Don Hahn über "Der König der Löwen" und die kommende 3D Blu-ray

Verfasst von Playzocker am 31.08.2011 um 13:29

Der Wind über der weiten Steppe, farbenprächtige Sonnenuntergänge und die sternenklaren Nächte Afrikas - das ist die bildgewaltige Kulisse, vor der sich das Schicksal des Löwenjungen Simba erfüllt. Unter der Obhut seines Vaters Mufasa wächst er unbeschwert heran und soll eines Tages dessen Platz als König einnehmen. Aber bis dahin ist es ein langer Weg, der Simbas ganzen Mut erfordert. Stets begleitet von seinen witzigen Freunden Timon und Pumbaa und deren urgemütlicher Lebensphilosophie "Hakuna Matata", muss Simba sich seiner größten Herausforderung stellen: dem Kampf mit dem hinterhältigen Scar um die Herschaft über das "geweihte Land"...

 

Der 1994 produzierte Zeichentrickfilm "Der König der Löwen" verzauberte eine ganze Generation und zählt heute als einer der besten Zeichentrickfilme der vergangenen Jahrzehnte. Im November 2011 steht ein neuer Heimkinorelease des Films an - neben einer Neuauflage der schon lange ausverkauften DVD wird der Film erstmals auf Blu-ray Disc und sogar als Blu-ray 3D angeboten. Passend zu diesem Release hat Walt Disney Studios Home Entertainment zu einem weiteren Virtual Roundtable geladen. Diesmal mit dabei: Don Hahn, der Produzent von "Der König der Löwen".

 

Im Interview spricht er nicht nur über die Produktion des Films und über seine Meinung zu Animationsfilmen, sondern gibt auch einen Ausblick auf die kommende Blu-ray und natürlich auch die 3D Version des Films.

 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des Interviews!

 

Anmerkung: Deutsche Übersetzung von Don Alfredo

 


 

Wenn du den "König der Löwen" jetzt 2011 machen würdest anstatt vor 17 Jahren, denkst du, dass er anders wäre? Wäre die jetzige Technologie nützlich um etwas zu tun, was du vor Jahren geplant hast, aber nicht tun konntest?


Don Hahn: Es gab riesige, technische Fortschritte im Bereich der Animationen seitdem wir den "König der Löwen" damals 1994 gemacht haben - es besteht also kein Zweifel daran, dass wie den Film in vielen Bereichen anders angegangen wären. Ich bezweifle, dass das die Geschichte beeinflusst hätte, aber die Umsetzung des Films wäre anders gewesen. Ich bin nicht einmal sicher, ob wir einen CG-Film gemacht hätten. Afrika ist solch eine vielfältige Leinwand von Farben und wild lebenden Tieren, dass es immer gut zu funktionieren schien, die Landschaft zu malen und die Figuren zu zeichnen. Großartige Frage, danke!

 

Was war der schwierigste Teil im Prozess, einen traditionellen Animationsfilm in einen 3D-Animationsfilm zu verwandeln?


Don Hahn: Nun, ein handgezeichneter Film wie "Der König der Löwen" ist von Natur aus eine Karikatur des Lebens, die aus flachen Zeichnungen und Gemälden besteht. Der schwierige Teil war also, diese flachen Bilder zu nehmen und hinter ihnen Geometrie zu erzeugen sodass es wirkt, als hätten sie noch eine Dimension. CG-Animation ist an sich dreidimensional, also ist der Vorgang dort viel einfacher. Das hier war dagegen technisch weit aufwändiger, da wir Tiefe erzeugen mussten, wo eigentlich keine war. Das wurde nie zuvor gemacht. 

 

Was können wir von der Ton- und vor Allem von der Bildqualität erwarten?


