Sega Saturn - Vom Hoffnungsträger zum chancenlosen Herausforderer der PSone

Verfasst von Christian Suessmeier am 08.10.2016 um 15:10

Dies war die ursprüngliche Version des Saturn im Westen. Samt Controller mit vielen Ecken und Kanten.

 

Im Jahr 1994 fand das Duell zwischen Nintendo und Sega vorerst sein Ende und wurde zu einem modernen Dreikampf, denn mit Sony versuchte ein weiteres japanisches Unternehmen ein großer Player im Videospielesektor zu werden. Mit Ankündigung der PlayStation sorgte die Firma prompt für Aufsehen, denn der Fokus auf 3D-Spiele überraschte den Großteil der Branche. So waren zwar schon zu Zeiten des Mega Drive und SNES 3D-Spiele erschienen, jedoch bevorzugten viele Spieler klassische 2D-Titel.

 

Aufgrund dieser Tatsache, setzte man sich bei Sega an die Entwicklung eines wahren 2D-Monsters, das die Vorherrschaft von Nintendo beenden sollte. Doch brachte der Release der PSone Sega so unter Zugzwang, dass man einige falsche Entscheidungen traf.

 

Die zweite Generation des Controllers war wesentlich handlicher und schöner zum Spielen.

 

Der Sega Saturn erschien aufgrund des Konkurrenzdrucks letztlich früher als geplant. Bereits im November 1994 war die 32 Bit-Konsole in Japan erhältlich und wurde einige Monate später auch im Westen veröffentlicht. Die beiden Versionen unterschieden sich vor allem optisch voneinander, der japanische Saturn wirkte etwas verspielter, während US- und Europa-Gerät erwachsener wirkten und nicht im AV-Regal auffielen.

 

Nach dem Flop mit den Aufsätzen für das Mega Drive in Form von Mega CD und 32X stand Sega unter Zugzwang, obwohl man auf einigen Märkten relativ gut da stand. Besonders Nordamerika war schon immer das Vorzeige-Territorium, was Sega-Konsolen angeht, jedoch nicht für den Saturn.

 

Mit diesem Bild begrüßten westliche Konsolen ihren Besitzer. Das Logo in Japan bestand lediglich aus einem Schriftzug.

 

Denn der Start im Westen war mehr als holprig, in Deutschland kam der Saturn z.B. mit einem Preis von 699 DM auf den Markt und einer sehr geringen Auswahl an Starttiteln. Spiele wie „Virtua Fighter“ konnten zwar einige Interessierte zum Kauf des Systems bewegen, aber die große Masse konnte man auch aufgrund der schlechten Werbung für Segas neue Hardware nicht zum Kauf zu bewegen. Verheerend wenn man bedenkt, was Sony in die Werbung für die PSone steckte.

 

Die 32 Bit-Konsole von Sega musste sich technisch aber kein bißchen vor der PlayStation verstecken, jedoch machten es die zwei CPU-Kerne den meisten Programmieren mehr als schwer, alles aus der Konsole herauszuholen. Dies konnte man vor allem an den gröberen Texturen und fehlenden Transparenzeffekten sehen. Besonders letztere fielen im Vergleich zur PSone extrem negativ durch ihre Präsenz auf. So ist es nicht verwunderlich, dass einige Entwickler die Konsole eher mieden oder die Portierungen auf dem Saturn technisch fast immer unterlegen waren.

 

Virtua Fighter 2 war mit knapp 3 Mio. verkauften Einheiten das meistverkaufte Spiel des Saturn.

 

Ausnahmen bestätigen aber die Regel und so konnten aber besonders die Sega-internen Teams wie AM2 oder AM3 viel aus dem Saturn herausholen und fast perfekte Arcade-Portierungen ins Wohnzimmer bringen. Doch nicht nur „Sega Rally“ oder „Virtua Cop “ konnte man dank der Power des Saturn zuhause spielen, auch Umsetzungen von SNKs Spielhallen-Hits wie „The King Of Fighters“ oder „Metal Slug“ waren nun endlich auch ohne Münzeinwurf zu genießen.

 

Bei letzteren Titeln trickste Sega allerdings. Denn wollte man die pixelgenauen Portierungen spielen, brauchte man eines der RAM-Module, die in verschiedenen Größen erhältlich waren und für mehr Arbeitsspeicher sorgten. Bei „The King Of Fighters“ kam z.B. die Berechnung der Hintergrundgrafik vom Modul, Sound und Sprites allerdings von der CD-ROM. Bei der Verwendung solcher Module ist allerdings zur Vorsicht geraten: nutzt man ein Modul mit zu wenig RAM für das entsprechende Spiel, können einige Animationen durch Pixelfehler unkenntlich sein.

