Gravity Rush 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 10.01.2017 um 17:07

 

Einst ein PS Vita-Flop, nun auf PS4 Top

 

Die PS Vita kam damals mit ziemlich großen Versprechen auf den Markt und war dank interessanter Features wie den Touchfähigkeiten auf Front- und Rückseite und der herausragenden Technik auf PS3-Niveau ein potentieller 3DS-Killer. Doch wir alle wissen, wie Sonys PSP-Nachfolger letztlich besonders auf dem westlichen Markt scheiterte und somit auch einige Exklusivtitel daher einfach untergingen. Dazu gehört vor allem „Gravity Rush“, das dank spaßiger Spielereien mit der Schwerkraft und einer sympathischen Heldin sicherlich zu einem der besten PS Vita-Spiele gehört. Daher wurde es letztes Jahr auch für die PS4 umgesetzt und vor allem technisch und grafisch etwas verbessert. Auch die Präsentation auf dem großen Screen tat dem Spiel gut. Nachdem Kat also in Teil 1 den Titel der Gravi-Königin erlangte und die Stadt Hekseville vor den bösen Nevi rettete, muss sie sich in Teil 2 nun neuen Gefahren stellen. Und dabei hilft ihr nicht nur Space-Katze Dusty, sondern auch ihre einstige Rivalin Raven und der tollpatschige Syd.

 

Alles neu macht Teil 2

 

„Gravity Rush 2“ wirft euch etwas plötzlich in ein neues Setting, welches sich zunächst nicht stärker von Teil 1 unterscheiden könnte. Abhilfe zum besseren Verständnis schafft hier der 20-minütige Anime auf Youtube, der die Lücke zwischen beiden Spielen schließt. So waren Kat und Raven eigentlich auf dem Weg zu einer neuen Bedrohung in Hekseville, wobei Kat und ihr Begleiter Syd durch einen plötzlichen Gravitationssturm fortgerissen werden. Ohne ihre Katze und daher auch ohne Kräfte finden sie sich in der fliegenden Siedlung Banga wieder und müssen dort fortan beim Abbau des wichtigen Erzes helfen. Nach einigem Ärger mit dem Erzhändler Vogo und der Rückkehr ihrer Gravitationskräfte, erreichen sie die Stadt Jirga Para Lhao, in der sich Kat plötzlich inmitten des Kampfes der Rebellen und der Streitmächte der Stadt wiederfindet. Doch neben der Unterstützung der armen Bevölkerungsschicht sucht sie weiterhin auch nach einer Möglichkeit wieder nach Hekseville zurückzukehren.

 

 

Wo war eigentlich oben?

 

Das Gameplay von „Gravity Rush 2“ basiert vor allem auf der Manipulation der Schwerkraft. So könnt ihr durch einen Druck auf die R1-Taste Gebrauch von euren Kräften machen und vom Boden abheben. Dies ist besonders zu Beginn für Neueinsteiger etwas verwirrend, jedoch kann man jederzeit die Kamera per Tastendruck wieder in die Ausgangsposition ausrichten und außerdem zeigen euch Haare und Kleidung von Kat immer an, wie ihr euch gerade im Raum bewegt. Während ihr diese Kräfte nutzt, verbraucht ihr allerdings eure Gravitationsenergie. Diese lädt sich jedoch wieder selbst auf bzw. kann durch blaue Edelsteine wieder aufgefüllt werden. Mit euren Kräften könnt ihr aber noch allerhand andere Dinge anstellen. So könnt ihr ein Stasis-Feld erzeugen, so dass ihr Gegenstände als Wurfobjekte nutzen oder diese einfach von A nach B transportieren könnt. Im weiteren Verlauf erlernt Kat mehrere Spezialattacken und kann ihre normalen Attacken dank sammelbarer Energiesteine aufleveln. Durch erledigte Missionen erlangt ihr außerdem Talismane, die ihr anlegen könnt und die eure Fähigkeiten erweitern. So steigt dadurch zum Beispiel eure Energie oder ihr verstärkt eure Kombos. In den Kämpfen mit den Soldaten oder den Nevi habt ihr so also meistens die Möglichkeit, zwischen Nah- oder Fernkampf zu wählen.

 

Vielfalt ist Trumpf

 

Schon Teil 1 konnte mit seiner Missionsvielfalt glänzen und auch in „Gravity Rush 2“ bestehen eure Aufträge nicht nur aus Kämpfen. Dank zahlreicher Haupt- und Nebenmissionen seid ihr mal als Gärtner unterwegs und gießt die Bäume von reichen Snobs oder ihr tragt Zeitungen aus. Ein andermal seid ihr auf der Jagd nach einer seltenen Puppe oder verteidigt die Slums gegen die Armee. Für Abwechslung ist also gesorgt und besonders die ersten Missionen sind perfekt, um die Kräfte der Gravitationsshifterin Kat zu erlernen. Die Stadt Jirga Para Lhao ist dabei in mehrere Gebiete unterteilt. Neben belebten Märkten findet man sich so auch in den schon erwähnten Slums wieder oder bei den noblen Schlössern der Oberschicht. Dabei ist allerlei geboten und die Innenstadt wirkt sehr lebendig und geschäftig.

