Arms [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 13.06.2017 um 10:07

 

Nintendo und seine Prügelspiele

 

 Nintendo. Ein japanisches Traditionsunternehmen, welches im Videospielbereich vor allem für seine Figuren wie Link, Mario, Kirby oder Donkey Kong bekannt ist. Außerdem hat man mit Jump’n’Runs, Abenteuerspielen oder Minispielsammlungen vor allem familienfreundliche Genres im Portfolio seiner Konsolen und Handhelds etabliert. Doch selbst eher erwachsenere Genres wie Beat’em Ups konnte man meist so umarbeiten, dass diese zum Image der Firma passten. Mit „Smash Bros.“ hat man gar eine Spielereihe geschaffen, die es in Sachen spielerischer Tiefe locker mit anderen, klassischen Prügelspiel-Reihen aufnehmen kann. Kurz nach dem Release der Switch startet man nun mit „Arms“ eine neue IP, die vor allem durch den Einsatz der Bewegungssteuerung der JoyCon-Controller hervorsticht und außerdem den typischen Nintendo-Charme versprüht. Doch was kann das Prügelspiel wirklich? Und ragt es so aus der üblichen Masse an Fighting-Games hervor, dass sich ein Kauf lohnt? Wir klären es in unserem Test.

 

 Das nennst du Muskeln?!?

 

 Die Besonderheit von „Arms“ zeigt sich schon nach wenigen Minuten. Denn erstens seht ihr eure Spielfigur nicht in der üblichen Seitenansicht wie in anderen Fighting-Games und zweitens bestehen eure Arme aus dehnbaren Federn, die mit allerlei Aufsätzen entweder zu Boxhandschuhen, Klingen oder Raketenwerfern werden können. Die Kämpfe finden dabei in Arenen statt, die vom klassischen Boxring über eine Manege mit beweglichen Plattformen bis hin zu einem Labor mit zerstörbaren Glassäulen reichen und gehen im Normalfall über maximal drei Runden. Ebenso gibt es ein klassisches Zeitlimit, das nach dessen Ablauf anhand der Restenergie den Sieger kürt. Ihr seht also, die Grundelemente gleichen einem traditionellen Titel wie „Street Fighter II“ oder „Tekken“. Dennoch macht „Arms“ vieles anders.

 

 

Ran an die JoyCons!

 

 Startet man „Arms“ zum ersten Mal zeigt einem das Spiel in einem kurzen Tutorial die Grundlagen des Kampfsystems. Zunächst geht das Game davon aus, dass ihr es mit je einem JoyCon in der linken und rechten Hand spielt. Auch andere Steuerungsmöglichkeiten gibt es, dazu aber später mehr. Eure Fäuste lasst ihr fliegen indem ihr entweder den linken oder rechten Arm nach vorne streckt, außerdem kann man die Angriffe durch leichtes Schräghalten der Controller etwas andrehen um z.B. Deckungen zu umgehen und euren Feind zu überraschen. Euren Kämpfer bewegt ihr durch gleichzeitiges nach Links- bzw. Rechts- neigen der JoyCons und erhöht durch Drücken des L-Buttons eure Geschwindigkeit mit einem Sprint. Auf dem R-Button hingegen könnt ihr einen Sprung aktivieren, so dass ihr gegnerischen Angriffen ausweichen könnt. Hierfür ist aber auch das Abblocken sehr gut geeignet. Dieses wird aktiv, wenn ihr die beiden JoyCons nach innen dreht, also wie ein Schutzschild vor eure Brust haltet. Habt ihr genügend Treffer gelandet und so eure Leiste für den Spezialangriff aufgefüllt, könnt ihr durch Druck der ZL- und ZR-Taste eure Angriffskraft erhöhen. Dann seid ihr für kurze Zeit eine richtige Gefahr und gelandete Treffer schmerzen doppelt. Zu guter Letzt kann man durch eine gleichzeitige Bewegung der beiden Hände nach vorne eine Griffattacke durchführen, die auch in einem Minispiel zum Einsatz kommt.

