The Legend of Zelda: Breath of the Wild [Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 13.03.2017 um 19:08

 

Nintendos unendliche Geschichte

 

Die „The Legend of Zelda“-Reihe ist für Nintendo mindestens so wichtig wie Mario oder die Pokémon. Doch nicht nur kommerziell ist die Serie nicht mehr wegzudenken, auch bei Kritikern finden die Abenteuer um Link und Prinzessin Zelda guten Anklang. So waren besonders die ersten Spiele für das NES und das SNES wegweisende Abenteuer-Games, die damals ein ganzes Genre neu definierten beziehungsweise erfanden. Seinen Höhepunkt fand die Reihe dann aber in „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“, das bis zuletzt noch als bestes Videospiel aller Zeiten galt. Zumindest was die Wertungen und den Metacriticschnitt betrifft. Doch dieser Thron wackelt nun mit dem Release des aktuellen Teils stark. Als man zur E3 2014 erste Spielszenen des WiiU-Titels zeigte, war nicht klar, dass man noch weitere drei Jahre bis zum Release von „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ warten müsse und das Spiel letztlich sogar ein Starttitel für die nächste Konsole von Nintendo werden würde. Doch nun ist das neueste Abenteuer von Link endlich erschienen und in unserem Test sagen wir euch, ob sich „Ocarina of Time“ weiterhin als bestes Videospiel aller Zeiten bezeichnen darf.

 

Link verschläft die Geschichte

 

Nach einem 100-jährigen Schlaf wird Link von einer mysteriösen Stimme erweckt und findet sich mitten in den Ruinen des einst blühenden Hryules wieder. Was dem Land geschah und wer ihr seid, wisst ihr aber zu Beginn aufgrund eines Gedächtnisverlustes nicht und steuert erst einmal ohne Vorkenntnisse in die Wildnis. Doch dank der Hilfe eines netten alten Mannes erfahrt ihr bald, dass Hyrule der Verheerung Ganons zum Opfer fiel und sich die Prinzessin immer noch tapfer gegen die komplette Übernahme ihres Landes durch den Schurken wehrt. Doch da ihre Kräfte nicht mehr lange ausreichen, soll Link ihr zur Hilfe eilen und dabei auch noch die vier Titanen, mächtige Wesen aus der Zeit vor der Katastrophe, auf seine Seite und mit in den Kampf gegen Ganon ziehen. Nach und nach wird klar, dass Link schon damals eine wichtige Rolle in diesem Kampf gespielt hat.

 

 

Link reloaded

 

Nachdem unser Held also aus dem Schlaf erwacht ist und seine ersten Schritte in Hyrule macht, nimmt man sofort die Flexibilität und Weite der Spielwelt wahr. So dient ein Ast als unsere erste Waffe und ein Topfdeckel wird zu unserem ersten Schild. Wir können Äpfel von den Bäumen pflücken, Tiere jagen und fangen und, solange es unsere Ausdauer zulässt, jeden Berg erklimmen, den wir am Horizont erblicken. Und genau diese Weite und Offenheit ist es, die das neueste Abenteuer um Link und Zelda so unglaublich gut macht. Unser erstes Ziel im Spiel ist allerdings das Absolvieren der Schreinprüfungen, die einem spielerisch einige Funktionen des Shiekasteins erklären, den Link an seinem Gürtel herumträgt. Dieser kann mit verschiedenen Spezialkräften wie Magnetismus, Eis oder Bomben ausgestattet werden und erweist sich als hilfreiche Ergänzung in dem ein oder anderen Kampf oder dem Lösen von Rätseln.Habt ihr einen Schrein und dessen stark im Schwierigkeitsgrad schwankenden Prüfungen gemeistert bekommt ihr dafür ein Zeichen der Bewährung. Nachdem ihr vier davon gesammelt habt könnt ihr an bestimmten Stellen im Spiel beten und die Zeichen gegen ein weiteres Herz(also Energie) oder höhere Ausdauer eintauschen.

