Yooka-Laylee [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 18.04.2017 um 17:11

 

Es war einmal...

 

...ein britisches Entwicklerstudio namens Rare, das zu Zeiten von SNES und N64 der Haus-und-Hof-Entwickler von Nintendo war und durch die Bank überzeugende Spiele in den Handel gebracht hat. Von den beiden Vorzeigeshootern „Goldeneye“ und „Perfect Dark“ über die „Donkey Kong Country“-Spiele bis hin zum pöbelnden Eichhörnchen in „Conker’s Bad Fur Day“, tobte man sich in allerlei Genres aus. Ein weiterer, beliebter Rare-Titel war damals „Banjo-Kazooie“ auf dem N64, das ein sympathisches Gespann aus einem Bären und einem Vogel zum Helden hatte. Das 3D-Jump’n’Run war damals so beliebt, dass es noch einige Nachfolger gab. Die Geschichte von Rare verlief allerdings nicht so erfolgreich. Denn nachdem man 2002 von Microsoft gekauft wurde, verebbte der kreative Spiele-Output immer mehr. Trauriger Höhepunkt war die Bekanntgabe, dass sich das einstige Entwicklerteam nun mit dem Design der Xbox-Avatare und Kinect beschäftigt. Letztlich gründeten einige Ex-Mitarbeiter von Rare Playtonic Games und starteten im Jahr 2015 die Kickstarter-Kampagne zur geistigen „Banjo-Kazooie“-Fortsetzung „Yooka-Laylee“. Mit über 2 Million Dollar war die Kampagne ziemlich erfolgreich und so stand dem Retro-3D-Jump’n’Run also nichts mehr im Wege. Wie gut das Spiel letztlich wurde, erzählen wir euch in unserem Test.

 

Auf der Suche nach dem goldenen Buch

 

Fledermaus Laylee und Echse Yooka haben gerade ihr Haus renoviert und sind dabei auf ein goldenes Buch gestoßen. Als sich dieses plötzlich verselbständigt und in den Kamin der geheimnisvollen Hivory Towers fliegt, machen sich die beiden auf die Suche danach. Was folgt, ist eine Geschichte um die Weltherrschaft, ein größenwahnsinniges Duo - einer Biene und einer Ente - und eine schier endlose Suche nach den goldenen Seiten des Buches. Dass ihr bei eurer Suche auf zahlreiche Hindernisse und Gefahren stoßt, versteht sich dabei von selbst.

 

 

Jump’n’Run der alten Schule

 

„Yooka-Laylee“ ist erfrischend altbacken. Denn nach einem kurzen Tutorial werdet ihr bereits in die Spielwelt entlassen und lernt so nach und nach die Besonderheiten des Spiels kennen. So startet ihr in einer Hubwelt, die euch durch Bücher den Zugang in die Levels des Spiels ermöglicht. Diese Bücher schaltet ihr frei, indem ihr die verlorenen, goldenen Seiten des Buches findet, die quer über die Spielwelt verteilt sind. Um an diese Seiten zu gelangen, müsst ihr jedoch nicht einfach das Levelende erreichen, sondern müsst Aufgaben erledigen oder kleine Rätsel lösen. Ihr steuert dabei immer die Echse Yooka, die ein klassisches Jump’n’Run-Repertoire beherrscht. Neben einer Wirbelattacke, einem Doppelsprung und dem Einsatz eurer Zunge, lernt ihr mit fortlaufender Spieldauer immer mehr Manöver dazu. Diese müsst ihr allerdings gegen Federn eintauschen, die ihr in de Levels finden könnt. So erlernt ihr nach und nach neue Moves wie einen Sonarschuss von Laylee, der die Gegner betäubt oder eine Sprungattacke. Für den erfolgreichen und vor allem kompletten Abschluss der Level sind einige Manöver unumgänglich, daher immer schön die Federn sammeln!

 

Tierisch!

 

Nicht nur die Fledermaus-Fähigkeiten von Laylee kommen zum Einsatz während des Spiels, auch die lange Zunge von Echse Yooka ist sehr nützlich. Denn damit könnt ihr nicht nur verschiedene Beeren sammeln, die ihr anschließend als Geschosse verwenden dürft, ihr fangt damit auch Schmetterlinge. Diese dienen euch entweder als Lebensenergie oder als Energiereserve für eure Spezialmanöver wie zum Beispiel das Rollen, um glatte Steigungen zu überwinden. Habt also immer euren Energiehaushalt im Blick. Neben den Spezialfertigkeiten sind auch die Tonika oder die Verwandlungen in andere Dinge wie Pflanzen beim Absolvieren der Level nützlich. So könnt ihr euch immer mit einem Tonikum ausrüsten, welches euch zum Beispiel widerstandsfähiger, schneller oder unsichtbar macht. Die Tonika schaltet ihr durch bestimmte Aufgaben frei, wie dem Betäuben einer bestimmten Anzahl von Feinden oder einer Mindestmenge an Pagies, den goldenen Seiten. Dank der verrückten Wissenschaftlerin könnt ihr euch außerdem transformieren lassen und erledigt fortan Aufgaben als Pflanze. Klingt komisch, ist es auch! Aber wirklich witzig!

 

 

Level öffne dich!

