Das Super Nintendo - 16 Bit-Power aus Kyoto

Verfasst von Christian Suessmeier am 10.03.2017 um 19:08

 

16 Bit"Super Mario World". 3D-Grafiken dank Super FX-Chip. Endlose JRPGs. Und Plastik, dessen Grau sich nach einiger Zeit in einen gelben Farbton verfärbte. Das sind nur einige der Punkte, die einem bei dem Gedanken an das SNES in den Kopf kommen. Wie es zu der Entwicklung von Nintendos zweiter Heimkonsole kam und welche Besonderheiten diese mit sich brachte, lest ihr in unserem neuesten Retrogames-Artikel. 

Wie üblich muss man sich als ernstzunehmender Player in der Welt der Videospiele fortwährend weiterentwickeln und obwohl man bei Nintendo trotz harter Konkurrenz in Form von Mega Drive und PC Engine noch relativ zufrieden mit den Verkaufszahlen sein konnte, musste man sich an ein neues Produkt wagen, dass mit Sonic & Co. mithalten konnte. So konnte man im November 1990 in Japan das Super Famicom in den Handel bringen, welches innerhalb weniger Stunden komplett ausverkauft war. Wie schon beim Vorgänger, dem NES bzw. Famicom, sollte es noch einige Zeit dauern bis es unter dem Namen Super Nintendo auch in den USA und in Europa erschien. So bekamen deutschsprachige Zocker die neue 16 Bit-Konsole im August 1992 endlich auch in die Hände und konnten sich von der hohen Qualität der Starttitel überzeugen. 

 

 Denn neben dem grandiosen "Super Mario World" überzeugte Nintendo auch mit "F-Zero" und "Pilotwings", die vor allem mit ihren technischen Vorzügen punkten konnten. Praktischerweise war das Jump'n'Run mit der Konsole als Bundle erhältlich. Neben obligatorischen Kabeln für Strom und TV-Anschluss kam das SNES mit einem Controller für 329 DM in den Handel. 

 

(Das Super Nintendo orientierte sich auf dem US-Markt mehr an Erwachsene. Daher das kantigere und gedecktere Design.

 

Auch mit dem Joypad ging Nintendo neue Wege. So wurden die Actionbuttons A und B um X und Y erweitert, außerdem ging man mit den Schulterbuttons neue Wege in Sachen Controller-Belegung. Vor allem für Arcade-Portierungen wie der von "Street Fighter II" war das Mehr an Buttons optimal und natürlich einer der Gründe für Entwickler, Spiele umzusetzen. Ansonsten bot das Pad gewohnt hohe Verarbeitung wie ein perfektes D-Pad und die üblichen Start- und Select-Buttons. Die unterschiedlichen Farbschemata für die Konsole in Europa/Japan und den USA konnte man auch anhand der Actionbuttons erkennen. Die des Super Famicoms bzw. des europäischen SNES waren bunt gehalten, US-Zocker bekamen lila Knöpfe. 

 

Da das Sega Mega Drive schon zwei Jahre vor dem SNES auf den Markt kam, konnte man vor allem in technischer Hinsicht den Hauptkonkurrenten locker in die Tasche stecken. Neben einer größeren Farbpalette konnte man vor allem auch mit einem besseren Soundchip überzeugen, der von PlayStation-Vater Ken Kutaragi entwickelt wurde. Auch wenn die CPU des Mega Drive eine höhere Taktung hatte, arbeiteten die Komponenten im SNES so gut zusammen, dass man oft schon deutliche Unterschiede bei Portierungen von der einen auf die andere Konsole bemerkte. Anfangs wollte man auch eine Abwärtskompatibilität für NES- bzw. Famicom-Titel einbauen, entschied sich jedoch noch vor dem Release dagegen. 

 

(Das Satellaview bot den Spielern nur in Japan Zusatzinhalte wie Radiokanäle oder Spiele wie "F-Zero 2".)


Wie schon angesprochen, veröffentlichte Nintendo in Europa/Japan und den USA unterschiedliche Versionen des SNES. Während man hierzulande und im Land der aufgehenden Sonne ein eher verspieltes Design mit runden Kanten und bunten Akzenten veröffentlichte, setzte man in den USA eher auf ein erwachseneres Design. So ist das nordamerikanische Super Nintendo sehr eckig und die gedecktere Farbgebung machte ein Verstauen im Hifi-Rack wohl leichter. Passend zur kantigen Konsole waren auch die US-Module klobiger und im Gegensatz zu europäischen und japanischen Modulen eckig. 


