Tom Clancy's: Ghost Recon Wildlands [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 07.03.2017 um 18:41

 

Serie mit Tradition

 

Die „Ghost Recon“-Serie erschien erstmals im Jahr 2001 auf dem PC und machte sich fortan als realitätsnaher Taktikshooter einen Namen. Nachdem in den folgenden elf Jahren mehrere Teile und Spinoffs für Heimkonsolen, PC und sogar Handhelds veröffentlicht wurden, war es nun längere Zeit still um Ubisofts Reihe. Nun kommt mit „Ghost Recon Wildlands“ der zehnte Teil der Serie in die Läden, der euch erstmals in eine komplett offene Welt wirft. Hinzu kommt ein umfangreicher Multiplayer-Part, der euch bis zu drei Kollegen an die Seite stellt mit denen ihr auf die Jagd nach dem Boss des größten Drogenkartells Boliviens geht. Ob Ubisoft mit dem neuesten Teil der Serie eine spannende Neuinterpretation der Serie gelingt oder ob man sich wieder in der typischen Ubisoft-Formel verrennt, klären wir unserem Test.

 

Pablo Escobar auf bolivianisch

 

Im Jahr 2019 beherrscht das Santa Blanca-Kartell die größten Teile Boliviens und hat das südamerikanische Land zum Kokain-Hersteller Nr.1 gemacht. Als dann auch noch Anschläge auf die US-amerikanische Botschaft und Vertreter des Landes verübt werden, schickt die US-Regierung im Rahmen der Operation Kingslayer ihre besten Männer und Frauen in Form des Ghost-Teams nach Bolivien. Die Operation wird von CIA, DEA und JSOC in Gemeinschaftsarbeit geleitet und soll nicht nur den Boss des Drogenkartells stürzen, sondern auch die Verbindungen in die bolivianische Regierung enthüllen. Doch ihr seid nicht nur auf euch allein gestellt, sondern bekommt auch Unterstützung von den lokalen Rebellen.

 

 

„The Division“ im Dschungel?

 

Denkt man an Ubisoft und Teamshooter kommt einem natürlich sofort „The Division“ in den Sinn. Und unweigerlich will man die beiden Titel miteinander vergleichen. Doch auch wenn es sich bei beiden Spielen um Thirdperson-Schießereien mit gewissem Taktikkniff handelt, sind sie doch recht unterschiedlich.
So seid ihr in „Ghost Recon Wildlands“ immer zu viert unterwegs und übernehmt dabei die tonangebende Rolle der Truppe. Auch die Shooter-Mechanik lässt sich nicht mit dem New Yorker Endzeitactioner vergleichen, sondern ist wesentlich direkter und ohne die vielen Deckungselemente. Zwar schadet es auch bei „Wildlands“ nicht, wenn ihr vor den gegnerischen Salven in Deckung geht, jedoch könnt ihr nicht so ohne weiteres hinter einem Hindernis hervorschießen. Hier kommt es mehr auf die Planung eines Zugriffs an und dessen perfekte Ausführung. Entscheidendes Element bei „The Division“ waren aber die zahlreichen Werte eurer Waffen und anderen Ausrüstungsgegenstände. Dies ist bei „Ghost Recon Wildlands“ wesentlich entschlackter und so müsst ihr keine Stunden in den Menüs verbringen wo ihr diverse Aufsätze und Modifikationen miteinander kombiniert, um 0,02% effektiver zu sein.

 

Aller Anfang ist schwer

 

Nachdem ihr euch in einem umfangreichem Charaktereditor ausgetobt und euch für einen von vier Schwierigkeitsgraden entschieden habt, werdet ihr zunächst in die Story eingeführt, die aufgrund der vielen Namen und Gruppierungen zunächst recht verwirrend erscheint. Doch relativ flott werdet ihr im ersten Gebiet abgesetzt und begebt euch auf eure erste Mission. Und schon diese frühen Momente machen klar, welch dichte und gute Atmosphäre „Ghost Recon Wildlands“ während der folgenden Stunden auffahren wird. Denn neben Zivilisten, die euch freundlich mit einem „Hola!“ grüßen, unterhalten euch eure Teamkameraden mit Witzen oder manchmal etwas peinlichen Anekdoten. Außerdem lauscht ihr im Radio dem lokalen Sender und den aktuellsten spanischsprachigen Musikhits oder einfach dem Vogelgezwitscher während ihr auf der Lauer liegt, um den nächsten Sicario ums Eck zu bringen. Stark! Aber auch wenn einen die Atmosphäre sofort vereinnahmt, überfährt einen das Spiel mit der Auswahl an Tätigkeiten und der Menüstruktur. Hier ist einiges an Zeit nötig bis man diese alle durchblickt und für sich sortiert hat, auf was man zunächst den Fokus setzen sollte. Mit fortschreitender Spieldauer wird das aber immer besser und somit steigt auch die Übersichtlichkeit.