 

 

Kats neue Kleider

 

Aufgrund der PS Vita-Herkunft von Teil 1 hielten sich die grafischen Verbesserungen des Remasters noch in Grenzen. Bei „Gravity Rush 2“ merkt man aber deutlich, dass das Spiel für die PS4 konzipiert wurde. So bleibt der Artstyle zwar gleich, jedoch sind die Details deutlich erhöht worden und generell wirkt alles sehr viel feiner und bunter als bei Teil 1. Im Großen und Ganzen wirkt das Spiel oft wie ein Studio Ghibli-Film. Sei es die Gestaltung der Gegner oder Hauptfiguren sowie der Charme der Welt, durch die ihr euch bewegt. Auch die Weitsicht ist fantastisch. Zwar werden einige kleinere Details wie die zu sammelnden Energiesteine häufig recht spät eingeblendet, jedoch erschließt sich euch die Größe der Spielwelt relativ gut. Was nicht so ganz zu aktuellen Spieletrends aber zu „Gravity Rush 2“ passt, sind die kaum animierten Zwischensequenzen. Diese werden in einem Comicpanel-Look präsentiert und sind auch nur selten vertont. Da die Figuren aber alle in einer Fantasiesprache reden, die phonetisch an eine Mischung aus Japanisch und Thailändisch erinnert, ist dies nicht weiter schlimm. Prunkstück des Vorgängers war definitiv die Musik, die immer perfekt zum Geschehen passte. Auch im zweiten Teil hat jedes Stadtviertel seine eigene Musik, die von episch bis leicht dudelig und daher nervig alles bietet. Generell ist der Soundtrack aber wieder sehr gelungen und trägt perfekt zur Atmosphäre bei.

 

Spaß mit anderen Gravitationskünstlern

 

Auch für Freunde des kompetitiven Onlinespielens hält „Gravity Rush 2“ ein paar Dinge bereit. So könnt ihr euch in Herausforderungsmissionen mit anderen Spielern messen und müsst zum Beispiel Gegner besiegen und dabei eine bestimmte Anzahl von Punkte erreichen. Auch der eingebaute Fotomodus hat eine Onlinekomponente. So können andere User eure Fotos bewerten und ihr könnt im Rahmen der sogenannten Schatzjagden Hinweise geben in dem ihr bestimmte Fixpunkte fotografiert und anderen zur Verfügung stellt. Als Belohnung bekommt ihr dabei nicht nur Items wie Talismane oder Energiesteine, sondern hauptsächlich Dusty-Marken mit denen ihr euch spezielle Belohnungen leisten könnt. Während der Testphase waren schon viele andere Spieler unterwegs und es kam nie zu irgendwelchen Verbindungsabbrüchen oder andere Schwierigkeiten mit dem Online-Part.

 

 

FAZIT: „Gravity Rush 2“ lässt das Jahr 2017 stark beginnen

 

Nachdem schon Teil 1 mit einem großartigen Gameplay und außergewöhnlicher Spielmechanik begeistern konnte, setzt „Gravity Rush 2“ in allen Punkten noch einmal einen oben drauf. So begeistert nicht nur die lebendige und detaillierte Spielwelt sondern auch die Missionen mit ihrer großen Vielfalt. Außerdem bringt euch das Spiel in den ersten Missionen die verschiedenen Fähigkeiten Kats perfekt bei, so dass nie eine Aktion unklar bleibt. Lediglich die oft aufkommende Hektik bei Kämpfen und die Kameraprobleme in engen Gassen machen euch das Leben ab und an schwer. Hier muss man die Ansicht oft nachkorrigieren. Auch beim Einsatz der ein oder anderen Spezialattacke verfliegt sich Kat häufiger und hängt dann an irgendeinem Haus fest. Außerdem sollte man wissen, dass eure Hauptfigur kein zweiter Ezio oder Nathan Drake ist. So sind ihre Sprung- und Kletterfähigkeiten sehr eingeschränkt. Hierbei merkt man einfach, dass der Schwerpunkt der Fortbewegung auf dem Fliegen liegt.

Besonders die Standardgegner sind auch nicht besonders klug und dienen mehr als Kanonenfutter. Allerdings ist der ein oder andere Endboss eine harte Nuss und erfordert ein gutes Maß an Taktik. Trotz dieser kleinen Fehler ist „Gravity Rush 2“ ein unglaublich gutes Spiel. So überzeugen neben den oben genannten Gameplay-Punkten auch die absolut sympathische Hauptfigur und die Geschichte, die durchaus sozialkritische Themen wie die große Schere zwischen Arm und Reich anspricht. Es ist zu hoffen, dass der fantasievolle Titel die Aufmerksamkeit bekommt, die schon der Vorgänger verdient hätte. „Gravity Rush 2“ ist definitiv einer der Gründe, warum man Videospiele spielt – die Flucht in eine andere Welt gepaart mit einer tollen Spielmechanik.

 

 

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