 

Im Kampf ist euer Held zu Beginn etwas unbeholfen und erlernt erst später Funktionen wie richtiges Ausweichen inklusive Konterangriff oder Parieren. Mit diesen Erweiterungen fühlt sich der Kampf gegen große Gegner manchmal schon wie in „Dark Souls“ an, ohne je dessen Komplexität und Schwere zu erreichen. Dennoch können einige Kämpfe mit der falschen Ausrüstung ziemlich fordernd sein, oft seid ihr sogar ohne Chance gegen übermächtige Feinde und es hilft nur die Beine in die Hand zu nehmen. In Sachen Feinddesign war man bei Nintendo sehr kreativ. So gibt es die Bokblins, quasi die Standardgegner und mit entsprechender Bewaffnung leicht zu besiegen, allerdings gibt es später auch größere und vor allem viel flinkere Feinde, bei denen nur noch taktisches und durchdachtes Vorgehen hilft. Hier seid ihr jedoch nicht nur auf den Nahkampf angewiesen. Dank Bogen und Pfeilen mit unterschiedlichen elementaren Eigenschaften wie Feuer, Eis oder Blitz könnt ihr auch auf die Distanz einiges an Schaden anrichten. Super ist auch das Verhalten der Gegner außerhalb der Kämpfe. So schlafen nachts viele der Feinde, tagsüber sitzen sie an Lagerfeuern, tanzen um dieses herum oder halten einfach nach euch Ausschau.

 

 

Der wahre Star ist nicht Link

 

Doch kommen wir zu einem anderen, fast wichtigeren Teil von „Breath of the Wild“. Denn ohne die fantastisch designte Welt von Hyrule wäre das Spiel nur halb so gut. Wie oben schon erwähnt könnt ihr quasi jeden Punkt auf der Karte erreichen und erklettern, die nötige Ausrüstung oder Ausdauer vorausgesetzt. Hinzu kommen großartige Physikspielereien wie das Fällen von Bäumen oder das Nutzen von Abhängen zum Bombenlegen um Gegner zu besiegen. Das macht die Welt zu einem riesigen Spielplatz und zu einer echten Open World-Erfahrung wie man sie bisher selten gesehen hat. Eure Energie füllt ihr dabei nicht mit Miniherzen auf wie in bisherigen Teilen, sondern müsst Nahrung zu euch nehmen. Ob das einfach nur die Äpfel sind, die an Bäumen hängen oder Grillfleisch, das ihr aus einem Bokblin-Lager geklaut habt, bleibt euch überlassen. Allerdings könnt ihr euch auch an Lagerfeuern mit Kochtopf eigene Gerichte zubereiten beziehungsweise Trinkmedizin. Hierfür verwendet ihr die gefundenen Pilze, Honig, Gräser, Monsterteile, Insekten, Fleisch, Chili usw. und kombiniert diese zu Speisen, die euch auch einen Zusatznutzen spenden können wie zum Beispiel Wärme, Ausdauer oder die Fähigkeit leise zu schleichen.

 

Apropos Wärme – auch die unterschiedlichen Klimazonen der sehr umfangreichen Weltkarte können Link schaden. Seid ihr zum Beispiel zu luftig für Schneegebiete angezogen droht euer Held zu erfrieren. Ähnlich ist es in der Wüste ohne ausreichenden Sonnenschutz. Abhilfe schaffen hier entweder die erwähnten helfenden Gerichte mit spezieller Wirkung oder auch angepasste Rüstungen, die ihr in Dörfern oder Prüfungen erwerben könnt. Generell ist die Natur einfach der große Star im neuesten „The Legend of Zelda“-Spiel. So erlebt ihr wechselnde, stimmig inszenierte Witterungen und müsst euch dann auch dementsprechend verhalten. Bei Gewittern ist es zum Beispiel nicht empfohlen, metallische Gegenstände am Körper zu tragen. Denn sonst wird euer Link ganz schnell gegrillt! Neben dem wechselnden Wetter gibt es natürlich einen Tag-Nachtwechsel, der aber einige böse Überraschungen mit sich bringt. So tauchen nach Sonnenuntergang nämlich nicht nur weitere Feinde wie Skelette oder Fledermäuse auf, es droht auch ein Blutmond. Durch diesen werden nicht nur die Feinde stärker, sondern es kehren auch schon besiegte Feinde wieder zurück.