 

Wundert man sich anfangs noch über die übersichtlichen Level und dass diese plötzlich im Nichts enden, erklärt sich dies erst nach weniger Zeit. So kann man die Welten nämlich für eine bestimmte Anzahl an Pagies erweitern, so dass plötzlich endende Wege oder Brücken nun eine Fortsetzung finden. In den Levels sind mehrere Sammelaufgaben verteilt, neben den Federn fangt ihr Geister, lauft mit einer Wolke um die Wette oder sucht für ein Schwein die Ritter von Hamalot. Die Erledigung dieser Aufgaben bringt euch die nötigen Pagies, um weitere Level freizuschalten und das Spielende zu erreichen. Auch nett: ihr trefft auch auf den Shovel Knight aus dem gleichnamigen Spiel, der euch eine Aufgabe gibt. Was teilweise etwas negativ auffiel, war die Randgestaltung der Level. So passierte es während des eifrigen Erkundens, dass man plötzlich am äußeren Rand der Welt stand und nicht mehr „rein“ kam. Dann hilft nur ein beherzter Sprung in den Tod und es folgt ein ärgerlicher Respawn am Startpunkt des Levels. Eure Fähigkeiten oder Tonika könnt ihr bei zwei Charakteren freischalten, die in jedem Level auftauchen und euch euren Dienst anbieten. Highlight ist hier die Schlange Trowzer, die zwar vielbeschäftigt ist, aber euch gerne gegen Federn neue Moves verkauft und den ein oder anderen lockeren Spruch auf den Lippen hat.

 

Banjo & Kazooie wären neidisch...fast

 

Natürlich darf man von einem Spiel wie „Yooka-Laylee“ nicht erwarten, dass es grafisch und technisch neue Bestmarken setzt. So ist der farbenfrohe Look ziemlich harmonisch und einfallsreich, auch technisch gibt es nur wenig Ruckler oder Aussetzer zu bemängeln. Was allerdings wirklich stört, ist die etwas lahme Kamera, die die ein oder andere Sprungpassage unnötig spannend macht und immer wieder nachjustiert werden will. In anderen Momenten wiederum dreht sie sich von alleine in die unpassendste Perspektive und muss wieder korrigiert werden. Damit könnte man noch leben, allerdings macht sich das Spiel durch die Kombination mit der ungenauen und schwammigen Steuerung fast kaputt. Eigentlich sollte man bei solchen Jump’n’Run-Experten wie ehemaligen Rare-Mitgliedern wissen, dass die Steuerung das Hauptaugenmerk in diesem Genre ist, jedoch hat man immer wieder das Gefühl, dass dies in der Entwicklung nur zweitrangig war. Nicht nur bei Sprungpassagen stört diese Ungenauigkeit extrem, auch beim Aktivieren oder Deaktivieren von Schaltern anhand der Schussfunktion mit Beeren wird das Game zum absoluten Glücksspiel und zehrt gewaltig an den Nerven des Spielers. Dazu kommen ruckelige Ladebildschirme, durch die man oft nicht weiß, ob das Spiel jetzt abgestürzt ist oder nicht. Zwiegespalten ist man auch bei der akustischen Untermalung. So dudelt die Musik teilweise ziemlich nervig im Hintergrund, ganz abgesehen von der „Synchro“ der Figuren, die teilweise unerträgliches Gebrabbel von sich lassen.

 

 

Couch-Koop wie damals?

 

„Yooka-Laylee“ bietet keinen klassischen Zweispieler-Modus, in dem einer der Spieler jeweils die Rolle der Echse oder der Fledermaus übernimmt, sondern Spieler 2 tritt eher als Support in Szene und erledigt Feinde oder hilft dem Duo bei knackigen Rätseln. Dies ist etwas zäh und einfallslos umgesetzt, über eine Aufteilung des Paars auf zwei Spieler hätte sich wohl auch niemand beschwert. Prunkstück des Multiplayerparts sind allerdings die zahlreichen Minispiele, die man mit bis zu vier Spielern bestreiten kann und die sicherlich für die ein oder andere lustige Stunde mit Freunden gut sind.

 

FAZIT: „Yooka-Laylee“ begeistert mit seinem Humor, aber nicht mit der Umsetzung

 

So gerne man „Yooka-Laylee“ eine richtig gute Wertung gegeben hätte, so groß ist die Enttäuschung nach einigen Stunden im Spiel. Können die charmante Inszenierung, die schön platzierten Anspielungen auf frühere Rare-Titel und der skurrile Humor am Anfang noch begeistern, werden nach und nach die Schwächen des Gameplays deutlich.
Mit der Grafik kann man absolut zufrieden sein, es stört aber vor allem die katastrophale, ungenaue Steuerung. Da auch die Kameraarbeit Schwächen aufweist, wird dies bei anspruchsvollen Sprungpassagen zum absoluten Ärgernis. In Kombination mit der teils nervenaufreibenden Musikuntermalung, wird das Spiel in diesen Momenten zur echten Geduldsprobe und verleitet zum Ausschalten der Konsole. So bleibt ein Jump’n’Run mit netten Ideen und einer sympathischen Gestaltung, für das „Banjo-Kazooie“-Fans sicherlich noch einen Wertungspunkt mehr geben würden. Als Spieler, der allerdings niemals Kontakt mit dieser Reihe hatte, gibt es...

 






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