Halo Wars 2 [Xbox One]

Verfasst von Christian Suessmeier am 22.02.2017 um 11:42

 

Die Xbox-Marke mit Tradition

 

Man weiß nicht, wo die Marke Xbox heute stehen würde, hätte man damals zum Start der ersten Generation „Halo“ nicht gehabt. Denn wie kein anderer Titel steht der futuristische Shooter rund um den Master Chief für die Power der Konsole und deren bemerkenswerten Erfolg. Neben den fünf Spielen der Hauptserie, die zwischen 2001 und 2015 erschienen sind, wurden auch Spin-offs wie „Halo Reach“ oder eben „Halo Wars“ veröffentlicht. Letzteres erschien schon im Jahr 2009 auf der Xbox 360 und machte die Egoshooter-Reihe zu einem klassischen Strategiespiel ähnlich „Command & Conquer“. Angesichts der mangelnden Popularität dieses Genres auf Konsolen, war dies ein mutiger Schritt. Doch dank der Fachkompetenz der „Age of Empire“-Entwickler Ensemble Studios, wurde „Halo Wars“ mit einer intuitiven Controller-Steuerung ausgestattet und brachte so den ein oder andern Strategie-Muffel an das Pad. Ganze acht Jahre nach Teil 1 und von einem anderen Entwickler erscheint nun „Halo Wars 2“ für die Xbox One. In unserem Test sagen wir euch, ob sich die Anschaffung lohnt.

 

Master wer?!?

 

Ganze 28 Jahre nach den Geschehnissen aus Teil 1 und lange bevor der Master Chief überhaupt die Bühne betritt, befindet sich eure Mannschaft an Bord der Spirit of Fire, die sich auf dem Weg zur Erde befindet. Doch leider weckt die KI des Schiffes euch und eure Kollegen plötzlich aus dem Kälteschlaf, denn ihr seid auf die Banished gestoßen. Diese stehen unter der Führung des gnadenlosen Atriox, der einige Monate zuvor die Erde angegriffen hat und euch so die Rückkehr in die Heimat erschwert. Ein gnadenloser Kampf beginnt...

 

 

Kleine Auswahl im großen Universum

 

„Halo Wars 2“ bietet euch für euer hart verdientes Geld vor allem eine sehr storylastige Kampagne für Einzelspieler. In ganzen zwölf, sehr abwechslungsreich gestalteten Missionen erwehrt ihr euch fortwährend also in der Rolle der UNSC-Soldaten gegen General Atriox und dessen Schergen. Ansonsten sieht es für Einzelspieler eher mau aus. Schön für Freunde des gepflegten Koop-Spielens ist sicherlich, dass man die Story auch zu zweit spielen kann. Zwar geht dies nicht am heimischen Fernseher, sondern nur über das Internet, aber dank Absprachen über Voicechat kann man seine Züge sehr gut planen und den Angriff taktieren. Doch zu den anderen Multiplayer-Modi und deren Besonderheiten kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.

 

Rundenstrategie für Alle

 

Wer von „Halo Wars 2“ ein tiefgehendes RTS-Spiel erwartet, muss leider enttäuscht werden. Denn muss man in den meisten Titeln dieses Genres ein großes Augenmerk auf den Ausbau seiner Basis und somit auf die Produktionsstärke legen, wird dieser Punkt hier eher stiefmütterlich behandelt. So fokussiert sich der „Halo“-Ableger eher auf den richtigen Umgang mit euren Truppen. Bezeichnend hierfür ist auch die automatische Versorgung mit Ressourcen. Ihr braucht also keinen Tiberium-Mähdrescher wie in „Command & Conquer“ losschicken. Habt ihr eure Basis an einem dafür vorgesehenen Platz gebaut und die verfügbaren Slots mit sinnvollen Erweiterungen bestückt, geht es also daran, die Karte zu erobern. So müsst ihr auf dieser bestimmte Punkte erreichen und auch gegenüber dem Feind verteidigen. Dies bringt euch die wichtigen Punkte in der Endabrechnung und entscheidet über Sieg oder Niederlage. Hierbei wird deutlich, dass sich das Spiel eher um das richtige Taktieren und Verschieben eurer Truppen kümmert als auf den ausufernden Bau eines Stützpunkts. Neben diesen „Hauptpunkten“ gibt es auch eroberbare oder erreichbare Sonderziele, die euch Boni wie z.B. Verstärkungen für das weitere Spiel freischalten. Ein schöner und motivierender Einfall! Dank zu erledigender Nebenmissionen und freischaltbarer Schädel lassen sich im weiteren Spielverlauf auch einige Einstellungsmöglichkeiten freispielen, die euch das Spiel etwas erschweren oder erleichtern können.

 

 

Man muss sich an die fremde Kultur anpassen...