Don Hahn: Terry Porter, der auch für den Ton im ursprünglichen Film verantwortlich ist, hat bei dieser 3D-Version herausragende Arbeit geleistet. Er nahm alle Original-Tonelemente und platzierte diese dann so im Kinosaal, dass sie regelrecht aus der Leinwand herausfließen. Ich weiß nicht, wie er es getan hat, aber es ist etwas, was es noch nie gab - als würde man beim Schauen mitten in Hans Zimmers Orchester sitzen. Das Bildmaterial wurde digital gelagert als wir den Film fertigstellten, also konnten wir die digitalen Dateien aus dem Speicher ziehen und als Ausgangspunkt für die 3D-Version nutzen. Das Ergebnis ist sauber und klar. Die ursprüngliche Farbpalette wurde so beibehalten, wie es die Filmemacher damals planten.

 

Wird die Blu-ray-Version irgendwelches Bonusmaterial zum Umwandlungsprozess enthalten, den der Film durchlief?


Don Hahn: Eines der Features der neuen Disk wird eine nie zuvor gesehene Pannensequenz. Wir haben die ursprünglichen Aufnahmen durchsucht und die lustigsten Outtakes und Pannen gefunden, die während der Aufnahme von James Earl Jones oder Jeremy Irons oder sonstwem vorgefallen sind. Dann habe ich die ganzen Original-Animatoren zusammengetrommelt und wir haben die Figuren animiert, wie sie ihre Texte versauen. Es ist sehr, sehr lustig. Außerdem gibt es viele Informationen über die Produktion des Films wie auch über die Herausforderung, einen flachen, handgezeichneten Film in ein 3D-Erlebnis zu verwandeln.

 

Warst du versucht, irgendwelche neuen Szenen/Songs einzubauen, welche speziell für die neue 3D-Version gemacht wurden?


Don Hahn: Nein, nicht wirklich. Wir haben einige kleine Fehler ausgebessert, aber der Film ist nicht beschädigt und wird wollten keine neuen, bedeutenden Elemente einfügen.

 

Hattest du jemals, egal an welcher Stelle, Angst davor, den "König der Löwen" von einem 2D- in einen 3D-Film umzuwandeln?


Don Hahn: Ja, ich war sehr verängstigt. Wirklich. Wenn du versuchst, etwas zu tun, dass zuvor nie getan wurde - wie z.B. einen handgezeichneten Film in 3D zu transformieren, dann hält dich das Nachts wach. Besonders, wenn dieser Film von den Zuschauern überall geliebt wird.

 

Denkst du, dass 3D eigentlich etwas zu einem bereits akzeptierten und beliebten Film hinzufügen kann?


Don Hahn: Ja, das tue ich wirklich. Es geht nicht nur ums Geschäft. Es gibt eine  Berechtigung dafür, das Publikum auf eine 3D-Fahrt zu einem Ort mitzunehmen, den sie vielleicht kennen, aber nie auf diese Art gesehen haben. Das trifft vor Allem auf handgezeichnete Filme wie den "König der Löwen" zu. Wann bekommt man schon die Gelegenheit, in einen Disneyfilm einzutreten? Es ist den Aufwand wert, um dem Publikum diese Möglichkeit zu bieten.

 

Wie denkst du, hat "Der König der Löwen" die allgemeine Meinung über Animationen beeinflusst?


Don Hahn: Der Film wurde so umfassend und herzlich aufgenommen, dass ich das Gefühl habe, dass die Zuschauer ihre Liebe zur Animation neu entdeckt haben. Sicher, sie liebten die Filme von Walt Disney, aber diese wurden immer weniger und nahmen in puncto Vielfalt und Umfang ab. Dann, mit einer neuen Generation an Künstlern, begannen wir Filme wie "Roger Rabbit", "Die kleine Meerjungfrau", "Die Schöne und das Biest" und "Aladdin" zu sehen. "Der König der Löwen" stand auf den Schulten all dieser Filme und ist ein Tribut an die Arbeit der Animationskünstler.

 

Hast du jemals über ein CGI-Sequel zum "König der Löwen" nachgedacht?


