Resident Evil 7 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 23.01.2017 um 17:09

 

Viel Licht, aber auch viel Schatten!

 

Als Capcom 1996 das erste „Resident Evil“(in Japan „Biohazard“) für die PlayStation veröffentlichte, konnte niemand ahnen, welch langlebige Serie die japanische Firma damit erschuf. Wer damals Videospiele spielte, hatte sicherlich auch einmal eine Berührung mit dem Horrortitel, der in einem einsamen Herrenhaus stattfand. Doch über die Jahre verlor die Serie etwas von ihrem einstigen Glanz. So waren vor allem Teil 2, der Dreamcast-Ableger „Resident Evil Code Veronica“ und Teil 4 noch Meisterwerke des Genres, jedoch verwässerte Capcom das einstige Survival-Horrorspiel zuletzt zu einem seelenlosen Shooter. „Resident Evil 6“ war bei weitem kein schlechter Titel, aber passte nicht mehr zum Rest der Serie. Über die Online-Shooter „Umbrella Corps“ oder „Operation Racoon City“ verlieren wir hier besser kein Wort. Doch mit Teil 7 will man zu den Serien-Ursprüngen zurück und den Fans wieder einen gehörigen Schauer über den Rücken jagen. Ob es Capcom gelungen ist, dieses Vorhaben umzusetzen, lest ihr im folgenden Test.

 

Willkommen in der Familie!

 

Als Spieler schlüpft ihr in die Rolle von Ethan Winters, dessen Frau Mia vor drei Jahren plötzlich verschwand. Doch plötzlich könnte ein neues Video ein Hinweis auf ihren Verbleib geben und ihr macht euch auf den Weg nach Dulvey in Louisiana. Am vermeintlichen Aufenthaltsort eurer Frau angekommen steht ihr vor einem heruntergekommenen Haus und sucht euch erst einmal einen Weg hinein. Relativ bald trefft ihr auf die Familie Baker, die dort wohnen und sehr ungewöhnliche Verhaltensweisen an den Tag legen und euch lieber tot sehen möchten. Fortan versucht ihr wieder aus dem Haus zu finden und hinter das Verschwinden eurer Frau zu kommen. Dabei stellen sich euch aber allerdings viele Hindernisse in den Weg, die es zu überwinden gilt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn „Resident Evil 7“ lebt von den unzähligen Überraschungen und den Kniffen in der Handlung.

 

 

Alles neu aber doch irgendwie wie früher!

 

Capcom will mit „Resident Evil 7 biohazard“ zurück zu den Serienwurzeln. Und nach den ersten Stunden im Haus der Bakers wird klar, dass man vor allem beim Gameplay alles richtig gemacht hat. Zwar ist die Wahl der Egoperspektive immer noch ungewohnt, jedoch sorgt diese für den richtigen Horror und ist ein Muss für die dichte Atmosphäre. Wie schon in früheren Teilen erlangt ihr nach und nach mehrere Items und Waffen, die für den späteren Spielverlauf unabdingbar sind und euch etwas wehrhafter machen. So kommt es zwar so immer wieder zu Backtracking, da man aber relativ viele Abkürzungen freischalten kann, ist dies nicht sonderlich negativ zu sehen. Neu ist allerdings das hier und da eingesetzte Schleichen, wenn man stärkeren Gegnern gegenüber tritt und die Standardwaffen nicht effektvoll sind. Ansonsten fühlt man sich stark an Teil 1 erinnert. So lauft ihr durch das Baker’sche Wohnhaus, untersucht allerlei Schränke und Schubladen nach verwertbaren Items oder löst das ein oder andere Rätsel. Diese sind meist sehr offensichtlich und erklären sich von selbst, beschränken sich aber oft auf „Setze Gegenstand X an Ort Y ein“.

 

Auch das Speichern und Heilen funktioniert wieder wie einst in der Villa des ersten Teils. So findet ihr über das Grundstück verteilte Zimmer, in denen ihr sicher vor den Bösewichten seid. Dort kann man seine Items verwalten und unnötige Gegenstände in einer Kiste ablegen oder an einem Anrufbeantworter abspeichern. Über die Anwendung perser Kräuter heilt ihr euren Gesundheitszustand oder greift gleich zu einem Psychotonikum, das eure Sinne schärft und wichtige Gegenstände für kurze Zeit markiert. Trotz Egoperspektive fühlen sich die Kämpfe mit Feuerwaffen oder Messer übrigens sehr stark wie im Erstling an, sind aber aufgrund ihres schlechten Trefferfeedbacks gerade im Kampf mit wichtigeren Gegnern insgesamt der größte Kritikpunkt des Spiels. Kleiner Tipp: Alle Motion Sickness-geplagten Spielerinnen und Spieler sollten das Schwanken beim Gehen der Figur ausschalten.

