1-2-Switch [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 04.04.2017 um 19:25

 

Ein schwieriger Einstieg

 

Erinnert ihr euch an die Vorstellung der Switch im Januar? Besonders an diesen Auftakt mit den zwei Cowboys, der auch eine Ankündigung von „Red Dead Redemption 2“ hätte bedeuten können? Und erinnert ihr euch an das blöde Gefühl als ihr zum ersten Mal dann „1-2-Switch“ gezeigt bekommen habt? Ja, das war ein ziemlich bescheidener Moment. Vor allem als klar wurde, dass Nintendos Minispiel-Sammlung nicht gratis als Beilage mit der Konsole, sondern als Vollpreistitel in den Handel kommt. Auch die ersten Anspielsessions machten dieses Gefühl nicht besser und es bleibt fraglich, was Nintendo dazu bewegt hat, das Spiel als Techdemo nicht beizulegen, sondern extra zu verkaufen. Gelohnt hat es sich anscheinend nicht, denn in den Tagen nach Release war „1-2-Switch“ das einzige, wirklich überall erhältliche Spiel und lag wie Blei in den Regalen. Ob das Spiel wirklich so schlecht ist und was die einzelnen Disziplinen genau können, klären wir in unserem Test.

 

 

28 Spiele mit hohem Skurrilitätsfaktor

 

Zu Beginn stehen euch nur eine Handvoll der 28 Minispiele zur Verfügung, um euch zunächst einen Überblick über die einzelnen Grundmechanismen zu geben. So geht es in „Revolverhelden“ zum Beispiel darum, wer schneller seinen Colt beziehungsweise den JoyCon zieht, beim Tischtennis geht es eher um Reaktion und Gehör. Der Großteil der Spiele basiert vor allem auf der Bewegungserkennung der beiden seitlichen Controller und daher müssen diese von den Spielern entweder mit oder ohne angehängte Schlaufe getragen werden. Leider wechseln die Anforderungen der Spiele ständig, was in einem endlosen An- und Abziehen dieser Erweiterungen endet und den Spielefluss etwas hemmt.
In der Disziplin „Wettessen“ schließlich kommt sogar die Infraroteinheit am rechten JoyCon zum Einsatz, die nicht nur den Abstand zu eurem Mund misst, sondern auch wie oft ihr die Lippen öffnet und schließt. Das funktioniert meist ganz gut, allerdings muss man die Distanz zum Mund immer gleich halten, was im Eifer des Gefechts nicht immer leicht ist.
Einige der Spiele erinnern dabei stark an die verschiedenen Wettkämpfe eines „Wii Sports“, andere wiederum sind so skurril und doppeldeutig – Stichwort „Wettmelken“ oder „Korkenknallerei“ – dass man es nur schwer fassen kann, warum Nintendo diese Spiele auf das Modul gepackt hat.

 

Am spannendsten war im Vorfeld sicherlich die HD Rumble-Funktion der JoyCons erwartet worden, die beim „Kugelschätzen“ ihren großen Auftritt hat. Die Vibrationsmotoren simulieren dabei Kugeln im Inneren der JoyCons, die man schließlich zählen muss. Auch beim „Würfelglück“ oder „Safeknacker“ verlässt man sich hauptsächlich auf dieses Feature. Ganz anders gestaltet sich dann „Schlaf, mein Baby“ in dem man die Switch selbst in die Hand nehmen muss und das Baby in den Schlaf wiegen muss. Einfach irre!

 

 

Hippe Präsentation

 

Wer dachte, dass die ganzen hippen Menschen aus dem Trailer nur zum Bewerben des Spiels gedacht waren, der irrt. Denn in „1-2-Switch“ werden die Sequenzen mit echten Schauspielern vor allem zum Erklären der einzelnen Minispiele hergenommen, kommen teilweise aber auch in den Spielen selber zum tragen. Das ist gewöhnungsbedürftig, ist jedoch wirklich stimmig ins Gesamtkonzept eingepasst und kann auch durch seine schöne, gedeckte Farbgebung überzeugen. Man merkt den Schauspielern an, dass sie sich dem abgefahrenen Charakter des Spiels bewusst waren und bringen das alles gut herüber. Natürlich ist die Grafik zweckmäßig und kann nur schwer mit anderen Spielen verglichen werden, auch die musikalische Untermalung ist eher zweckmäßig. Schön ist jedoch die komplette deutsche Lokalisierung, die sogar einen deutschen Sprecher verpasst bekommen hat.

 

Eigentlich bewirbt Nintendo das Spiel sogar so, dass man es ohne einen Blick auf den TV oder den Bildschirm der Switch spielen kann. Daraus resultiert auch, dass der Kommentator alles sehr ausführlich erklärt und immer wieder darauf hinweist, dass man seinem Gegenüber in die Augen schauen soll. Auch die Schrift ist daher groß gewählt und dürfte auch auf dem kleinen Screen der Switch noch aus einiger Entfernung gut lesbar sein. Stichwort „Gegenüber“: der Großteil der Spiele ist auf zwei Spieler ausgelegt, in einem speziellen „Teamduell“ treten mehrere Spieler gegeneinander an und bewegen sich durch gewonnene Spiele auf einem Spielbrett fort Richtung Ziel und somit Sieg.

 

 

FAZIT: Nette Techdemo, die keinen Vollpreis rechtfertigt!

 

„1-2-Switch“ ist nicht umsonst eines der umstrittensten Spiele im Start-Lineup der Switch. So können die 28 Minispiele zwar ganz gut unterhalten und sicherlich für die ein oder andere spaßige Multiplayer-Stunde herhalten, aber leider schwankt die Qualität der Minigames stark und auch deren Wiederspielwert ist alles andere als hoch. Bei Spielen wie „Safeknacker“ zum Beispiel gaben die JoyCons auch nach mehrmaligem Probieren keine verlässliche Vibration von sich, andere Spiele wie „Fahnenlauf“ enden sowieso nur in einem wilden Gefuchtel. Das erinnert zu sehr an das oft planlose Gehampel bei frühen Wii-Spielen. Schade! Dennoch ist es toll zu sehen, welche Features die JoyCons beherrschen und dies macht neugierig auf den zukünftigen Einsatz der einzelnen Funktionen in anderen Spielen. Und wäre „1-2-Switch“ eine kostenlose Beilage der Switch gewesen, hätte sich sicherlich niemand beschwert. Aber für einen Vollpreistitel ist das ganz schön frech, Nintendo. Da ändert auch die liebevolle und verrückte Gestaltung nichts.