 

 

Open World-Mechanismen

 

Im Gegensatz zu Ubisoft kann man Nintendo wohl nicht als Spezialisten für Open World-Spiele bezeichnen. Daher verwundert es auch nicht, dass man sich wohl etwas an den Games aus dem Haus des französischen Entwicklers orientiert hat. So muss Link zum Beispiel Türme erklimmen, um die Karte der jeweiligen Region freizuschalten. Allerdings legt man damit keinerlei Nebenmissionen oder Orte frei, diese muss man immer noch selber entdecken und aktivieren. Dank eurem Shiekahstein, der auch noch als Navi und Fernglas dient, kommt ihr dabei allerdings gut durch das Land und könnt notfalls eigene Markierungen setzen, die euch den Weg weisen. Im Anfangsgebiet werden euch diese Mechanismen weitestgehend alle erklärt und sind somit gut verständlich. Wie in jedem guten Open World-Spiel üblich, ist die Welt natürlich gespickt mit allerlei Nebenmissionen. Diese reichen dabei von kurzen Aufgaben wie dem Auffinden einer Feenquelle oder dem Einfangen von entlaufenen Hühnern, können aber immer wieder mal während der kompletten Spielzeit relevant werden. So zum Beispiel die Suche nach den Krogsamen, die ihr bei einem Waldgeist abgeben sollt. Im Gegenzug erweitert dieser eure Tragetaschen und fortan könnt ihr mehr Waffen, Schilde oder Bögen mit euch führen.

 

Und große Taschen sind besonders wichtig bei „Breath of the Wild“, denn besonders eure Waffen sind anfällig für Verschleiß. Dies betrifft auch eure Schilde oder Bögen, die nach einiger Zeit im Gebrauch einfach kaputt gehen. Deshalb ist es ratsam immer genug Alternativen an Items dabei zu haben und praktischerweise können diese per Schnellfunktion auf der rechten Richtungstaste gewählt werden. Neben der Haltbarkeit unterscheiden sich die Items auch in ihren Werten. So wird Link mit besserer Ausrüstung auch ein besserer Kämpfer und kann sich so immer größeren Gefahren stellen. Natürlich müsst ihr den Weg durch Hyrule nicht nur zu Fuß zurücklegen. So könnt ihr euch an die Türme beziehungsweise die überall verteilten Schreine teleportieren oder reitet mit eurem Pferd durch die unendlichen Weiten von Links Heimat. Dies müsst ihr euch allerdings erst einmal fangen und zähmen, anschließend kann man es bei einem Stall registrieren und dort zur Not abstellen. Alternativ könnt ihr auch mit Hilfe eures Parasegels größere Distanzen überwinden. Ein wahres Highlight sind die unterschiedlichen Charaktere, die ihr auf eurem Weg trefft. Denn viele haben charmante Hintergrundgeschichten und erzählen euch nicht einfach inhaltsloses Blabla. Einige Dialoge sind sogar sehr doppeldeutig und haben einen guten Wortwitz. Das ist der typische Nintendo-Charme von früher!

 

 

Links Schwachstelle

 

Doch bei all dem vielen Licht existiert auch einiges an Schatten. Und dies betrifft vor allem die technische Seite. So wirkt der Grafikstil von „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ zwar wirklich rund und mit der leichten Animeoptik und den klar strukturierten Schattierungen und Farben teils wie ein Anime des sagenhaften Studio Ghibli, allerdings ist die technische Seite weit von den Hochglanzwelten aktueller Triple A-Titel entfernt. Schon in den ersten Minuten ruckelt das Spiel nämlich erheblich. Das legt sich glücklicherweise mit fortschreitender Spieldauer und taucht dann nur noch ganz vereinzelt auf, ist allerdings ein kleines Ärgernis. Besonders da manche Kämpfe nur wenig Fehler verzeihen und eine stabile Bildrate voraussetzen. Auch einige Texturen erinnern mehr an 3D-Spiele von Dreamcast oder PS2 als an Titel einer aktuellen Konsole und beeinflussen so das Gesamtbild negativ. Ob es wirklich an der geringen Leistungsfähigkeit der Switch liegt oder einer schlampigen Portierung von WiiU zu Switch geschuldet ist, kann man aber nicht deutlich sagen.