 

 

Die Qual der Wahl

 

Eure Spielfigur könnt ihr nicht nur mit zwei Hauptwaffen, einer Pistole und verschiedenen Granaten ausrüsten, sondern auch mit allerlei Technikspielereien. So habt ihr nicht nur ein Fernglas um euch einen Überblick über die Situation zu verschaffen, auch eine Drohne befindet sich in eurem Gepäck. Diese kann zwar zu Beginn weder besonders weit noch besonders lange fliegen, ist aber durch Fertigkeitenpunkte erheblich verbesserbar. Stichwort Fertigkeitenpunkte – diese erhaltet ihr durch erledigte Aufträge, findet sie aber auch ab und an in der freien Natur oder während Missionen. In Kombination mit dem gesammelten Nachschub, den ihr per Knopfdruck markiert und somit in euer Lager bringen lasst, könnt ihr euch so in sechs unterschiedlichen Kategorien verstärken. Neben Verbesserungen im Bereich Waffe oder Drohne könnt ihr auch eure Widerstandsfähigkeit erhöhen oder euren Trupp mit neuen Features stetig verbessern.

 

Interessant ist auch die einforderbare Rebellenunterstützung, die mit deren steigender Loyalität immer umfang- und vor allem hilfreicher im Kampf gegen das Kartell wird. Eure drei KI-Kollegen könnt ihr außerdem per Befehlsrad auf der R1-Taste mit einigen Kommandos im Einsatz beeinflussen. Allerdings sind diese sehr eingeschränkt und meistens verhalten sich die Kameraden auch ohne eure Befehle recht schlau. Für das leise und geheime Vorgehen bietet es sich allerdings an, von einigen der Befehlen Gebrauch zu machen.
Wie ihr dann von Punkt A nach B kommt, bleibt letztlich euch überlassen. Neben Klassikern wie dem Auto stehen euch aber auch exotischere Dinge wie Hubschrauber, Flugzeuge oder sogar ein Abwurf per Fallschirm zur Verfügung. Neben den Storymissionen gibt es zahlreiche Nebenbeschäftigungen. Mal bringt ihr Nachschub zu den Rebellen, zerstört feindliche Lieferungen oder sichert Aufklärungsdaten, die euch mehr über das Spielgebiet verraten. Dank unterschiedlicher Settings und Lokalitäten ist dies immer abwechslungsreich gestaltet und wird nur selten langweilig.

 

 

Pablo wäre nicht glücklich

 

Bisher zeigt sich „Ghost Recon Wildlands“ also von seiner positiven Seite, doch es gibt leider auch einige Mängel im Spiel. Denn hier passt manchmal die Technik beziehungsweise das ein oder andere Gameplay-Element überhaupt nicht zum hohen Anspruch von Ubisoft. So ist vor allem die Steuerung der Fahrzeuge eine echte Zumutung. Vor allem die Autos fahren sich wie auf Eiern und brechen gerne einmal aus. Zwar gibt es modelltypische Unterschiede aber alles in allem muss man hier noch einmal nachbessern. Vor allem bei der Verfolgung feindlicher Konvois oder auf der Flucht macht das keinen Spaß! Ähnlich hakelig ist das Schießen aus einer Deckung. Denn obwohl man einen guten Platz vor dem Sichtfeld des Feindes hat, bedeutet dies nicht, dass man aus dieser Position heraus auch schießen kann. So endet es häufig darin, dass man plötzlich den Sandsack, den Zaun oder sonstiges Hindernis im Blick hat und sich erneut eine passendere Schussposition suchen muss. Eventuell wäre hier die Mechanik der modernen Deckungsshooter angenehmer gewesen, die dann natürlich aber auch zum wilden ballern verführen würde. Schwierig. Ebenso war die KI der Kameraden als auch der Gegner immer wieder für einen Lacher, aber auch für einigen Ärger gut. So drehte sich ein Kartellmitglied nach seinem Tod ständig im Kreis und das neben einem brennenden Auto oder man konnte schwebende und wild herumfliegende Fahrzeuge beobachten. Die KI-Kollegen stiegen öfter nicht in die Fahrzeuge ein und wollten anscheinend zurück bleiben. Fährt man dann los, sitzt der gerade noch trotzige Soldat wie aus Geisterhand plötzlich neben einem. Seltsam!

