Nintendo Classic Mini

Verfasst von Playzocker am 15.11.2016 um 01:04

 

They’re gonna take us back to the past…

 

Im Gegensatz zum Angry Video Game Nerd hat sich Nintendo allerdings dem Gedanken verschrieben, die Spiele wieder aufleben zu lassen, die das auch tatsächlich verdient haben. Das Nintendo Entertainment System – kurz NES – ist Kult. Für viele war es die erste Konsole, die sie mit ihrem Fernseher verbunden haben und die unzählige Stunden Spielspaß gebracht hat. Ein Teil ihrer Kindheit. Ein Teil von ihnen. Nintendo hat den Begriff Retro bereits in den vergangenen Jahren perfekt verstanden und zahlreiche NES-Klassiker für die aktuellen Konsolen oder Handhelds neu aufgelegt bzw. klassische Gameplay-Elemente in moderne Spiele einfließen lassen. Sogar jemand, der weit nach der NES-Zeit aufgewachsen ist wird daher mit bestimmten Elementen der Spiele vertraut sein. Eines gab es bislang allerdings noch nicht – ein eigenes System, das ausschließlich für Klassiker geschaffen wurde. Und nicht nur das – ein System, das nicht nur die Spiele sondern auch den Look des Originals übernommen hat. Wir haben den NES Classic Mini ausführlich getestet und verraten euch in diesem Bericht, ob dieses Stück Nostalgie einen Platz in eurem Wohnzimmer verdient hat oder nicht.

 

Playing hard to get

 

Zum Zeitpunkt dieses Testberichts ist der NES Classic Mini restlos ausverkauft. Ob bzw. wann das Gerät wieder verfügbar sein wird hat Nintendo noch nicht offiziell bekannt gegeben, wir rechnen aber in den nächsten Monaten mit einer Neuauflage. Das Gerät ist wesentlich kleiner ausgefallen als das Original aus dem Jahr 1985, bietet aber (nahezu) exakt das selbe Design. Lediglich Kleinigkeiten mussten an die aktuellen Kabel und die veränderte Größe angepasst werden, zudem lässt sich der ursprüngliche Einschub für die Module nicht öffnen. Das ist allerdings auch nicht notwendig, immerhin sind 30 Spiele auf dem Gerät bereits vorinstalliert. Das ist sowohl einer der größten Vor- als auch einer der größten Nachteile des Geräts. Wie in der Spieleliste am Ende des Berichts ersichtlich hat Nintendo tatsächlich 30 der wichtigsten und besten Kultspiele des NES auf die Konsole gepackt. Allerdings ist das System nicht erweiterbar, es ist also nicht möglich per eigenem Webshop das Spieleangebot noch zu erweitern. Bei einer Masse von 785 (lizenzierten) Spielen für die Original-Konsole wäre das eine Funktion, die sich viele Fans sicherlich gewünscht hätten.

 

 

Kabelsalat

 

Nicht nur das Gerät sondern auch der Controller wurde dem Original perfekt nachempfunden. Dabei sieht der NES Classic Mini Controller nicht nur aus wie sein Vorbild, er fühlt sich auch so an. Das Retro-Feeling reicht von der Größe des Controllers und dem verarbeiteten Material bis hin zum Widerstand der Tasten sowie dem kultigen Klicken der A- und B-Tasten. Besser hätte man den Controller nicht umsetzen können. Fast. Eine große fragwürdige Design-Entscheidung verbirgt sich nämlich im, bzw. besser gesagt am Controller. Wie es sich für einen Retro-Controller gehört ist dieser nämlich nicht kabellos sondern mit einem dicken Kabel mit der Konsole verbunden. Das Kabel könnte dabei flexibler sein und ist mit einer Länge von nur ca 50cm sehr kurz ausgefallen und damit auch wesentlich kürzer als das Kabel des Original NES Controllers. Die Konsole neben den Fernseher zu stellen und gemütlich zu spielen ist daher nicht möglich. Die einzige Option ist, entweder ein sehr langes HDMI Kabel zu verwenden um das Gerät direkt neben dem Spieler platzieren zu können oder ein von einem Drittanbieter veröffentlichtes Verlängerungskabel zu verwenden. Apropos Drittanbieter – kabellose Controller wurden ebenfalls veröffentlicht, diese sind aber nicht im Original-Design und nehmen damit viel vom Retro-Feeling weg.

