Blackwood Crossing

Verfasst von Sadwick am 28.11.2016 um 11:45

 

Der Horror namens Leben

 

Die größten Horrorgeschichten schreibt das wahre Leben, das Erwachsenwerden gehört bekanntlich dazu. Das Coming-of-age-Adventure „Blackwood Crossing“ spielt mit den Ängsten (noch dazu verwaister) Heranwachsender, mit Liebe und Verlust, das das Leben ja letztlich ausmachen. PaperSeven steht damit vor einem erzählerisch großen Wurf, der zu Tränen rührt.

 

Fahrt in die Finsternis

 

Es beginnt im Zug. Er rauscht durch eine verwaschene Landschaft, Menschen mit seltsamen Masken darin, und Finn ist auf der Flucht. Aufgebracht läuft er seiner Schwester Scarlett davon, ihr Flehen und Drohen (in der Ego-Perspektive) bleiben unerhört. Grafisch ist das nun nicht atemberaubend, wenn aber die Landschaft draußen immer düsterer wird und die Schatten in den Abteilen immer finsterer, dann schwärzt sich auch die Seele des atmosphärisch dichten Spiels. Rasch wird klar: Im Leben dieser Kinder ist gar nichts unbeschwert.

 

 

Wo sind die Rätsel?

 

Benutzbare Gegenstände leuchten dabei als Hotspots auf, das Programm schlägt dann die wenigen Handlungen vor, also etwa „untersuchen“ oder meist einfach nur „interagieren“. Die Rätsel sind auf überschaubarem Niveau, man kennt das von anderen erwachsenen Erzähl-Adventures wie „Dear Esther“ oder „Firewatch“ - die Stimmung ist in diesen Spielen halt der Star. 

Ach ja, die Stimmung. Sie ist eine ganz andere, wenn unsere tapferen Kids den Zug nach Nirgendwo endlich verlassen können. Durch ein magisches Baumhaus in ein magisches Land. „Finnland“ aus der Fantasie des Jungen, wo ein Junge schon immer der sein kann, der er eigentlich sein will. Aber es ist eben auch eine sehr zerbrechliche Welt, und rasch sind die Schatten zurück, die auf dieses Geschwisterpaar lasten.

 

Großes Kino voraus

 

Scarlett steckt mitten in der Pubertät, was allein schon schwierig genug ist. Ihr Bruder Finn ist deutlich jünger, was ihr zusätzliche Verantwortung aufbürdet. Die Spieler entscheiden, wie sie damit umgeht – soll sie zornig, sanft oder doch eher bestimmt mit Finn sprechen? Man darf dann eher interagieren als Kopfnüsse knacken, lässt sich dabei aber gern von dem Fantasy-Jugenddrama verzaubern. Könnte großes Kino werden.

Hinter PaperSeven stecken frühere Entwickler von Disneys „Black Rock Studio“ sowie Oliver Reid-Smith, der Autor von „The Room“. Die Veröffentlichung von „Blackwood Crossing“ ist für Anfang 2017 auf PC, Xbox One und PlayStation 4 geplant.

FAZIT: Kinder als Protagonisten sollten nicht darüber hinwegtäuschen: "Blackwood Crossing" ist keine leichte Kost - und könnte sich genau deswegen lohnen.