 

 Modi, die einen umhauen

 

 Die Minispiele sind dabei nur eine der Möglichkeiten, seine Zeit mit „Arms“ zu verbringen. Herzstück ist hier sicherlich der Grand Prix-Modus, in dem ihr euch in zehn Kämpfen anderen Gegnern stellen müsst. Für Abwechslung sorgen hier die eingestreuten Disziplinen wie Volleyball, Basketball oder Ins Schwarze, die euch neben den klassischen 1 vs 1-Kämpfen erwarten. Im Versus-Modus hingegen könnt ihr entweder aus den Minispielen wählen, einen Kampf nach euren Regeln bestreiten oder in einem Hundertkampf antreten. Letzterer stellt euch in Zehnerwellen immer stärker werdende Feinde entgegen. Einige der Disziplinen sind für bis zu vier Spieler gemacht oder können im Team oder online gespielt werden. Auch beim Ausprobieren der zehn Kämpfer vergeht so einiges an Zeit. Denn bis ihr einmal euren Lieblingskämpfer mit der perfekten Auswahl an Arms gefunden habt, muss das ein oder andere Spiel gespielt werden. So könnt ihr jeden eurer Arme unterschiedlich ausstatten und spielt so nach und nach dreißig verschiedene Aufsätze dafür frei. Wie oben schon erwähnt unterscheiden sich diese in der Art der Waffe oder können auch für die Defensive nützlich sein. Hier ist Ausprobieren gefragt!

 

 

Arms-Dollar statt Proteinshake

 

 Die Arms-Aufsätze bekommt ihr aber nicht einfach durch das Absolvieren von Kämpfen, sondern müsst diese per Ingame-Währung freikaufen. So könnt ihr mit je 30 Einheiten davon das sogenannte Arms-Depot öffnen. In diesem erhaltet ihr durch Zerstören von Zielscheiben Punkte für die ihr wiederum die besagten Aufsätze ergattern könnt. Dieses Freispielen erfordert einiges an Zeitaufwand und wird euch sicherlich einige Stunden beschäftigen. Aber keine Angst: Nintendo hat keine Microtransactions in das Spiel integriert! Die Ingame-Währung erhaltet ihr glücklicherweise für alle Kämpfe, die ihr absolviert und erhöht sich auch je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad und der Disziplin. Während der Kämpfe seid ihr nicht nur auf eure Muskelkraft angewiesen, denn hin und wieder finden Spezial-Items ihren Weg in die Arena. Neben Bomben, die ihr per Faustschlag dem Gegner zukommen lassen könnt, bekommt ihr hin und wieder aber auch Heiltränke oder füllt eure Leiste für den Spezialangriff über solch ein Supportitem auf.

 

 Da bekommt man was auf die Mütze!

 

 Neben traditionellen Offline-Spielereien bietet euch „Arms“ auch einen Onlinemodus, der für einige Stunden Spielspaß sorgen dürfte und vermutlich auch essentiell für das Spiel ist. Neben einfachen Standardkämpfen, die ihr durch Eröffnen einer Lobby startet und in der euch Gegner für die verschiedenen Disziplinen zugelost werden, ist vor allem der Ranglistenkampf-Modus interessant. In diesem kämpft ihr euch, wie es der Titel vermuten lässt, in einer weltweiten Rangliste nach oben. Auch hier winken vor allem die benötigten Arms-Dollar, um weitere Aufsätze für eure Arme freizuschalten. Achtung: der Modus ist erst verfügbar, wenn man den Grand Prix auf dem Schwierigkeitsgrad 4(von zehn möglichen) absolviert hat. Während unserer Testphase liefen die Onlinekämpfe immer rund und ohne Abstürze oder Verbindungsabbrüche. Auch eine Eingabeverzögerung war kaum zu spüren. Dies sind natürlich optimale Bedingungen für solch ein Spiel, in dem es vor allem auf die Reaktion ankommt. Aufgrund der frühen Testphase knapp zwei Wochen vor Release waren natürlich auch nicht sonderlich viele User online anzutreffen. Dies dürfte später einmal anders sein.

