RiME [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 03.06.2017 um 18:49

 

Eine Geschichte mit Happy End

 

 Lange Zeit sah es nicht gut aus für das spanische Entwicklerstudio Tequila Works und ihr Adventure „Rime“. Denn nachdem Sony den Titel eigentlich exklusiv für seine PS4 veröffentlichen wollte und bereits auf der gamescom 2013 als solchen vorstellte, kauften sich die Entwickler die Rechte drei Jahre später wieder zurück und gaben bekannt, dass „Rime“ nun als Multiplattform-Titel erscheinen wird. Neben Versionen für die PS4(hier im Test), Xbox One und PC soll im Sommer auch noch eine Switch-Fassung des Spiels erscheinen, das spielerisch und optisch immer wieder Parallelen zu den Titeln von Team Ico oder thatgamecompany weckt. Das bedeutet, dass sich „Rime“ also mit einigen Hochkarätern des Genres messen lassen muss und definitiv etwas Neues und Spannendes bieten sollte, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ob dies den Männern und Frauen aus Spanien gelungen ist und wie sich „Rime“ im Vergleich zu modernen Klassikern wie „Ico“ oder „Journey“ schlägt, lest ihr in unserem Test.

 

 Gestrandet und allein. Wirklich allein?

 

 Die Geschichte von „Rime“ ist eigentlich schnell erzählt. Denn als schiffbrüchiger Junge erwacht ihr an einem Strand einer mediterranen Insel und sollt alsdann herausfinden, welches Schicksal euch hier her gebracht hat und wer ihr eigentlich seid. Denn außer der notdürftigen Kleidung und eurem roten Umhang ist euch nichts aus eurem vorherigen Leben geblieben. Nach und nach ergeben sich aber noch weitere Fragen: wer ist die mysteriöse Gestalt im roten Gewand, die euch ständig beobachtet? Und warum hat eure Stimme die Macht, Fackeln zu erleuchten oder mysteriöse Steine zu bewegen? Diese und weitere Fragen stellt man sich während der knapp sechs- bis achtstündigen Geschichte, die euch durch allerlei fantastische Welten führt und euch außerdem einen Begleiter in Gestalt eines Fuchses an eure Seite stellt.

 

 

Klettern, singen, Rätsel lösen

 

 Wer schon einmal Kontakt mit den oben bereits erwähnten „Ico“ oder „Journey“ hatte, wird sich in „Rime“ ganz schnell zuhause fühlen. Denn euer jugendlicher Held klettert, springt und schwimmt durch die Welt, kommt dabei aber nie an die Klettermeister aus „Assassin’s Creed“ oder die Sprungkünste eines Mario heran. Außerdem greift ihr auf Kommando nach Gegenständen oder rollt euch schnell von A nach B. Wie in den aktuellen „Tomb Raider“-Titeln kann jedoch nur an den weiß hervorgehobenen Stellen geklettert werden. Allzu große Freiheiten lässt euch „Rime“ also nicht. Die zu drückenden Tasten werden zu Beginn häufiger eingeblendet, da man auf ein Tutorial komplett verzichtet hat. Nach einiger Zeit gehen einem die Bewegungen aber relativ flott von der Hand, dies liegt auch an der guten und intuitiven Steuerung des Spiels. Gleich zu Beginn fällt aber vor allem eine der Fähigkeiten des Jungen besonders auf: das Singen. Dies wird immer kontextabhängig entweder zu einem Schreien, das zum Beispiel Fackeln erleuchtet, aber eben auch zum Singen an besonderen Steinen oder Wandbildern. Hierdurch aktiviert und löst ihr häufiger Rätsel und somit wird es zum zentralen Element des Spiels. Zwar trefft ihr hin und wieder auf Tiere, die euch nicht passieren lassen oder euch anderweitig am Fortkommen hindern wollen, dennoch könnt ihr in „Rime“ nicht durch Feinde sterben. Zwar verhindert das Spiel Sprünge aus zu großen Höhen durch Zurücksetzen an die Absprungstelle und Unterwasser müsst ihr regelmäßig Sauerstoff auffüllen, aber sonst werden euch nur durch die Rätsel Herausforderungen in den Weg gesetzt.

