ViENNALE 2011 - Filmtipps / Teil 1

Verfasst von Richard Lammel am 11.10.2011 um 00:02

Heute Abend wird im Wiener Gartenbaukino das Programm der diesjährigen ViENNALE präsentiert. Gespannt dürfen wir darauf warten, was Festivaldirektor Hans Hurch noch aus seinem Hut zaubert. Da das DVD – Forum mit dem Presse Team der ViENNALE hervorragend zusammenarbeitet, durften wir vorab jede Menge interessanter Werke begutachten. Hier sind für Euch schon vorab einige Filmtipps, die aus unserer Sicht ein Kinoticket rechtfertigen.


Spielfilme:

A DANGEROUS METHOD

A DANGEROUS METHOD ist die „light“ Version eines David Cronenberg Films. Wahrscheinlich ist seine ansonsten unverkennbare Handhabe nur in der akribischen Umsetzung des Stoffes erkennbar. Vieles trägt das Markenzeichen welches diesem eXzellenten Regisseur gebührt. Das „Schaumbremsen beim Dirigieren“ kann möglicherweise beim hollywoodverwöhnten Publikum ankommen. Bei vielen Cronenberg Fans, die das Treiben ihres Meisters seit Jahrzehnten verfolgen, kann A DANGEROUS METHOD wegen diesem Umstand die enorme Erwartungshaltung nicht ganz erfüllen. Trotz aller Umstände unbedingt empfehlenswert!


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GUILTY OF ROMANCE – KOI NO TSUMI

GUILTY OF ROMANCE ist kein einfacher Film. Wie bei einem David Lynch Werk gilt es auch hier, sich den Film zu erarbeiten. Und ihn heranzulassen, ohne dass man schon nach wenigen Minuten die Segel streicht und ihn verdammt. Wenn der Betrachter sich auf das Spielchen mit dem Filmemacher einlässt, und sich mit dem zu Sehenden arrangiert, gilt es tatsächlich gute Chancen den Film zu mögen. Ein Versuch ist es allemal wert.


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HESHER

HESHER ist eine Low Budget Produktion, welche durch seine Eigenart und durch seine großartigen Charaktere funktioniert. Zwar braucht der Zuseher ein wenig Zeit der Eingewöhnung, aber mit Fortdauer gewinnt diese Komödie mit Tiefgang enorm an Sympathie. HESHER ist völlig berechtigt Stammgast auf verschiedenen Festivals. Den ViENNALE Fans sei verraten dass Spencer Sussers Werk auf „unserem“ Festival gezeigt wird.


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Dokumentationen:

DISFARMER: A PORTRAIT OF AMERICA

Regisseur Martin Lavut gelang mit DISFARMER – A PORTRAIT OF AMERICA eine Dokumentation, die zum einen mit einem großen Unterhaltungswert ausgestattet ist. Aber er schaffte es auch scheinbar mühelos ein zunächst nicht so interessantes Thema sogar sehr anregend zu gestalten. Es ist köstlich den Einheimischen bei ihren Ausführungen zu lauschen, das sympathische Städtchen zu sehen, und nicht zuletzt der urbanen Musik, die stets diese Dokumentation begleitet, zuzuhören. Wurde dieses Werk zu Ende gesehen, hat man das Gefühl noch weit mehr erfahren zu wollen. Für mich wurde diese Geschichte zwar zu Ende erzählt. Aber schon allein wegen dem Unterhaltungswert würden mehr Details, und mehr Geschichten der Erzähler dem Ganzen noch eines draufsetzen.Diese Geschichte hätte eine wesentlich längere Laufzeit vertragen.


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HIT SO HARD

Viele der Jetztgeneration könnten sich die Frage stellen, warum es sich lohnt einer Drummerin aus längst vergangenen Zeiten zuzusehen. Die Antwort darauf ist ganz einfach: Sie hat richtig viel erlebt, und kann ihre Geschichten in einer Art erzählen, sodass wir als Zuschauer sofort in ihren Bann gezogen werden. Die Informationen, die man erfährt, sind enorm, kurzweilig und in jeder Minute packend. Egal ob es die Anekdoten um das Leben mit dem Ehepaar Cobain / Love sind, oder die Nahtod - Erfahrungen. Es spielt auch keine Rolle ob es sich um die Sequenzen handelt indem die Musik, oder die emotionalen Dinge ihres Lebens im Vordergrund stehen. HIT SO HARD ist eine Dokumentation die einem nicht mehr loslässt.


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THE LAST BUFFALO HUNT

In THE LAST BUFFALO HUNT wurde vorrangig mit einer 16 mm Kamera gearbeitet. Dadurch erinnert sehr vieles an eine Amateurarbeit. Aber es ist zur keiner Zeit von essenzieller Bedeutung welche Stilistik verwendet, oder schöne Naturaufnahmen eingefangen werden. Lee Ann Schmitt legt besonderen Wert darauf, welche Emotionen ihr Werk auslösen kann, und lässt dementsprechend ihre Geschichte für sich sprechen. Und diese Erzählung, sei es Fiktion oder die pure Wirklichkeit, hat es wahrlich in sich.


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Tributes:

FAST FOOD NATION

Inhaltlich schöpft FAST FOOD NATION überaus emsig aus der üppigen und gehaltvollen Themenlandschaft seiner Buchvorlage, ständig darum bemüht seine komplexen Zusammenhänge in einem kohärenten und durchgängigen Gesamtbild zu vermitteln. Hierin liegt ohne Zweifel die primäre Stärke des Films. Anhand seiner vielen Figuren beschreibt FAST FOOD NATION ein breites Spektrum der diffizilen Problematik.


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FURYO – MERRY CHRISTMAS MR. LAWRENCE

MERRY CHRISTMAS MR. LAWRENCE ist visuell mehr einem Kammerspiel als einem großen Epos zugetan. Aber die Stimmung, die dieser Film überträgt, ist derart sensationell, sodass es kein großes Budget gebraucht um zu funktionieren. Der Score geht, einmal gehört, nie mehr aus dem Kopf. Dieses Werk kann getrost mit all den Klassikern seiner Zeit locker mithalten.


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THE LAST EMPEROR

Bertoluccis Epos des Einfachen schöpft seine Qualität aus der Umbewertung des Ausgangsmaterials. The Last Emperor ist weder Empathiewerk noch politisches Geschichtsbuch. Die Adaption des turbulenten Lebens von Pu Yi, der glaubte, durch göttliche Hand gewählt zu sein, erweist sich als Politparabel. Als eine Fabel eines simplen Mannes, der in seinem Wahn nichts erkennen vermag, außer jenes, das er erkennen möchte. In überwältigenden Bildern erzählt Bertolucci die ahistorische Geschichte eines tragischen Simplicissimus, welcher den Wandel der Zeit nicht versteht.

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