 

 

Stöbern erlaubt!

 

Neben der Hauptgeschichte könnt ihr auf dem Grundstück der Bakers auch allerhand Hintergrundinformationen zur Familie und der Story finden oder Zusatzitems entdecken. So findet man ab und ab die sogenannten Schatzfotos, die euch ein Versteck eines besonders wertvollen Gegenstands verraten und den man anschließend suchen kann. Immer wieder findet ihr im Spiel auch Videokassetten, die ihr an entsprechenden Videorekordern einsetzen und dadurch kurze Storysequenzen nachspielen könnt. Diese ergänzen die Haupthandlung oder zeigen euch Geschehnisse von vor eurem Ankommen in Louisiana. Das Absolvieren dieser Missionen ist nicht zwanghaft erforderlich, aber erhöht die großartige Atmosphäre ungemein.

 

Euer Spielgefühl wird sich auch durch den gewählten Schwierigkeitsgrad deutlich unterscheiden. So findet ihr auf höheren Graden seltener Items und Munition. Ebenso werden die Checkpoints rarer und eure Gesundheitsregeneration wird dadurch beeinflusst. Das bedeutet nicht, dass ihr im leichtesten Modus auf Heilkräuter verzichten müsst. Dennoch verbessert sich euer Zustand dann minimal selbständig.

 

 

Grafik, die euch das Blut gefrieren lässt!

 

Schon die gezeigten Demos von „Resident Evil 7 biohazard“ machten deutlich, dass Capcom zurück auf den Genrethron will. Und auch das fertige Spiel kann zum Großteil grafisch überzeugen und in den richtigen Momenten für offene Münder sorgen. So ist der Detailgrad des Settings unheimlich hoch und man kann an jeder Ecke was anderes entdecken, dass das Heim der Bakers ideal charakterisiert und lebendig macht. Leider gibt es aber vor allem zu Beginn in den Außenarealen einige hässliche und grobe Texturen. Auch das Blut am Ärmel eures Protagonisten nach einem Kampf wirkt sehr grob aufgelöst und nicht zeitgemäß. Beim Stöbern durch das Haus fiel auch hier und da das sehr späte Nachladen einiger Details wie Buchrücken auf. Die Charaktermodelle haben noch einen gewissen „Comic“-Charme, wirken daher nicht ultrarealistisch, sind aber trotzdem absolut schreckenserregend. Dafür sind einige der Animationen aber recht steif und unglaubwürdig.

 

Horror weltweit

 

Online hat „Resident Evil 7 biohazard“ bisher nicht viel zu bieten. So kann man sich zwar über das RE Net anmelden und dort seine Erfolge auf persen Ranglisten vergleichen, andere Features bietet das Netzwerk jedoch nicht. In den FAQ ist von RE Points die Rede, die man dort dann einlösen kann. Durch diese soll künftig wohl das ein oder andere Ingame-Feature aktiviert werden können wie Zusatzwaffen oder spezielle Fähigkeiten.

 

 

FAZIT: Ich hatte Angst - Der Horror in „Resident Evil“ ist zurück! 

 

Das lange Hoffen und Bangen der Fans ist vorbei, nun ist es klar: „Resident Evil 7 biohazard“ bringt die Serie zurück auf den Thron des Survival-Horrors. Und das mit einem richtigen Paukenschlag! Selten war der Horror und Schrecken in einem Videospiel so extrem wie in Capcoms neuestem Serien-Ableger. Dazu trägt nicht nur die oft fotorealistische Grafik bei, sondern auch das hervorragende Sounddesign. Mal knarzt es in der rechten Ecke, dann wieder ein komisches Geräusch hinter einem. Dazu die unaufdringliche, düster-schöne Musik und fertig ist das rundum runde audiovisuelle Gesamtpaket. Der Umschwung auf die Egoperspektive wirkt absolut nachvollziehbar, da einige Gameplay-Elemente in der Third Person-Ansicht wohl nicht annähernd so gruselig gewesen wären. Hoffentlich werden das deren Kritiker auch so sehen.

 

Die Kritikpunkte sind nicht gerade vielzählig, dennoch muss man hier über den ein oder anderen Mangel in der Grafik und dem Kampfsystem sprechen. Letzteres wirkt hin und wieder etwas unbeholfen und es fehlt ihm an einer ordentlichen Trefferrückmeldung und Tiefgang. Besonders beim Einsatz des Messers, wenn einem mal wieder die Munition ausgegangen ist, wäre ein klareres Feedback schön. Über allem steht aber letztlich die dichte Atmosphäre, die dem Geist der „Resident Evil“-Serie absolut gerecht und auch langjährige Fans zufriedenstellen wird. Falls Capcom diesen hohen Standard wieder aufrecht erhalten kann werden die nächsten Jahre für Genrefans ein Fest.

 

 

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