 

 Sammeln und Rätseln

 

 Neben den Rätseln könnt ihr euch in „Rime“ die Zeit vor allem mit dem Finden von allerlei Bonusgegenständen vertreiben. So sammelt ihr Spielzeugtiere, Bruchstücke von Abzeichen oder Liederstrophen. Außerdem könnt ihr neue Outfits für euren Charakter entdecken und diese auch anziehen. Meist sind die Sammelobjekte abseits des normalen Wegs platziert und müssen aktiv gesucht werden. Eine Übersicht in Form einer Karte gibt es übrigens nicht. Die Level sind aber klar strukturiert und auch nicht allzu groß geraten.
Die Puzzle- und Rätselaufgaben, die euch „Rime“ stellt, sind meist recht einfach gehalten und ergeben sich für den erfahrenen Spieler auf den ersten Blick. So müsst ihr entweder bestimmte Mechanismen durch eure Kraft des Schreiens gleichzeitig aktivieren oder schaut durch übergroße Schlüssellöcher und löst das anschließende Perspektivrätsel. Ein kleines Highlight sind die Spielereien mit dem Tag- und Nachtrhythmus, der auch grafisch etwas hermacht.

 

 

Reduzierte Optik trifft auf verträumte Inszenierung

 

 „Rime“ ist sicherlich einer der grafisch stimmigsten Titel der letzten Jahre. Denn neben der sehr großflächigen, bunten Optik, die schon eine ganz besondere Atmosphäre schafft, sind es auch die Objekte, die Gebäude und Tiere, die die Spielewelt so rund erscheinen lassen. Nichts wirkt fehl am Platz und sehr natürlich. So rund und gut die Welt und ihre Bewohner wirken, so ungestüm wirkt euer Protagonist manchmal. Denn leider sind vor allem seine Animationen sehr hakelig, das Treppensteigen zum Beispiel wird so zum Kuriosum. Ebenso ärgerlich ist die etwas mangelhafte Technik, die die Framerate in großen Außenarealen – vor allem in Kapitel 2 – zur Ruckelorgie und einige Sprungpassagen zum Glücksspiel werden lässt. Passend zum grafischen Gesamtkonzept ist auch die Musik immer perfekt auf das Spielgeschehen abgepasst. Zwar wirkt der Surround-Sound bei Wasserplätschern manchmal etwas arg hallend, aber die wunderschöne Musik erinnert durchaus an Zeichentrick-Meisterwerke von Studio Ghibli.

 

 FAZIT: Kurzweiliges Abenteuerspiel mit Mystik-Flair

 

 Trotz der ganzen Querelen während der Entwicklung ist „Rime“ ein sehr gutes Spiel geworden, das vor allem Fans der schon häufiger genannten Spiele „Ico“ oder „Journey“ glücklich machen wird. Auch wenn sich die spielerische Herausforderung in Grenzen hält, macht es einfach Spaß, durch die tollen Levels zu laufen und in so mancher Ecke ein weiteres Geheimnis zu entdecken. „Rime“ ist also perfekt für die entspannte Spielsession nach einem stressigen Tag im Büro oder der Uni. Auch wenn man aufgrund der eher zurückgefahrenen Optik etwas verwundert über die technischen Probleme ist, zählt am Ende doch einfach der Gesamteindruck. Und der ist bei „Rime“ wirklich gut. Zwar sind die Rätsel nicht besonders anspruchsvoll, aber dennoch ist es Tequila Works gelungen, diese ohne verbale oder textliche Anleitung zu erläutern wie es heutzutage ja leider oft üblich ist. Vermutlich hätte dies den Spielfluss auch zu sehr gestört und nicht ins Gesamtbild gepasst. Abschließend kann man dem spanischen Entwicklerstudio nur gratulieren, denn sie haben, fast, alles richtig gemacht.