 

Aber auch wenn es diese technischen Makel gibt, so stimmt das Gesamtkonzept mit der traumhaften Grafik und der fantasievollen Inszenierung absolut überein mit der Atmosphäre des Spiels. Übrigens gibt es erstmals in einem „The Legend of Zelda“-Spiel vertonte Zwischensequenzen. Euer Held bleibt dabei immer noch stumm und irgendwie erinnern die Dialoge oft an die „Yakuza“-Serie. In dieser sind auch nur wichtige Zwischensequenzen vertont, bei den anderen Dialogen beschränkt man sich auf Textboxen und gelegentliche Seufzer, Stöhner, erstaunte Wows oder sonstige Laute. Passend zu den tollen Bildern der Spielwelt gibt es übrigens auch einen großartigen Soundtrack, der die unterschiedlichen Situationen immer angemessen vertont. Auch einige klassische Zelda-Jingles beim Öffnen von Truhen oder dem Finden von Items sind wieder mit an Bord.

 

 

FAZIT: Ist „Breath of the Wild“ tatsächlich das beste Spiel aller Zeiten? Fast!

 

Nintendo gelingt mit „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ etwas, was bisher eigentlich nur Rockstar Games mit „GTA“ gelang. Eine absolut lebendige und stimmige Open World in einem Videospiel zu bauen, die nie langweilig wird und immer wieder für Staunen sorgt. Mit den unzähligen Beschäftigungen abseits der Haupthandlung könnte man schon alleine ein Vollpreisspiel füllen und wäre Dutzende von Stunden beschäftigt. Dadurch rutscht die Haupthandlung auch etwas in den Hintergrund und wird viele Spieler vielleicht gar nicht so sehr interessieren, da sie mit dem Erfüllen anderer Aufgaben und dem Erkunden der Geheimnisse von Hyrule beschäftigt sind. Hin- und hergerissen ist man vom Schwierigkeitsgrad des Spiels. So bereiten euch zwar gerade manche Prüfungen in den Schreinen gut auf die Kämpfe vor, manche Aktionen wie Parieren oder Ausweichen sind gegen größere und vor allem schnellere Gegner oft aber nicht rechtzeitig ausführbar und führen zu dem ein oder anderen Frustmoment. Hier wirkt das Spiel dann doch ab und an unfair und man wünscht sich eine klarere Struktur und bessere Vorbereitung auf solche Kämpfe. Durch ein Game Over verliert man glücklicherweise keine Items und durch die fairen Speicherpunkte ist man zwar immer wieder schnell am Ort des Geschehens, dennoch wäre ein Warnsystem hilfreich, das einem sagt, wann man eventuell noch zu schwach für eine Mission ist.

 

Aber genau das ist auch wiederum das Schöne an „Breath of the Wild“. Denn durch die geringen Hilfen und wenigen Tutorials fühlt man sich an frühe Spiele wie auf dem NES erinnert. Diese haben einem oft außer der Grundsteuerung auch nichts weiter verraten und wollten selbst entdeckt werden. Und genau das ist die Magie von Videospielen und vermutlich auch der Grund für den Erfolg von Games wie „Dark Souls“ oder anderen, fordernden Titeln, die erforscht werden wollen und euch nicht zu viel über sich verraten. Die oben angesprochenen Ruckler im TV-Modus gibt es übrigens im Handheldbetrieb der Switch nicht. Dort ist nicht nur die Grafik knackscharf, sondern auch ruckelfrei. Allerdings könnten manche Texte etwas größer sein, auch die Bedienung des Bogens mit dem JoyCon-Stick ist manchmal etwas abenteuerlich. Ist Nintendo also mit dem neuen „The Legend of Zelda“ wirklich das beste Videospiel aller Zeiten gelungen? „Breath of the Wild“ wird auf jeden Fall als Klassiker in die Geschichte eingehen, der das Open World-Genre auf ein neues Level gehoben hat. Um das Nonplusultra zu werden müssten einige Ecken und Kanten noch etwas geschliffen werden. Trotzdem: tolle Arbeit Nintendo!

 





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