I Am Setsuna [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 07.03.2017 um 18:28

 

Die gute alte Schule

 

Erinnert ihr euch noch an die alten japanischen Rollenspiele für das SNES? Spiele wie „Mystic Quest“, „Chrono Trigger“ oder „Final Fantasy“? Spiele die man in einer Topdown-Perspektive genossen hat? Spiele die meist eine so ausufernde Geschichte zu erzählen hatten, dass einem schwindelig wurde? Solch ein Spiel will auch „I Am Setsuna“ sein. Mit diesem Ziel ging zumindest Tokyo RPG Factory an die Entwicklung des Titels heran und wollte ein Rollenspiel schaffen, das vor allem Fans der klassischen JRPGs begeistert und jüngere Spieler wieder für das Genre gewinnen kann. Mit der Unterstützung von Square Enix verwirklichte man bereits letztes Jahr die Veröffentlichung auf PS4 und PC und schiebt nun zum Start eine Version für die brandneue Nintendo Switch nach. Ob „I Am Setsuna“ wirklich die hohe Qualität der Vorbilder erreicht und dem Genre zu neuem Aufschwung verhilft, erklären wir euch in unserem folgenden Test.

 

Junge trifft Mädchen

 

Das titelgebende Mädchen Setsuna soll eigentlich in einem jahrhundertealten Brauch einem Dämonen geopfert werden, damit dieser das Land und seine Bevölkerung weiterhin in Ruhe und Frieden leben lässt. Gleichzeitig bekommt der Ritter Endir den Auftrag, Setsuna umzubringen. Die Hintergründe hierfür erschließen sich nicht sofort und als er auf das Mädchen trifft, kann er die Mission auch nicht beenden. Denn nicht nur Setsunas Leibwächter halten ihn von der Tat ab, sondern er muss auch mit ansehen wie ihr Heimatdorf Opfer eines Angriffs von Monstern wird. Zusammen schlagen sie die Bestien in die Flucht und entscheiden, dass sie Setsuna zum Ort ihrer Opferung, in das entfernteste Land, zu begleiten.

 

 

Retrofeeling

 

Das Spielsystem ist für Freunde von JRPGs nichts Neues und stark vertraut. So streift ihr in einer Party von maximal drei Mitgliedern durch die Lande und steuert dabei immer den Helden Endir auf der Landkarte beziehungsweise in den Gebieten. Eure Feinde könnt ihr dabei immer deutlich sehen und könnt so meist frei entscheiden, ob ihr euch diesen stellt oder sie lieber umgeht. Wollt ihr den Kampf antreten, ist entscheidend, von welcher Richtung ihr euch den Gegnern nähert. Überrascht ihr sie von hinten, beginnt ihr den Kampf mit voller ATB-Leiste und könnt den ersten Schlag machen. Die ATB-Leiste entscheidet dann auch über die Reihenfolge der Attacken eurer Party-Mitglieder und der Feinde. Seid ihr am Zug könnt ihr entweder aus einem herkömmlichen oder einem Tech-Angriff wählen, der aber zu Lasten der Magiepunkte geht. Ab und an habt ihr auch die Möglichkeit mächtige Comboattacken mit euren Mitstreitern auszuführen oder ihr startet eure Momentum-Energie, die eure Angriffe wesentlich stärker macht. Rollenspieltypisch habt ihr auch die Auswahl aus unzähligen Items, die euch Energie zurückgeben, Magiepunkte auffüllen oder gefallene Partner wiederbeleben. Aus hinterlassener Beute von Feinden könnt ihr außerdem die sogenannten Spirinites gewinnen. Dies sind Spezialfähigkeiten, die sich im Kampf gegen besonders mächtige Gegner bezahlt machen können.

 

Retro-Technik 

 

Auch grafisch präsentiert sich „I Am Setsuna“ im Retro-Look. So seht ihr das Geschehen aus einer leicht schrägen Topdown-Perspektive, die Figuren, Hintergründe und Objekte sind jedoch alle mit Polygonen ausmodelliert. Leider wirkt die Grafik jedoch relativ trist. Dies liegt vor allem an der monotonen, schneebedeckten Welt, aber auch innerhalb der meisten Gebäude ist das Spiel eher langweilig und ohne große Highlights. Einzig und allein die gezeichneten 2D-Charakterbilder bei den Dialogen versprühen den alten Charme von „Chrono Trigger“ und Konsorten. Dennoch hat man sich beim Ausschmücken der Welt etwas mehr Mühe gegeben und viel Liebe ins Detail gesteckt. So wirken die Innenräume der Häuser zum Beispiel wirklich lebhaft und bewohnt, ähnlichen Detailreichtum hätte man sich auch für die Außenwelt gewünscht. Da man sich wohl dem Nischendasein des Titels bewusst war, hat man auch nichts in eine deutsche Lokalisierung investiert. Alle Bildschirmtexte sind in Englisch gehalten und auf dem Display der Switch ab und an etwas zu klein geraten. Auch die Musik kann nicht mit den Vorbildern des Spiels mithalten. Zwar untermalt die melancholische Pianomusik die Handlung mit den richtigen Tönen, doch fehlen die Ohrwürmer die frühere JRPGs so besonders machten.

 

 

FAZIT: Leider kein neues „Chrono Trigger“, aber einen Blick wert

 

Man muss Tokyo RPG Factory für ihren Mut loben, solch ein Spiel in Zeiten von Mega-Rollenspielen wie „Final Fantasy XV“ und „The Witcher III“ zu veröffentlichen. Dazu gehört Mut und ein wirkliches Faible für Spiele mit dem Charme der 1990er. Doch leider kommt „I Am Setsuna“ nie an die Qualität der Vorbilder heran. Dafür sind die Charaktere zu flach und teilweise unsympathisch und die Inszenierung lässt die Detailverliebtheit von „Chrono Trigger „ & Co. vermissen. Ebenso wirkt das Spiel einfach viel zu monoton was sicherlich zum größten Teil dem Setting zuzuschreiben ist. Für wen ist das Retro-JRPG also gedacht? Wer etwas mit rundenbasierten Kämpfen und guter alter Rollenspielmechaniken anfangen kann, sollte sich den Titel mal anschauen. Wer allerdings opulent inszenierte Zwischensequenzen mit actionreichen Kämpfen und zahlreichen Nebenmissionen erwartet, wird in die Röhre schauen. Das ist wirklich nur was für Fans des Genres! 

 

Kurze Anmerkung: Das Spiel bekommt im April übrigens einen Online-Modus verpasst in dem ihr eure Party mit anderen Spielern in Kämpfen vergleichen könnt. Und das exklusiv auf der Switch!