 

Bolivien ist schön

 

Die Grafik von „Ghost Recon Wildlands“ kann dafür aber absolut überzeugen. Durch die vielen Details die zum südamerikanischen Flair beitragen, gesellt sich eine lebendige Welt, der es aber noch etwas einigen Wildtieren mangelt. Nur selten gab es während des Tests Ruckler im Spiel, meist brach die Framerate etwas ein sobald das dynamische Wetter umschlug oder sich viele Fahrzeuge auf der Straße tummelten. Wie oben schon erwähnt gibt es unterschiedliche Settings von waldbewachsenen Gebieten über Wüste bis hin zu Städten. Besonders letztere wirken authentisch und bieten allerlei kleine Details wie Straßenhändler oder lärmende Fernseher. Alles in allem befindet sich die grafische Gestaltung auf einem hohen Niveau im Mittelfeld und wirkt absolut stimmig. Auch die Weitsicht ist richtig gut gelungen und lässt ab und an fast Urlaubsfeeling aufkommen...wenn da nicht die Schießereien mit dem Drogenkartell wären.

 

 

Zusammen sind wir stärker

 

Den Part der drei KI-Kollegen können im Onlinemodus auch Partner aus Fleisch und Blut übernehmen. Hierfür müsst ihr nur eine Onlinesession starten beziehungsweise einer beitreten was relativ flüssig geschieht. Während des Tests fand das Spiel flott andere Mitspieler und lief stabil ohne Ruckler oder Verbindungsabbrüche. Zwar war es zunächst seltsam, dass die drei anderen Teammitglieder teilweise mehrere hundert Meter entfernt waren, doch war die Überraschung groß als einer der Mitspieler plötzlich mit einem Hubschrauber landete und so nach und nach die anderen aufsammelte. Gemeinsam ging es dann zu einer der Hauptmissionen in der dann aber jeder so ein bisschen machte was er gerade wollte. Zwar kann man per Befehlsrad(mit dem man auch seine KI-Kollegen steuert) einige Kommandos geben, aber es bedarf schon einer klaren Absprache wie man letztlich vorgeht. Hierfür ist ein Headset vermutlich unverzichtbar und förderlich für den Spaß beim Onlinespiel. „Ghost Recon Wildlands“ hat außerdem noch einen Shop in dem man mit der Ingame-Währung verschiedene Zusatzobjekte kaufen kann. So gibt es weitere Patches für den Rucksack, neue Tarnfarben fürs Gesicht oder sogar vergoldete Fahrzeuge.

 

FAZIT: Ein Krieg gegen Drogenkartelle kann ganz schön unterhaltsam sein

 

Aufgrund einiger Spiele von Ubisoft, die in letzter Zeit immer wieder der gleichen Formel folgten, war die Skepsis gegenüber „Ghost Recon Wildlands“ relativ hoch. Doch am Ende hat das Spiel trotz kleiner Mängel wie dem etwas kompliziertem und unübersichtlichem Einstieg und dem ein oder anderen technischen Problem wirklich überzeugt. So spielt sich das Spiel relativ unkompliziert und weiß damit zu gefallen. Das Auskundschaften einer Zielperson oder eines Verstecks per Drohne und Fernglas macht so viel Spaß, dass man auch über das verunglückte Deckungssystem etwas hinwegschauen kann. Auch in den unteren Schwierigkeitsmodi ist das Spiel vor allem im Kampf gegen die Spezialeinheiten richtig fordernd und sorgt für einige Schweiß- und eventuell auch Wutausbrüche. Solltet ihr drei Freunde haben mit denen ihr euch regelmäßig zum Onlinespielen verabredet ist „Ghost Recon Wildlands“ eine echte Empfehlung. Denn stimmt am Ende auch noch die Kommunikation mit den anderen Teamkameraden entwickelt sich ein spannender Taktikshooter in einem wunderschönen Ambiente. Ubisoft macht so mit dem neuesten Ableger der Serie fast alles richtig und kann hiermit den Grundstein für weitere, erfolgreiche Ableger geschaffen haben. Wer nur im entferntesten etwas mit Shootern anfangen kann, sollte dem Spiel eine Chance geben. Es ist nämlich sowohl on- als auch offline richtig gut!

 





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