 

Mit solchen Werbeanzeigen versuchte man Aufmerksamkeit zu erzeugen, hatte im Grunde aber keine Chance gegen Sonys aggressives Marketing.

 

Man sieht also schon, der Sega Saturn war vor allem für Fans von Arcade-Spielen interessant und in diesem Bereich der PlayStation weit überlegen. Leider konnte man damit aber in den Neunzigern nicht mehr die allgemeine Masse erreichen und war so eher eine Nischenkonsole für Kenner der Szene. Weiterhin war auch die Unterstützung der japanischen Entwickler größer als die aus dem Westen und so gibt es besonders für Fans von Nippon-Games zig interessante Titel.

Manche dieser Perlen fanden auch den Weg in den Westen, wobei man hier besonders Working Designs hervorheben muss, die das ein oder andere Spiel für den (US-)Markt übersetzten und oft mit tollen Extras ausstatteten. Deren Titel sind heute bei Sammlern auch mit am gefragtesten, z.B. die Manga-Umsetzung „Magic Knight Rayearth“.

 

Mit Segata Sanshiro bewarb man den Saturn in Japan mit großem Erfolg.

 

Mit über 600 Titeln findet man in der Spielebibliothek des Sega Saturn viele Genres, die so ziemlich jedes Interesse abdecken. Nicht nur die schon erwähnten Arcade-Portierungen sind einen Blick wert, sondern auch Exklusivtitel wie die „Panzer Dragoon“-Reihe, „Dragon Force“, die „Worldwide Soccer“-Spiele oder „Nights: Into Dreams...“ sollten auf der Liste eines jeden Sammlers stehen. Einer der früheren Helden wurde jedoch sträflich vernachlässigt: Sonic. Leider erschien nie ein „richtiges“ Spiel mit dem Jump’n’Run-Helden für die Konsole. Obwohl es unzählige Pläne dafür gab.

 

Wie damals üblich gab es für die Konsole ein ziemlich breites Angebot an Zubehör und Accessoires. Neben Arcadesticks, Lightguns, Speicherkarten(der Saturn verfügte aber auch über einen internen Speicher in Form einer Knopfbatterie) und Lenkrädern, gab es später auch Maus und Keyboard, das für den Gebrauch der Internetfunktion(dank Extramodem) empfohlen war. Für Freunde von Importspielen gab es den Importadapter, der in den Modulschacht eingesteckt wurde und dem System vorgaukelte, ein NTSC- bzw. PAL-Gerät zu sein.

 

Der Analog-Controller sieht dem Pad des Dreamcast nicht unähnlich und kam im Bundle mit "Nights: Into Dreams..." auf den Markt.

 

Aber auch an die multimediainteressierten Zocker wurde gedacht. So gab es unter anderem eine Video CD-Karte(sowohl für das Medium Video CD als auch für verbesserte Zwischensequenzen bei Spielen) und eine Photo CD-Anwendung. Japan-exklusiv blieben dagegen die Karaoke-Einheit oder die Digitalkamera samt Drucker. Mit dem 3D-Spiel „Nights: Into Dreams...“ erschien damals auch ein Analog-Controller, der in Ansätzen schon das Design des Dreamcast-Pads vorweg nahm und im Gegensatz zum eckigen Standard-Controller ein wahrer Handschmeichler war.

 

Den Sega Saturn gab es weltweit in unterschiedlichen Varianten, die sich aber hauptsächlich nur in der optischen Variation voneinander unterschieden haben. So war vor allem in Asien ein weißes Gerät verbreitet, aber auch einen durchsichtigen und grauen Saturn gab es im Handel. Oft waren diese von Firmen wie Hitachi oder JVC unterlizensiert.

 

 

"Magic Knight Rayearth" ist nicht nur ein vorzügliches JRPG, sondern auch ein gefragtes Spiel unter Sammlern.

 

Im März 1998 folgte schließlich das offizielle Ende. Sega konnte dank einiger internen Querelen und dem vorbildlichen Erfolg der PSone mit dem Saturn nicht den Hit einfahren, mit dem man zu Beginn plante und zog so nach knapp vier Jahren Marktpräsenz die Reißleine. Daran konnte weder einige große Exklusivtitel noch zeitexklusive Spiele wie der erste „Tomb Raider“-Titel nichts ändern. Auch das starke Auftreten in Japan konnte über die geringen Verkaufszahlen im Westen nicht hinwegtäuschen und so war nach kanpp 11,5 Mio verkauften Exemplaren Schluß mit Segas 32 Bit-Ära. Mit der vierfachen Power sollte der Dreamcast alles besser machen...SOLLTE. 





Du glaubst, dass dieser Artikel deine Freunde interessiert? Dann teile ihn doch auf Facebook, Twitter und Google+ und unterstütze uns!

Teile auf: