Yo-kai Watch 2 [N3DS]

Verfasst von Christian Suessmeier am 18.04.2017 um 16:35

 

Von Geistern und Dämonen

 

Zunächst kurz zur historischen Aufklärung: Yokai(so die offizielle Schreibweise) sind tief in der japanischen Kultur verwurzelt und sind monster-ähnliche Wesen, die meist das Verhalten von Menschen beeinflussen können. Sie treten dabei unter anderem in der Gestalt von Tieren, Menschen oder anderen Fabelwesen auf, es gibt aber auch bizarre Formen wie Haushaltsgegenstände oder Gemüse. Für das westliche Auge wirken viele der Yokai doch sehr befremdlich, umso mehr verwundert es, dass Nintendo diese in eine Spielereihe, die auf Kinder fokussiert ist, verpackt und seit letztem Jahr auch dem Westen zugänglich gemacht hat. Im Grunde ähnelt das Spielkonzept dabei sehr der beliebten „Pokémon“-Serie, vermischt dieses aber mit spannenden, neuen Ideen und einem ungewöhnlichen Setting. Der große Erfolg, den die Serie in Japan feiert, bleibt im Westen bisher aus, dennoch veröffentlicht Nintendo nun auch Teil 2 der „Yo-kai Watch“-Serie bei uns. Im Gegensatz zum Erstling gibt es von „Yo-kai Watch 2“ zwei Varianten, wir testen für euch die „Knochige Gespenster“-Version.

 

Mitten im Krieg der Dämonen

 

Im beschaulichen Lenzhausen schlüpft ihr in die Rolle von Katie oder Nathan und macht nach einem Abstecher in einen seltsamen Antikladen Bekanntschaft mit Whisper, eurer Verbindung zur Yokai-Welt. Anscheinend hat Nathan nach dem Erstling die Erinnerung an die Geschehnisse darin verloren, denn eigentlich war Whisper schon dort euer Begleiter. Und so verwundert es auch nicht, dass ihr erneut auf die Katze Jibanyan trefft, die euch als euer erster Yokai künftig treu zur Seite steht. In den ersten Episoden findet ihr so nach und nach weitere Yokai und wertet damit eure Truppe auf. Erst nach einigen Stunden offenbart sich die ganze Geschichte, die euch in einen Kampf zwischen den kräftigen Seelen und den knochigen Gespenstern wirft und somit den Frieden auf der Erde gefährdet.

 

 

„Pokémon light“

 

Wer schon einmal „Pokémon“ oder ähnliche Serien gespielt hat, wird sofort Parallelen dazu feststellen. So beginnt ihr eben mit einem Yokai, könnt euer Team aber auf sechs Dämonenwesen aufstocken. Dabei sind immer drei aktiv im Kampf, die andere Hälfte kann bei Bedarf „eingewechselt“ werden. In der Topdown-Perspektive erkundet ihr eure Heimatstadt, weitere Stadtteile und andere Ortschaften und erledigt neben der Hauptmission, die in mehrere Episoden aufgeteilt ist, auch kleinere Nebenaufgaben. Diese bringen euch mit Geld und XP immer weiter voran, sind spielerisch oft nicht besonders einfallsreich, aber dafür teilweise sehr sympathisch geschrieben. Hauptelement sind aber natürlich die Auseinandersetzungen mit anderen Yokai, bei denen die titelgebende Yo-kai Watch zum Einsatz kommt. Diese hilft euch eben nicht nur bei der Verwaltung eurer Dämonentruppe und bei Kämpfen, sondern dient dank eingebautem Radar auch zum Auffinden anderer Yokai. Mit steigender Spielzeit bekommt ihr aber auch Münzen mit denen ihr an Automaten(ähnlich den in Japan sehr beliebten Gashapon-Automaten) Monster ziehen könnt. Habt ihr mal genug von der Story könnt ihr außerdem Insekten sammeln und katalogisieren, Wettrennen veranstalten oder geht Angeln.

 

Fight!

 