 Stellte dies schon ein Hindernis dar, Spiele aus anderen Regionen auf der eigenen Konsole zu spielen, beinhalteten die Cartridges und die Konsolen die sogenannten Lockoutchips. Dadurch wurde verhindert, dass man die eigentlich physisch gleichen Module aus Japan in einem PAL-Gerät nutzen konnte. Für den freudigen Spieleimporteur gab es daher nur zwei Möglichkeiten. Lösung Nr.1 war ein Adapter, der in den Modulschacht des SNES gesteckt wurde. Dieser hatte auf der Oberseite Platz für zwei Cartridges, denn zum Abgleich des Regionalcodes wurde dazu ein PAL-Modul benötigt. Wer sich einige Zeit von seiner Konsole trennen konnte oder bastlerisch begabt war, hatte auch die Möglichkeit, sein SNES umbauen zu lassen. Dank einem Schalter an der Hinterseite und einem umgebauten Modulschacht waren dem weltweiten Gaming so keine Grenzen mehr gesetzt. 

 

 Doch der Importadapter war nur eines von wenigen Accessories, die es für das Super Nintendo gab. Neben Klassikern wie Super Scope(einer Lightgun im Panzerfaust-Design) oder dem Arcadestick Super Advantage, ging man mit der Maus in Sachen Spielesteuerung neue Wege. Zusammen mit "Mario Paint" im Paket brachte man so die PC-Peripherie auch in das Wohnzimmer und machte das ein oder andere Spiel wie "Sim City" wesentlich komfortabler in der Bedienung. 

 

(Der Super Game Boy war nicht nur Adapter für die kleineren Module, sondern kommt auch mit integriertem CPU.)


 

Neben allerlei Eingabegeräten gab es aber auch andere spannende Zubehörteile für das 16 Bit-Gerät. Vor allem der Super Game Boy war für viele Besitzer des Handhelds Gold wert. Wer seine Spiele endlich auf dem großen Bildschirm und inklusive verschiedener Farbschemata und Rahmen sehen wollte, musste einfach zugreifen. Interessanterweise war der Adapter nicht bloß zum Einstecken der Game Boy-Module da, sondern beinhaltete auch eine CPU zum Berechnen der Games. Der Super Game Boy 2 mit einigen neuen Features erschien dagegen nur in Japan. 


 Ein ähnliches Schicksal ereilte das Satellaview, das Modem, welches man an den Expansionport an der Unterseite des SNES anschloss. Neben einigen Spieleklassikern konnte man über den Service auch neue Games wie "F-Zero 2" herunterladen. In den USA gab es ein ähnliches System mit dem man über einen Keyboard-Controller sogar Online-Banking machen konnte. 

 

Wie zu Zeiten der Modul-Konsolen üblich, gab es auch die ein oder andere Schummelhilfe. So konnte man dank Game Genie oder Action Replay das Spiel mit mehr Extraleben oder in einem späteren Level starten. Ein besonderes Kuriosum waren die Kopiersysteme, die es für das SNES gab. Offiziell waren diese für ein Backup des Spiels da, falls das Modul einmal unbrauchbar werden würde, aber wie so oft wurde das System zum illegalen Vervielfältigen der Games genutzt. Ähnliche Geräte gibt es heutzutage, um die Original-Roms auszulesen und auf einem Emulator zu spielen. 

 

(Einige Game Boy-Titel unterstützen die Funktion des Super Game Boy und präsentierten sich in Rahmen passend zum Spiel.)

