Nintendo Switch

Verfasst von Christian Suessmeier am 02.03.2017 um 13:33

 

Von der NX zur Switch

 

Nach dem Debakel rund um die WiiU, die als am wenigsten verkaufte Heimkonsole von Nintendo in die Geschichte eingehen wird, waren die Hoffnungen auf Nintendos Nachfolge-Hardware natürlich groß. So wurde recht früh bekannt, dass das Gerät names NX wohl eine Mischung aus Heimkonsole und Handheld werden soll und sich auch technisch nicht vor den aktuellen Geräten von Sony und Microsoft verstecken muss. Dieser Hype wurde befeuert von einigen Branchenmitarbeitern und hohen Tieren wie dem CEO von Ubisoft, die von der NX in höchsten Tönen und von einer kleinen Revolution des Gamings sprachen.

 

Und auch nach dem ersten Revealtrailer vom Oktober 2016 zeigten sich Branche und Fans durchaus begeistert und auch Nintendo versprach, dass man alles besser machen würde als bei der WiiU. Doch nach der großen Vorstellung Anfang Januar kam die große Depression und der Hype bekam einen deutlichen Knicks. So überzeugten viele Fans die geringe Auswahl an Starttiteln nicht, außerdem lag der Fokus doch sehr auf japanischen Spielen und weniger auf großen, westlichen Marken. Auch die Preise für die Konsole selbst und das Zubehör ernteten Kritik. Von der Technik einmal komplett abgesehen... Am 03.03. erscheint die Switch nun offiziell und deshalb nehmen wir zunächst einmal das Gerät unter die Lupe. Da Nintendo uns schon vor einer Woche eine Konsole zur Verfügung gestellt hat konnten wir sie nämlich schon ausgiebig testen.

 


 

Switch im Karton

 

Öffnen wir den Karton sehen wir zunächst das Herzstück der Switch: die Konsole selbst und die zwei JoyCons. In unserem Fall sind es die neonfarbenen Controller, deren Farben sehr strahlend und kräftig sind. Darunter befindet sich die Dockingstation, der Grip zum Einschieben der JoyCons, zwei Handschlaufen und die üblichen Kabel für den Strom- und HDMI-Anschluss. Alles ist fein säuberlich verpackt und findet in einem Karton Platz, der kleiner ist als erwartet. Nach einer kurzen und unkomplizierten Einrichtung des Gerätes neben dem heimischen TV freuen wir uns jetzt also auf unterhaltsame Stunden mit der Switch. Sehr löblich ist übrigens, dass die Kabel hinten am Gerät gut verstaut werden können und man so den üblichen Kabelsalat ganz gut vermeiden kann. Falls ihr über ein Ethernetkabel online gehen wollt, könnt ihr den separat erhältlichen Adapter an einem der drei USB-Anschlüsse anschließen.

 

Machen wir es uns gemütlich!

 

Die Einrichtung der Switch selbst geht ähnlich leicht vonstatten wie die eines 3DS. Zunächst synchronisiert man die die JoyCons mit der Konsole selbst, damit ihr diese bedienen könnt. Ist das geschafft wählt man seine Wunschsprache aus, sucht sich sein Heim-WLAN und richtet seinen Nintendo-Account samt Benutzerbild ein. Hierfür konnte man sich im Vorfeld bereits seinen Nickname sichern, der auf der Switch als Spielername angezeigt werden wird. Das Menü welches sich uns dann präsentiert ist noch sehr übersichtlich. In einer Kacheloptik ähnlich der PS4 kann man im Hauptmenü durch die Spiele seiner Sammlung von links nach rechts scrollen, am unteren Rand finden sich weitere Menüpunkte. Dort hat man zum Beispiel Zugriff auf den eShop oder die Einstellungen. Da das Gerät zur Verwendung des eShops und einiger anderer Features wie der Benutzung von Speicherkarten den Day1-Patch benötigt, können wir leider nichts zu diesen Funktionen sagen. Zum internen Speicher der Konsole: die 32GB stehen euch nicht komplett zur Verfügung. So benötigt das Betriebssystem aktuell schon knappe 6GB und daher ist der Kauf einer passenden Speicherkarte wohl unumgänglich, wenn man sich Downloadspiele kaufen will.

 

 

Typische Nintendo-Qualität?