 

Viele Spieler des Echtzeitstrategie-Genres kommen bekanntermaßen vom PC und werden Konsolennutzer daher nur müde belächeln. Denn wie soll man denn einen solchen Titel wie „Halo Wars 2“ ohne Maus und Tastatur spielen? Geht nicht? Geht sehr wohl. Denn wie schon bei Teil 1 wurde die Bedienung optimal an den Controller der Xbox One angepasst und begeistert mit seiner Innovation. Neben praktischer Shortcuts, die man auf die Tasten des Controllers legen kann, öffnet man zum Beispiel durch Druck auf den linken Trigger das Anführer-Menü, das ähnlich wie alle anderen als Radialmenü angelegt ist. So könnt ihr durch das Neigen des Analogsticks schnell und bequem den gewünschten Punkt auswählen und seid so auch in hektischen Momenten immer auf Zack.

 

Echtzeit-Strategie echt schön

 

„Halo Wars 2“ reizt die Power der aktuellen Konsolengeneration zwar nicht komplett aus, ist aber ein wirklich hübsches Spiel geworden. Neben den großartig inszenierten Zwischensequenzen, die für perfekte „Halo“-Atmosphäre sorgen, sind es vor allem die kleinen Details, die die Welt so lebendig machen. So überraschen immer wieder einmal Animationen mit ihrer Detailtreue oder Explosionen und Feuer mit ihren großartigen Effekten. Ebenso ist die Gestaltung der Menüs und der Benutzeroberfläche stimmig zum Rest des Titels und lässt ihn so absolut rund erscheinen. Ein wahres Highlight sind aber die Zwischensequenzen, die teilweise fast schon das Niveau eines Blizzard-Videos haben. Was hier für ein Detailgrad, Lichtspiel und inszenatorischer Bombast aufgefahren wird, könnte auch gut ins Kino passen. Auch die musikalische Untermalung des Ganzen passt hervorragend in das SciFi-Setting des Spiels. Für was man „Halo Wars 2“ auf der grafischen Seite aber kritisieren muss, sind hier und da einige Schludrigkeiten, die nicht so ganz zum Spiel passen wollen. So kommt es ab und an zu Rucklern, wenn auf dem Bildschirm zu viel Schlachtengetümmel zu sehen ist. Und wenn man ganz kleinlich ist und nah an die Fahrzeuge und Gebäude heranzoomt, sieht man, dass nicht jede Textur schön aufgelöst ist. Da gibt es unscharfe und pixelige Oberflächen zu begutachten. Eine große Gefahr im RTS-Genre sind langweilige und immer gleiche Maps auf denen das Geschehen stattfindet. Doch hier kann bei „Halo Wars 2“ Entwarnung gegeben werden. Die Karten sind abwechslungsreich und schön gestaltet.

 

 

Zusammen können wir die Welt retten

 

Vor allem für Anhänger des Onlinespielens bietet „Halo Wars 2“ einiges an Optionen an. Neben dem oben schon erwähntem Koop-Modus in der Singleplayer-Kampagne, habt ihr auf der Xbox One mit Online-Zugang entweder die Möglichkeit, ein traditionelles Match auf einer Karte zu spielen, spannender sind aber die sogenannten Blitzduelle. In dieser Spielart wählt ihr vor dem Beginn eines Matches mehrere Karten und stellt euch so ein möglichst effektives Deck zusammen. Die Qualität eures Decks hängt auch von der Wahl eures Anführers ab. So bekommt ihr neben normalen Karten, die Einheiten präsentieren auch allerlei Sonderkarten wie einen Orbitalschlag oder besonders starke Einheiten. Um die Karten nutzen zu können, müsst ihr jedoch Energie besitzen, die sich nach einer gewissen Zeit wieder auflädt oder auf der Map in Form von Energiekernen aufzufinden ist. 

 

FAZIT: „Halo Wars 2“ zeigt, wie Echtzeitstrategie auf Konsole funktioniert

 

Mit dem zweiten Teil von „Halo Wars“ kann Microsoft erneut überzeugen. So hat man mit dem „Total War“-Studio Creative Assembly genau die richtigen Leute auf den Titel angesetzt und so ein überzeugendes Strategiespiel für die Xbox One geschaffen. Neben der tollen Präsentation gefällt auch die Einsteigerfreundlichkeit, die sich vor allem durch die gelungene Anpassung an die Besonderheiten einer Konsole zeigt. Aber auch Genre-Veteranen bekommen durch die vielen Einstellungsmöglichkeiten noch eine Herausforderung geboten. Was etwas missfällt, ist die relativ kurze Spieldauer von ca. acht Stunden. Manche der Missionen kann man innerhalb von 15 Minuten durchgespielt haben und auch der Wiederspielwert ist sehr gering. Hier ist auf einiges an Zusatzinhalt im Rahmen eines DLC zu hoffen. Alles in allem gefällt „Halo Wars 2“ auf der Xbox One, auch wenn man den ein oder anderen kleinen Kritikpunkt äußern muss. Auch Menschen, die sonst nichts mit dem Genre der Echtzeitstrategie zu tun haben, können ruhig mal einen Blick in das Spiel wagen. Ihr werdet es nicht bereuen!