Pokémon Tekken [Wii U]

Verfasst von Playzocker am 19.03.2016 um 11:41

 

Ein Stück meiner Kindheit lebt auf…

 

…und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich erinnere mich immer wieder gerne an die Zeit zurück, in der ich die ersten Pokémon-Spiele auf meinem Gameboy gespielt habe. Gebiete durchforsten, Pokémon fangen, trainieren und schlussendlich die mächtigsten Trainer des Landes dem Erdboden gleich machen – das hat nicht nur eine Menge Spaß gemacht sondern auch meine immer noch andauernde Liebe für RPGs mitgeprägt. Natürlich landete der Gameboy auch immer öfter in der Schultasche um am Nachmittag Mitschüler zu Poké-Duellen herauszufordern oder Pokémon zu tauschen. Fragt man einen Retro-Gamer, warum er auch im Zeitalter der PlayStation 4 immer noch regelmäßig den Atari 2600 oder NES abstaubt erwidert dieser mit großer Wahrscheinlichkeit, dass die alte schemenhafte Grafik nicht nur einen besonderen Flair hatte, sondern auch die eigene Vorstellungskraft angeregt hat. So musste man sich vieles selbst im Detail vorstellen, das auf dem Bildschirm nur ansatzweise zu erkennen war. So ging es mir auch mit den epischen Angriffen der Pokémon, von denen mein Gameboy womöglich nur ein paar Striche und vielleicht einen Wackler dargestellt hat. Mehr war nicht zu sehen – und vor allem auch nicht zu spielen. Als Poké-Trainer hielt man sich im Hintergrund, gab Kommandos und sah dann dem eigenen Pokémon bei deren Ausführung zu. Bei „Pokémon Tekken“ wird nun alles anders – hier steuern wir die Taschenmonster direkt. Ob dieses ungewohnte, von vielen trotzdem seit Jahren herbeigesehnte Konzept aufgeht, verraten wir euch in unserem Test.

 

Is it too late now to say sorry?

 

„Pokémon Tekken“ bietet genau das, was der Titel verspricht: Eine Mischung aus Pokémon und Tekken. Dabei hat man sich allerdings wesentlich mehr Mühe gegeben als einfach nur die Kämpfer in einem bereits fertigen Beat’em’up Konzept auszutauschen. Sowohl die Pokémon-Fans als auch Tekken-Fans könnten bei diesem Spiel aus unterschiedlichen Gründen auf ihre Kosten kommen. Dennoch ist „Pokémon Tekken“ leider alles andere als perfekt. Der größte Kritikpunkt des Spiels ist wohl die sehr magere Auswahl an Pokémon. Auch den mittlerweile weit über 700 Taschenmonster wurden nämlich lediglich 16 ausgewählt und in das Spiel integriert. Mit dabei sind natürlich viele Fan Favorites und auch viele Pokémon der ersten Stunde, dennoch wäre bei einer derart umfangreichen Ausgangsposition ein zumindest ansatzweise repräsentatives Ergebnis wünschenswert gewesen. Die technische Präsentation des Spiels ist eher zweckmäßig. So sind die Texturen der Hintergründe aber auch leider die der Kämpfer eher dürftig ausgefallen und wirken eher matschig und detailarm. Die Wii U hätte in puncto Grafik definitiv mehr leisten können. Dafür spielt sich das Spiel im Single Player Modus angenehm flüssig, im lokalen Mehrspielermodus wird die Bildwiederholungsrate aber auf 30fps gedrosselt. Dafür ist es in unserem Test zumindest zu keinen störenden Rucklern gekommen.

 

 

Pika Pika!

