.

 

 Hey DJ, bring den Tune zurück

 

 Neben der Grafik und dem rasanten Spielgefühl gibt es allerdings noch einen weiteren Aspekt, der „Wipeout“ in den letzten Jahr(zehnt)en ausgezeichnet hat: Der Soundtrack. Und da könnten sich einige wieder an den Nostalgie-Faktor der guten alten PSone erinnern, deren Game Discs teilweise sogar als Audio CD über einen handelsüblichen CD-Spieler abgespielt werden konnten. „Wipeout 2097“ war so ein Beispiel, und die Spielmusik immer bei sich haben zu können hat den Nostalgiewert der elektronischen Musik des Franchise keinesfalls geschmälert. Mit Blu-rays bzw. digitalen Spieledownloads ist das heutzutage zwar nicht mehr möglich – dennoch hat man sich beim Soundtrack nicht lumpen lassen und insgesamt 28 Tracke von The Prodigy, den Chemical Brothers und anderen beigesteuert, die das klassische „Wipeout“-Feeling hervorragend vermitteln. Hinzu kommt, dass auch die Gleiter bzw. Umgebungen sehr gut klingen und das Geschwindigkeitsgefühl auch akustisch herausragend präsentiert wird. Für alle ganz neugierigen haben wir die komplette Soundtrack-Liste des Spiels an dieses Review angehängt.

 

 

Fazit: Wipeout is back … sort of!

 

 „Wipeout“ ist ein großes Franchise, das auf den letzten Konsolengenerationen mit toller Grafik, genialer Musik und einem beeindruckenden, unvergleichlichen Spielgefühl auf sich aufmerksam gemacht hat. Auch wenn es sich bei der „Wipeout Omega Collection“ nicht um einen neuen Teil sondern nur um eine Remastered Version von „Wipeout HD“, „Wipeout HD Fury“ und „Wipeout 2048“ handelt ist es dennoch schön, das dynamische Rennvergnügen endlich auch auf der PS4 (Pro) erleben zu können. Die technischen Möglichkeiten der aktuellen Konsolengeneration werden dabei zwar nicht voll und ganz ausgeschöpft, dennoch machen die butterweichen 60fps sowie die (auf der PS4 Pro) 4K mit HDR oder zumindest 2080p auf der guten alten PlayStation 4 einen sehr guten Eindruck. Mit 26 Strecken, 46 Gleitern und lokalem Splitscreen-Multiplayer-Modus, dafür aber gänzlich ohne nervigen Mikrotransaktions-Bullshit oder frustrierende Gummiband-KI, stimmen nicht nur der Umfang sondern auch die Aufmachung des Spiels. Das ist eine überarbeitete Neuauflage, an der kein „Wipeout“-Fan vorbei kommt.

 






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