Die Kämpfe bei „Yo-kai Watch 2“ sind relativ einfach gehalten und werden für geübte Spieler nur wenig Anspruch bieten. So laufen diese nämlich selbständig ab, ihr müsst eigentlich nur den Überblick über den Geistes- bzw. Gesundheitszustand eurer Yokai haben, so dass ihr zeitig ein entsprechendes Item einsetzt. Außerdem könnt ihr über die Yo-kai Watch, die immer auf dem unteren Bildschirm des 3DS angezeigt wird, auch Spezialangriffe starten oder eure Dämonen auswechseln. Beim Einsatz von Spezialattacken müsst ihr dann meist Aktionen mit dem Touchpen ausführen, so zum Beispiel verschiedene Zeichen nachfahren, eine Scheibe möglichst schnell drehen oder einen Zeiger auf verschiedene Stellungen führen. So beziehen euch die Kämpfe zumindest etwas mit ein. Bei Bosskämpfen ist es ebenfalls wichtig, aufmerksam vorzugehen, da diese etwas fordernder sind. Da eure Yokai verschiedenen Gruppen angehören, kann man die Moral und Stärke der Truppe durch eine homogene Zusammenstellung deutlich verbessern. Insgesamt kann man knapp 400 verschiedene Yokai finden und sich so nach und nach seine individuelle Gruppe zusammenstellen, mit der man am besten zurecht kommt. Hilfreich beim Umgang mit den Yokai ist auch das sogenannte Yokai-Pad, das euch neben Informationen zu den Geistern, euren Items oder den aktuellen Quests auch jederzeit dank Tagebuch-Funktion abspeichern lässt.

 

 

Schöne Dämonen

 

Auch wenn „Yo-kai Watch 2“ spielerisch nicht den größten Tiefgang bietet, ist das Spiel definitiv richtig schön präsentiert. So begeistert schon kurz nach dem Start ein Intro mit Animeszenen und gesungenem, deutschen Intro(dennoch Geschmackssache!) und auch die wichtigsten Zwischensequenzen sind dank animierter Machart und voller Vertonung sehenswert. Die liebevolle Lokalisierung zieht sich komplett durch das Spiel, zerstört aber mit seiner starken Verwestlichung einiges an Atmosphäre. So sieht die Heimatstadt von Katie und Nathan, Lenzhausen, eben immer noch wie eine japanische Vorstadt aus und daher passen auch shintoistische Tempel nicht so ganz zum Erscheinungsbild einer – auf dem Papier - westlichen Metropole. Die Zielgruppe wird dies kaum stören, als erwachsener Spieler verwundert es aber etwas.
Die Grafik von „Yo-kai Watch 2“ bewegt sich auf einem sehr guten 3DS-Niveau, auch der 3D-Effekt weiß zu gefallen und bietet teils richtig gute Tiefenwirkung und Plastizität. Das Highlight ist aber das herrliche Design der Yokai und deren Namen. Wie schon oben geschrieben, können diese teilweise zwar richtig skurril und bizarr sein, aber wurden von Nintendo mit einer coolen Comicfiguren-Optik gestaltet.

 

Geisterbeschwörung in der Gruppe

 

Im Gegensatz zu Teil 1 kann man in der Fortsetzung von „Yo-kai Watch“ nun auch Monster dank Yokai-Medaillen mit seinen Freunden tauschen oder diese gegeneinander antreten lassen. Herzstück des Multiplayer-Modus’ – online sowie lokal – ist aber der „Yo-kai Watch Blasters“-Mode, der bis zu vier Spieler in einem Team zusammen arbeiten lässt. So müsst ihr verschiedene Sammelaufgaben lösen oder tretet gegen besonders starke Yokai im Team an. Für erledigte Missionen gibt es dann Erfahrungspunkte und bestimme, seltene Belohnungen. Einen Koop-Modus für die Kampagne gibt es allerdings nicht.

 

 

FAZIT: Spielerisch flach, aber sympathisch inszeniert

 

Man merkt „Yo-kai Watch 2“ an, dass es vor allem für eine sehr junge Zielgruppe konzipiert ist. Neben den vielen moralischen Appellen, wenn man zum Beispiel bei Rot über die Ampel geht oder einem Freund Unrecht geschah, merkt man dies natürlich an den wirklich sehr anspruchsfreien Kämpfen. Zwar muss man ein Auge auf den Zustand seines Yokai haben, aber ein bisschen mehr Freiheiten in den Auseinandersetzungen wären wünschenswert gewesen. Dies hätte man ja zum Beispiel über einen zweiten Schwierigkeitsgrad lösen können. Dennoch begeisterte während des Tests vor allem die Inszenierung des Spiels. Neben der lebendigen Stadt und den vielen, entdeckbaren Details, sind die Yokai und deren Designs die absoluten Stars des Games. Außerdem ist das Setting sehr frisch und war so bisher selten in einem Videospiel im Westen zu sehen. Spitze! Auch wenn ihr Teil 1 nicht gespielt habt, ist der Einstieg in die Fortsetzung sehr komfortabel und einfach, da alles nochmals haarklein erklärt wird. Würde man das Problem mit den anspruchslosen Yokai-Kämpfen noch lösen, könnte „Yo-kai Watch 2“ selbst Branchenprimus „Pokémon“ gefährlich werden, so bleibt es „nur“ ein gutes Spiel.

 






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