 

Der WiiU konnte man noch vorwerfen, dass sie wie ein Kindertablet aussieht und sich auch so anfasst. Dies kann man bei der Switch nicht sagen. So fühlt sich die Konsole selbst sehr gut und hochwertig an, die Dockingstation dann aber wieder eher billig. Am Anfang waren die JoyCons aber sehr schwer aus den Schienen am Gerät zu lösen, das hat sich mit der Zeit dann gebessert. Generell kann man bei den JoyCons bemängeln, dass diese doch relativ klein ausfallen und sich auch im JoyCon-Grip nicht unbedingt für längere Spielesessions eignen. Neben der Größe erweisen sich auch die Sticks als problematisch. Durch deren „Leerlauf“ fühlen sie sich nicht so präzise an wie die der Konkurrenten. Hier wird man wohl mit dem separat erhältlichen Pro Controller besser beraten sein. Wollt ihr eure Amiibos an der Switch benutzen, könnt ihr dies am rechten JoyCon dank eingebautem NFC-Reader tun. Außerdem habt ihr auf der linken Einheit einen Share-Button zum Aufnehmen von Screenshots. Nintendo wird eine Videofunktion zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen.

 

Die Technik der Switch

 

Dass die Switch technisch nicht mit PS4 und Xbox One mithalten kann, dürfte niemanden überraschen. So ist der verbaute Tegra-Chip von Nvidia eher für den mobilen Bereich gedacht und verrichtet unter anderem in Nvidias Shield TV zuverlässig seine Arbeit. Welche grafischen Welten damit in Zukunft möglich sein werden, hängt vom Können der Entwickler ab, 4K und Co. werden vermutlich jedoch kein Thema auf der Switch sein. Dafür überzeugt uns das knackscharfe 720p-Display mit tollen Farben, auch wenn es im Licht etwas spiegelt. Die Menüs laufen alle flüssig und sind frei von Rucklern. Überzeugt hat auch das Hauptfeature der Konsole: so wechselt das Bild sehr flüssig vom mobilen Betrieb in den TV-Modus und zurück. Da hat Nintendo sehr gute Arbeit gemacht. In der Dockingstation selbst ist übrigens keine Technik wie eine GPU oder CPU verbaut. Es findet alles im Tablet selbst statt, im mobilen Betrieb wird die Leistung aber etwas zurück geschraubt.

 

 

Spiele können auf dem TV dann auch in einer Auflösung bis 1080p laufen, „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ präsentiert sich zum Beispiel in 900p. Große Sorge machte vielen die Akkuleistung. Nintendo gibt diese zwischen 3,5 und 6 Stunden an und betont aber, dass es meist vom Spiel abhängen würde wie lange die Konsole ohne Stromanschluss auskommt. In unserem Test mit dem neuesten Abenteuer von Link hielt der Akku etwas über drei Stunden bei deaktiviertem WLAN und 75% Bildschirmhelligkeit. Wer unterwegs jedoch viele Stunden spielen will, kann sich auch mit einer Powerbank die nötige Energiezufuhr schaffen. So kann das Gerät über den USB-C-Anschluss auch mit einer solchen geladen werden, jedoch muss diese stark genug sein. Im Vorfeld berichteten einige Tester der Switch über Verbindungsprobleme der JoyCons. Diese verloren wohl ab und an die Verbindung zum Gerät, in unserem Test war davon aber nichts zu spüren.

 

FAZIT: Eher ein 3DS mit TV-Funktion als Heimkonsole

 

Die Switch ist ein faszinierendes Gerät. So überzeugt das Konzept, dass man seine Spiele sowohl mobil als auch auf dem heimischen TV genießen und überall mit hin nehmen kann. Auch die Verarbeitung des Gerätes kann überzeugen auch wenn die JoyCons eher für den kurzweiligen Multiplayer-Spaß gemacht sein dürften als für ausufernde Zocksessions. Doch die Switch bleibt eine Wundertüte. So ist gerade der Software-Support noch nicht überschaubar und dieser wird letztlich auch über Erfolg oder Misserfolg der Konsole entscheiden. Für einen Verkaufshit fehlen einfach die großen Marken zum Start. Ob das neueste „Zelda“-Spiel dies allein ausgleichen kann, bleibt abzuwarten.
Auch die saftigen Preise für das Zubehör sollte Nintendo noch einmal überdenken, da man zum Start mindestens 460€ investieren darf, wenn man ein Spiel und einen Pro Controller dazu kauft. Möchte man dann noch eine Tasche, eine JoyCon-Ladestation oder gar zwei weitere JoyCons kann man gut und gerne 600€ investieren. Für wen ist die Switch zum Start also sinnvoll? Technikfreaks und Nintendo-Fans werden das Gerät sowieso schon vorbestellt haben, ob die Switch zum Release aber gleich die Konsole wird, die Herr Müller für seine Familie zum gemeinsamen Spielen kauft, ist fraglich. Wer sich unsicher ist, sollte vielleicht die E3 abwarten, welche Spiele in naher Zukunft noch auf die Switch kommen und seine Entscheidung dann fällen.





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