 

In einem Artikel über das SNES muss man natürlich auch über die Spiele sprechen und Nintendos Umgang mit den Entwicklern. Waren diese zu NES-Zeiten noch gezwungen, weitestgehend Exklusivtitel für die Konsole zu veröffentlichen, lockerte man die Ansprüche an die Firmen merklich. So verwundert es nicht, dass es zahlreiche Spieleserien auch für Segas Mega Drive gab. Trotzdem hatte man die ein oder andere Firma exklusiv für sich. So zum Beispiel Squaresoft oder Rare


 Ein großes Problem war damals die Beschränkung von Nintendo, nur familienfreundliche Spiele zu veröffentlichen. So zwang man Activision damals die Blutfontänen von "Mortal Kombat" umzufärben und die Fatalities zu entfernen, was aber dazu führte, dass sich die Mega Drive-Umsetzung wesentlich besser verkaufte. Wollte man also ältere Gamer begeistern, musste man etwas unternehmen. Nachdem der zweite Teil des Prüglers ungeschnitten für das SNES erschien, setzte vor allem Rares "Killer Instinct" dem Spielzeug-Ruf von Nintendo langsam ein Ende. 


 Abgesehen von diesen speziellen Titeln konnte man auf dem SNES aber allerlei hochklassige Jump'n'Runs erleben oder in die sagenhaften Welten unzähliger JRPGs abtauchen. So setzte "Super Mario World" ein Ausrufezeichen im Konsolenkampf und machte schon beim Start des SNES klar, dass mit Nintendo zu rechnen ist. Waren in den ersten Jahren noch Titel mit klassischer Pixeloptik angesagt, konnten Spiele wie "Donkey Kong Country" oder "Star Fox" mit neuen Grafikspielereien begeistern. So waren die Levels und Figuren in Rares Jump'n'Run-Hit alle vorgerendert und wirkten so unheimlich plastisch, "Star Fox" letztlich war dank eingebautem Super FX-Chip Nintendos erstes Spiel mit Polygongrafiken. Der eben erwähnte Chip war Bestandteil des Spielmoduls und arbeitete als Co-Prozessor um aufwendigere Berechnungen des SNES zu ermöglichen. Insgesamt erschienen acht Titel mit Super FX-Unterstützung, so zum Beispiel "Yoshi's Island".

 

(Squaresoft unterstützte das SNES mit unzähligen spannenden Titeln wie dem hier gezeigten "Front Mission".)

 

Heutzutage kann man SNES-Spiele auf unterschiedlichste Weisen genießen. Entweder nutzt man seine alten Module auf Retrokonsolen wie dem Retron 5 oder man nutzt die ausgelesenen ROMs in einem der vielen Emulatoren auf Android-Geräten oder dem heimischen PC und MAC. Viele Titel kann man dank Virtual Console auch auf der Wii und der WiiU neu erleben. Außerdem gibt es für Besitzer des New 3DS seit Anfang des Jahres auch SNES-Spiele als Download.  Mit Erscheinen des NES Classic Mini und dem damit verbundenen, bisherigen Erfolg hoffen viele Retrofans natürlich auf das Release eines Pendants der 16 Bit-Konsole. Ein Super Nintendo in Miniausführung mit den besten 30 oder gar 50 Spielen wäre ein Traum. Hoffentlich liest Nintendo hier mit!! 


 Aufgrund der hohen Beliebtheit von Retrogames in den letzten fünf Jahren sind die Preise für Konsole und Spiele in die Höhe geschossen. So bekommt man zwar die Konsole an sich für einigermaßen vernünftige Preise, einige Spiele jedoch gehen für mehrere hundert Euro über die virtuelle Ladentheke. Teilweise sind dies nicht einmal hochqualitative Titel, meist überwiegt die Seltenheit bzw. der Allgemeinzustand des Spiels. Zu den Spitzenreitern gehören hier zum Beispiel "Mega Man X2" oder die Rollenspiele wie "Secret of Mana" inklusive OVP und Spieleberater. Wobei man über deren Qualität nicht meckern kann... 


Außerdem wichtig für Sammler und oben schon kurz erwähnt: aufgrund einer seltsamen Kunststoffmischung oxidiert das Plastik der frühen Konsolen häufiger und wird gelblich. Sieht nicht schön aus, kann aber dank einiger findiger Tüftler mittlerweile behoben werden.  Alles in allem war das SNES trotz geringerer Verkaufszahlen im Vergleich zum NES ein voller Erfolg für Nintendo und festigte deren guten Ruf in der Branche. Als Nachfolger plante man daher in Kombination mit Elektroimperium Sony eine neue Konsole, die dank CD-Medium ganz neue Dimensionen des Gamings erreichen sollte. Doch das ist eine andere Geschichte...





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