 

 

1a Kampftechnik

 

 „Arms“ ist in Sachen Grafik und Technik ein typisches Nintendo-Produkt. So gibt es während der Kämpfe kaum einen Ruckler und Grafikfehler muss man mit der Lupe suchen. Die knallbunte Comicoptik ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, fühlt sich aber erfrischend und neu an. Die Charaktere wirken fein und sauber und wurden sehr gut animiert. Im Zusammenspiel mit den Arenen, die leider oft im Eifer des Gefechts etwas untergehen, fühlt man sich an actionreiche Anime-Filme erinnert. Hinzu kommen aufgeräumte Menüs, die für jeden sofort verständlich sein dürften und die mittlerweile die typische Nintendo-Handschrift tragen. Wer zum Beispiel erst „Mario Kart 8 Deluxe“ auf der Switch gespielt hat, dürfte die Menüstruktur gut kennen. Etwas ins Hintertreffen gerät bei „Arms“ leider die Musik. Diese besitzt selten Ohrwurmcharakter und auch das Gebrabbel des Moderators Armadeus vor den Kämpfen dürfte bei einigen Usern für Kopfschütteln sorgen. Doch kommen wir zu einem der wichtigsten Punkte bei Spielen, die ihre Faszination aus der Bewegungssteuerung ziehen: der Präzision! Und in diesem Punkt ist „Arms“ absolut überzeugend. Kann man so manch anderes Spiel durch wildes Fuchteln überlisten, gewinnt man bei „Arms“ damit keinen Blumentopf. Hier ist überlegtes Zuschlagen und ein genau getimter Einsatz der Fähigkeiten nötig, um gegen die Gegner zu bestehen. Während des Tests kam es selten vor, dass eine Attacke nicht wie gewünscht ausgeführt wurde. Da hat Nintendo ganze Arbeit geleistet! Solltet ihr kein zweites Paar JoyCons zur Hand haben, könnt ihr kurioserweise auch auf das Spielen mit dem Pro Controller oder je einem der JoyCons zurückgreifen. Die Steuerung erinnert dann an ein klassisches Thirdperson-Spiel, ist aber lange nicht so präzise und spaßig wie mit der eigentlich gedachten Steuerung.

 

 FAZIT: Ein guter Start in eine neue IP mit den genre-typischen Mängeln

 

 Eigentlich war „Arms“ eines der Spiele, welches am meisten Kritik bei der Vorstellung der Konsole abbekommen hat. Doch man muss einmal selber Hand an das Kampfspiel angelegt haben und darf es nicht gleich als typisches Hampel- bzw. Fuchtelspiel abtun. Denn Nintendo gelingt dank der guten Präzision und Abfrage der Bewegungen eine taktische Tiefe, die dem Spiel vor allem im Multiplayer-Part zugute kommen wird. Leider kränkelt „Arms“ im Singleplayer-Modus aber an den gleichen Symptomen wie auch fast jeder andere Vertreter des Genres. Wer nicht gerade stundenlang immer und immer wieder Kämpfe oder Minispiele bestreiten will, um die Arms-Aufsätze zu erspielen, wird schnell keine Beschäftigung mehr haben. Der Grand Prix ist in ca. 45 Minuten durchgespielt und so bietet sich Einzelspielern recht schnell gähnende Leere. Ob Nintendo in dieser Hinsicht noch einen Storymodus oder weitere Disziplinen nachreicht, ist bisher nicht bekannt und dürfte aber auch vom Erfolg des Spiels anhängen. Trotzdem wird sich „Arms“ dank des guten und spaßigen Online-Modus’ einige Freunde machen. Denn die Kämpfe bekommen gegen einen menschlichen Gegner noch einmal einen ganz anderen Charakter und sind noch mehr von Taktik geprägt. Spitze!

 






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