 

Plug and Play

 

Wenngleich die Konsole als Plug and Play Gerät konzipiert wurde gestaltet sich dies bedingt durch die mitgelieferten Kabel etwas schwieriger als gedacht. Ein HDMI-Kabel ist im Lieferumfang enthalten, für die oben genannte „Verlängerungstechnik“ wird dieses in den meisten Wohnzimmern mit ca. 1,5 Metern aber nicht lang genug sein. Ein absolutes Mysterium ist allerdings das Netzteil. Ein handelsübliches USB to mini USB Kabel ist dabei, ein Netzteil allerdings nicht. Hier kann man sich zwar mit dem Netzteil eines Smartphones leicht aushelfen, aber dennoch ist absolut unverständlich, dass Nintendo wieder einmal auf dieses elementare Teil verzichtet hat. Im Lieferumfang ist ein Controller enthalten, ein weiterer kann allerdings separat dazu gekauft werden. Zudem sind alle Controller mit dem NES Classic Mini kompatibel, die auch an die Wii Mote angesteckt werden können. Darunter befindet sich auch die Neuinterpretation des klassischen Gamecube-Controllers, die eine interessante Funktion mitbringt: Drückt man während dem Spielen auf die Home-Taste gelangt man direkt ins Menü der Konsole zurück. Das ist etwas, das mit dem NES Classic Mini Controller nicht möglich ist. Um mit diesem das Spiel zu wechseln ist ein Neustart des Systems mittels Reset-Knopf auf dem Gerät notwendig.

 

 

I want to play a game

 

Für viele war die Ankündigung des NES Classic Mini eines der großen Gaming-Highlights des Jahres 2016. Zurecht, immerhin vereint die Konsole einige der besten Spiele aller Zeiten, die zwar grafisch logischerweise mit aktuellen Titeln (oder gar ihren eigenen Neuinterpretationen) nicht mithalten können, bieten dafür aber trotzdem in vielen Fällen wesentlich mehr Spielspaß. Bei diesem Aspekt des Geräts hat Nintendo voll ins Schwarze getroffen. Emulierte NES Spiele wurden in den vergangenen Jahren für einige Nintendo Systeme veröffentlicht, so gut wie beim NES Classic Mini hat der Emulator allerdings noch nie funktioniert. Wir hatten beim Test das Gefühl, dass die Spiele wesentlich flüssiger wiedergegeben werden als beispielsweise auf der Wii U. Zudem bietet das System für alle Spiele drei verschiedene Bild-Modi an. Neben dem Original-Bildformat der Spiele gibt es auch eine an das 4:3 (1,33:1) Format angepasste Version sowie einen CRT Modus, der den Look der Spiele an klassische Röhrengeräte anpasst. Die dadurch im Bild auftretenden Streifen und Veränderungen sind allerdings hervorragend durchdacht und strengen die Augen nicht unnötig an. Stattdessen sorgen sie dafür, dass das Retro-Feeling beim Spielen noch besser wird.

 

All your save are belong to us

 

Nur wenige NES Module waren mit einer Batterie ausgestattet und konnten tatsächlich Spielstände speichern. Für die Neuauflage im NES Classic Mini wurden alle Spiele mit einem neuen, hervorragend konzipierten Speichersystem ausgestattet. Für jedes Spiel werden vier Speicherslots angeboten, ihr könnt an jeder beliebigen Stelle speichern. Das reduziert einerseits den Frustfaktor einiger besonders schwieriger Klassiker und erleichtert auch die Planung bzw. Durchführung von Speedruns. Während Original NES Cartridges oftmals nur einen Spielstand erlaubten und das Starten eines neuen Spiels zwangsläufig den Verlust der bisherigen Speicherdaten bedeutete fällt dieses Problem durch die vier verfügbaren Slots beim NES Classic Mini ebenfalls weg. Zudem könnt ihr einzelne Spielstände sperren, sodass diese nicht versehentlich gelöscht oder überschrieben werden.

 

 

Fazit: Großartiges Design, hervorragende Spiele aber fragwürdige Design-Entscheidungen

 

Über die 30 Spiele des NES Classic Mini brauchen wir vermutlich kein Wort zu verlieren. Viele von euch werden unzählige Stunden Spaß und Herausforderung mit diesen Spielen verbracht haben und selbst in Zeiten von Grafikgranaten a la „Uncharted 4 – A Thief’s End“ immer wieder gerne an die guten alten Zeiten zurückdenken. Mit dem NES Classic bringt Nintendo diese Zeiten zurück in euer Wohnzimmer und bietet hervorragend emulierte Versionen der Klassiker an. Diese spielen sich noch flüssiger als beispielsweise auf der Wii U und können zudem mittels verschiedener Bildschirm-Einstellungen auf absoluten Retro-Look getrimmt werden. Das neue Speichersystem unterstützt die Spiele einwandfrei, der Controller sieht wie sein Vorbild aus und fühlt sich auch so an. Auch der Look der Konsole wurde dem Original nachempfunden. Dennoch gibt es einige fragwürdige Design-Entscheidungen, die den Gesamteindruck des NES Classic Mini stark trüben. Warum ist kein Netz-Adapter dabei, sondern nur ein loses USB to mini USB Kabel? Wieso misst das Kabel der Controller gerade mal ca 50cm? Warum gibt es keine Möglichkeit, die Spieledatenbank zu erweitern? Durch diese Kritikpunkte ist das Gerät zwar nicht perfekt, ist aber trotzdem ein wunderbares Stück Nostalgie für jeden Fan klassischer Videospiele.