 

Die Kämpfe funktionieren, wie man es sich von „Pokémon Tekken“ erwarten würde. Die 16 zur Verfügung stehenden Kämpfer haben einige ihrer Signature Moves in petto, die im Vergleich mit anderen Beat’em’ups auch mit verhältnismäßig einfachen Tastenkombinationen ausgeführt werden können. Im Sortiment des Spiels befinden sich sowohl Nah- als auch Fernangriffe. Somit kann man das Spiel nicht nur wie einen klassischen Prügler spielen sondern auch mächtigere Angriffe der Taschenmonster einsetzen. Vor allem, wenn man nach einiger Zeit die Ultra-Leiste gefüllt hat und einen entsprechend mächtigen Ultra-Move ausführen kann. Interessant ist, dass die Kämpfe grundsätzlich in 3D Arenen ausgetragen werden, einzelne Phasen allerdings auch in 2D gespielt werden. Das liest sich jetzt womöglich kompliziert, wurde aber hervorragend umgesetzt und sorgt für einen abwechslungsreichen wie dynamischen Kampfablauf. Optisch sind die Angriffe der Pokémon durchaus ansehbar umgesetzt, wenngleich die Wii U auch in diesem Bereich deutlich mehr leisten könnte. Die Steuerung geht dafür locker von der Hand und eure Kommandos werden sehr gut auf die Kämpfer im Ring übertragen – wenngleich es für einige in den ersten Matches womöglich wirklich eine Umstellung ist, diesmal nicht aus der sicheren Entfernung einfach Moves zu diktieren sondern diese selbst ausführen zu müssen.

 

Strategie: Immer voll auf die zwölf!

 

Wie es sich für ein anständiges Beat’em’up gehört verfügt „Pokémon Tekken“ über eine Solo-Modus, lokalen Multiplayer sowie auch über einen Online-Modus. Zu Beginn sei natürlich der Einzelspieler-Modus empfohlen, der einerseits ein gelungenes Tutorial bietet und andererseits eine Liga enthält, in der ihr euch noch am ehesten wie in einem klassischen Pokémon-Spiel mit anderen Trainern messen und hocharbeiten könnt. Die Kämpfe sind in diesem Modus allerdings recht einfach und vor allem durch die geringe Anzahl verschiedener Pokémon wird dieser recht schnell repetitiv. Dass die „Kampagne“ des Spiels eine Mini-Story inkludiert hat ist ein netter Nebeneffekt für Fans, könnte aber zu wenig sein um wirklich bis zum Ende zu motivieren. Da lohnt es sich eher, einen Freund auf die Couch einzuladen, diesem das Gamepad in die Hand zu drücken und den Kampf um Poké-Leben und Poké-Tod auf diese Art auszutragen. Durch die gute Spielbalance ist „Pokémon Tekken“ auch für Einsteiger sehr gut geeignet, da man eine Menge der Grundfunktionen und einfachen Moves binnen kürzester Zeit beherrschen kann. Um im Online-Multiplayer eine Chance zu haben muss man sich allerdings wesentlich mehr anstrengen. Grundsätzlich versucht das Spiel, einen mit Freunden bzw. Spielern aus der Umgebung zu verbinden, mit der Eingabe eines speziellen Fight-Codes kann man sich allerdings auch unkompliziert mit Spielern aus aller Welt verbinden.

 

 

Fazit: Gelungener Franchise-Mix mit zweckmäßiger Grafik

 

Pokémon ist seit vielen Jahren Kult und hat mich – wie viele andere auch – durch meine Kindheit begleitet. Der Wunsch, nicht nur aus sicherer Entfernung Kommandos in Richtung der Taschenmonster zu rufen sondern die Kämpfe selbst austragen zu können vermutlich auch. Mit „Pokémon Tekken“ geht dieser Wunsch endlich in Erfüllung. Die Steuerung wurde hervorragend umgesetzt, dank der einsteigerfreundlichen Spielmechanik funktioniert das Spiel auch hervorragend als Klopper für zwischendurch. Wer sich allerdings am Online-Modus versucht wird schnell mitbekommen, dass taktisches und kalkuliertes Vorgehen nicht nur möglich sondern sogar notwendig sein kann. Durch die gelungene und dynamische Umsetzung der Kämpfe macht das Spiel sicher einige Stunden Spaß, wenngleich die technische Umsetzung eher dürftig ausgefallen ist. Vor allem die matschigen und detailarmen Texturen werden einigen sauer aufstoßen. Auch die mit 16 Pokémon sehr stark eingeschränkte Kämpferauswahl enttäuscht – immerhin hatten die Entwickler aus über 700 Tierchen auswählen können. Zumindest sind einige Fan Favorites dabei, dennoch hätte ein Beat’em’up bei diesem Punkt noch wesentlich mehr zu bieten haben müssen.

 

 

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