"Vikings" - Season 1, Episode 5 "Der Überfall"

Verfasst von Daniel Fabian am 25.07.2014 um 16:53

 

In Der Überfall (Originaltitel: Raid), der fünften Episode der Historien-Serie Vikings, legt Regisseur Ciarán Donnelly die Machtverhältnisse der damaligen Zeit mit unerschütterlicher Kraft dar. Das Duell zwischen Haraldson und seinem abenteuerfreudigen Widersacher Ragnar spitzt sich immer mehr, längst liegen die Karten auf dem Tisch. Und während sich die beiden in Der Prozess noch auf ihren Kampf von Angesicht zu Angesicht vorbereiten, ist es nun so weit…

 

Stay strong. Be ready.

 

Haraldson segnet die jüngsten Nachkömmlinge seines Volkes, Regisseur Donnelly schwenkt über die nach wie vor eindrucksvolle Landschaft, die wie so oft im Nebel versinkt und Ragnar begibt sich mit Pfeil und Bogen in den Wald, als er Unruhen in seinem Dorf wahrnimmt. Er stürmt zurück, lässt die Angreifer seine Axt spüren und bringt seine Familie, die durch einen unterirdischen Weg fliehen kann, in Sicherheit. Und während seine Frau Lagertha, seine Kinder und Athelstan den Wasserweg wählen und auf einem Boot Unterschlupf suchen, gelingt Ragnar ebenfalls die Flucht, die mit einer wunderschönen Aufnahme und einem atemraubenden Moment ein jähes Ende findet.

 

Hide and seek. 

 

Glück im Unglück – Ragnar wird von seiner Familie geborgen und zu Floki, der einzigen Vertrauensperson außerhalb, gebracht. Dort wird die Verwundung Ragnars, der um sein Leben kämpft ebenso deutlich wie die Tatsache, dass Athelstans Glaube sich von dem der Wikinger gar nicht so unähnlich ist. 

 

 

Sometimes your gods sounds a lot like ours.

 

Die Heimat Ragnars geht im Flammenmeer unter und während dieser, Blut überströmt, in den umliegenden Wäldern um sein Leben kämpft, lässt Haraldson seiner Macht weiterhin freien Lauf. Um Ragnar endlich zur Strecke zu bringen, plant er eine Allianz mit den Schweden einzugehen – deren Anführer, der korpulente, alternde und schmierige Bjarni, soll mit seiner Tochter verheiratet werden. Das Mitspracherecht seiner Frau Siggy kehrt Haraldson unter den Tisch. Er wolle seiner Tochter Sicherheit und Reichtum gewähren, nicht das, was ihre Mutter unter Glück verstehe. 20 Pfund Silber entscheiden über das Leben seiner Tochter Thyri. 

 

I accept my fate. 

 

Während Lagertha die Wunden ihres Mannes eigenhändig ausbrennt, sucht dessen Bruder Rollo das Gespräch mit Haradson. Rollo ist sich sicher, dass Ragnar endgültig tot sei und bietet dem Lord einen Deal an. Erst muss sich dieser aber dessen Vertrauen erarbeiten, solange wird er vorerst noch überwacht. Das wird ihm auch zum Verhängnis, als er Siggy einen Besuch abstattet um einer heimlichen Liebschaft nachzugehen. Siggy warnt ihn, doch jede Hilfe kommt zu spät – Rollo wird von Haraldsons Anhängern fast zu Tode geprügelt und in Gefangenschaft genommen. 

 

 

A time to be born, a time to die.

 

Die Ereignisse werden unnachgiebig vorangetrieben, dabei vergisst Michael Hirst aber auch in der fünften Episode von Vikings nicht die Brücke zur wahren Hintergrundgeschichte zu schlagen. Einmal mehr kommt die offene Sexualität der Wikinger zum Ausdruck, wenn Torstein seinen Freund Ragnar einen Besuch abstattet und mit Floki und dessen Frau Helga hinter den Bettvorhängen verschwindet. Auch erfahren wir in Der Überfall mehr über das Weltbild der Wikinger, beispielsweise über die Entstehung der Erde durch den ersten Menschen Ymir, aus dessen Blut die Ozeane entstanden, dessen Haare zu Bäumen und dessen Knochen zu Bergen wurden. 

 

You live here now, this is your world.

 

Nach der feierlichen Hochzeit von Thyri und dem schwedischen Earl Bjarni setzt Haraldson alles daran, aus Rollo herauszubekommen, wo sich dessen Bruder Ragnar versteckt. Diese Information überbringt Torstein daraufhin Ragnar, der von Siggy ebenfalls gewarnt wird – denn ihr Mann, der Tyrann Haraldson, wird immer unberechenbarer. Um das Leben seines Bruders zu schützen und ein für alle Mal klare Verhältnisse zu schaffen, entsendet Ragnar nach reichlicher Überlegung Floki nach Kattegat. Er soll Haraldson zum endgültigen Duell um Leben und Tod herausfordern…

 

 

Fazit: I want to raid and fight. This is what I’m born to do.

 

Vergeblich wartet man auch in Episode 5 darauf, dass Michael Hirst in seiner Historien-Serie etwas Ruhe einkehren lässt. Man versteht es nach wie vor ungemein gut nicht nur eine packende Story voranzutreiben und diese authentisch zu inszenieren, sondern gleichzeitig auch immer den Bezug auf die zugrunde liegende Geschichte zu wahren. Zudem kehrt in Der Überfall, ganz nebenbei, auch der Winter ein, der für ein wenig Abwechslung hinsichtlich der Settings sorgt. Zum alles umfassenden tristen Grau, zum Rot des vergossenen Blutes und dem Grün der Wälder und der Wiesen gesellt sich nun der weiße Schnee, der einem atemberaubenden, stimmiges Gesamtbild die Krone aufsetzt.


Auch bleibt abzuwarten, wann die Liebe zum Detail der Serie nachzulassen beginnt. Während Unachtsamkeiten wie Dreck im Gesicht oder Haare, die mal so oder mal so aussehen, nach wie vor Mangelware bleiben, ist des in Der Überfall allen voran Ragnars Wunde, die scheinbar unaufhörlich blutet und an Realismus dennoch (oder gerade deswegen) nicht zu übertreffen ist. Authentizität ist wahrlich eine der größten Stärken der Vikings.

Handwerklich gibt es auch an der fünften Episode des Historien-Epos im Serienformat nichts auszusetzen. CGI kommt kaum zum Einsatz, stattdessen wird mit bodenständigen, handgemachten und durchwegs guten Special Effects gearbeitet, die das finstere und dennoch anmutende Bild von Vikings so unverwechselbar werden lassen.