V'07 - Willkommen im DEAD 2.0 - George A. Romeros neues Zombiewerk

Verfasst von Eduardo D'Amaro am 01.11.2007 um 00:00 Romeros Zombiefilmsaga rund um “… the dead” ist mittlerweile auf den fünften Teil angewachsen. Standen in den ersten drei Filmen noch verschiedene Tageszeitpunkte im Titel und implizierten ein gewisses Ausmaß von utopischen Visionen, die zugleich einen gesellschaftlichen status quo der Jahrzehnte, in denen sie entstanden sind – dies gilt auch für den letzten Teil „Land of the Dead“ – so steht diesmal, als ob der Anbruch des neuen Jahrtausends und technische Errungenschaften mehr denn je Anlass zur Kritik geben würden, die Nutzung der so genannten Neuen Medien im Vordergrund:



Eine Gruppe von jungen Studenten dreht im Wald einen Horrorfilm – als plötzlich das Grauen Realität zu werden scheint, denn die Toten erheben sich aus ihrer Starre und fallen über die Lebenden her. Für die jungen Menschen beginnt eine schreckliche Odyssee, die von ihrem filmbesessenen „Anführer“ auf Zelluloid (bzw. digital) festgehalten wird.



Schon der einleitende Off-Kommentar, gesprochen von der Freundin des Filmemachers stimmt auf die folgenden 90 Minuten ein. Die Wahrheit habe man dokumentieren wollen und nichts als die Wahrheit, um den Leuten „draußen“, die von verkehrten Realitäten in den Massenmedien betrogen werden, die Augen zu öffnen. Eine dieser „Realitäten“ ist ein hin und wieder eingespielter Fernsehbericht, in dem Tote vor einem Krankenhaus wieder zum Leben erwachen und umherstehende Personen anfallen. Im Verlauf des Films wird dieser Bericht jedoch geschönt, um Panikmache beim Pöbel zu vermeiden. Dem entgegenzusteuern sehen sich die Studenten – anfangs noch zögerlich, später mit großer Innbrunst – verpflichtet – und so mag es nicht weiter seltsam anmuten, dass Kameramann und Regisseur in Personalunion immer auf der Suche nach der nächsten Ladestation (ein Kniff, der besonders schön in der Krankenhausszene zum Vorschein kommt) sind, oder aber trotz der Lage der Nation Zeit finden, auf Laptops ihre Videos zu schneiden und sie via YouTube dem gierigen Publikum zur Verfügung zu stellen. Innerhalb weniger Minuten tausende Klicks, und so zur Internetberühmtheit – der Traum wird für die Studenten wahr. Genießen können sie den Erfolg freilich nicht…

Willkommen im DEAD 2.0 also – auch weil Romero nicht an vorhergegangene Teile seiner Saga anknüpft, sondern das Zombiefieber gewissermaßen von Anfang an erneut ausbrechen lässt. Der inhaltliche Relaunch verpflichtet sich auch einem ästhetischen: Digicam-Look a la The Blair Witch Project (weitestgehend verzichtet man jedoch auf hektisches Herumwirbeln mit der Kamera) sollten den „Realitätsanspruch“ heben, digitale Effekte passen da aber nicht so recht ins Bild. Romero passt sich noch mehr als in „Land“ den technischen Vorgaben, welche an Horrorfilme aus dem neuen Jahrtausend gestellt werden an – es herrscht sterile Zombietristesse und digitaler Blutsturz. An ekligen Ideen mangelt es zwar auch diesmal nicht, allerdings bleibt im Endeffekt – im krassen Gegensatz zu den ersten Filmen – nur wenig im Gedächtnis.

Viel gelungener sind die Comedyelemente des Films auch nicht: Gelungenen Wortwitz gibt es selten, stattdessen einen tauben Kampf-Amish, der der Gruppe kurz (so lange er halt für die Story tragbar ist) das Leben retten darf und dann mit Mistgabel und landwirtschaftlichem Gerät auf Zombieherden losgeht. Diary of the Dead ist sicherlich kurzweilig und unterhaltsam, aber zugleich auch noch kommerzieller als die anderen Teile der Reihe. Kritik formuliert er nur oberflächlich, Reflektion auf sich selbst ist praktisch nicht vorhanden.



Fazit:

Krude formulierte Kritik an Medienprodukten und deren Öffentlichkeiten auf der einen, unterhaltsamer und wenig tiefsinnger Zombiefilm auf der anderen Seite.



Regie: George A. Romero

Mit: Joshua Close (Jason), Michelle Morgan (Debra), Shawn Roberts (Tony Ravello), Amy Lalonde (Tracy), Joe Dinicol (Eliot), Scott Wentworth (Maxwell)