Don Hahn: Diese Idee macht mir etwas Angst. Ich liebe CG-Filme. Sie sind moderne Wunder. Doch die Story vom "König der Löwen" ist eine Allegorie sehr menschlicher Gefühle über unsere Väter, unsere Kinder und über das Wunder Afrika. Ein handgezeichneter Stil schien immer hierzu zu passen. Es ist wortwörtlich ein handgemachter Film. Die Musik ist sehr handgemacht mit viel Percussion und afrikanischen Gesängen. Das fügt sich alles zu etwas Einzigartigem für einen handgezeichneten Film zusammen und ich denke, dass dies die richtige Wahl für den "König der Löwen" ist.

 

Welche Szene in "Der König der Löwen" war die schwierigste und welche ist dein persönlicher Favorit?


Don Hahn: Die Massenpanik der Gnus war die größte Herausforderung, da es eine früher Einsatz von Computergrafiken war. Wir wussten, dass wir eine überzeugende Bedrohung für Mufasa erschaffen mussten und das bedeutete, hunderte von Tieren in Panik zu schaffen. Scott Johnston und unsere CG-Crew entwickelten eine "Herden-Software", sodass wir ein paar Gnus zeichnen mussten und den Computer die restliche Herde erzeugen lassen konnten. Es dauerte Jahre, aber damals war es ein Meilenstein im Bereich der CG-Animation. Meine Lieblingsszene ist der "Circle of Life". Die perfekte Kombination von Musik, Kunst und Erzählung. Ich liebe es!

 

In der Vergangenheit haben sich die Disney-Animatoren die Bewegung echter Tiere in deren Lebensraum angesehen und diese analysiert, bevor sie mit den Arbeiten am Film begannen. Ist diese Technik heutzutage immernoch üblich?


Don Hahn: Ja. Für den "König der Löwen" schickten wir ein Team von Animatoren nach Westafrika um sich die Tiere und die Umgebung anzusehen. Wir haben außerdem alle Animatoren in den San Diego Zoo und den Wild Animal Park gebracht, sodass sie über längere Zeiträume hinweg mit den Tieren leben konnten. Dann hatten wir Jim Fowler, berühmt für seine TV-Show "Wild Kingdom", der uns lebendige, ausgewachsene Löwen ins Studio brachte. Es war wirklich atemberaubend. Zudem hatten wir Stuart Sumida, einen Spezialisten für die Anatomie von Tieren, für einen Vortrag über Knochen- und Muskelstruktur angeheuert. Es war, als wäre man für den "König der Löwen" monatelang in die Schule gegangen, doch die Ergebnisse haben die harte Arbeit gerechtfertigt.

 

Denkst du, dass Filme mit einem solch großen Publikum ein zweites Leben im Kino haben könnten?


Don Hahn: Ich hoffe es. Es gibt sicher eine Generation von Kindern, die den "König der Löwen" nie gesehen haben, wie auch eine andere Generation, die ihn nur aufVHS oder DVD gesehen haben. Die Chance, ihn in 3D auf der Leinwand und zu Hause auf Blu-ray zu sehen ist etwas, wovon ich denke, dass es die Zuschauer ansprechen wird. Die Geschichte ist zeitlos wie wir in der Musical-Umsetzung des Films gesehen haben, die weiterhin jeden Abend in einem Dutzend Städte auf der ganzen Welt aufgeführt wird.

 

Du hast in den letzten 10 Jahren keinen Animationsfilm produziert. Was ist der Grund für diese Abwesenheit?


Don Hahn: Wie jeder Künstler mag ich Veränderungen. Ich habe mehr an Realfilmen gearbeitet und im Speziellen an den Disneynature-Filmen wie "Earth", "Oceans" und "African Cats" (Ich habe eine Vorliebe für Löwen, scheint mir). Walt Disney war ein riesiges Vorbild für mich und er ist während seiner Karriere gereift - er bewegte sich weg von Animationen hin zu Vergnügungsparks, Fernsehen, Real- und Naturfilmen. Vielleicht folge ich ihm in seine Fußstapfen. Ich behalte jedoch immer eine Hand im Animationsbereich. Ich habe mit Tim Burton nun einige Jahre an "Frankenweenie" gearbeitet und es ist fantastisch. Sobald Animation in ein Blut gerät, ist es schwer, wieder aufzuhören.

 

Du hast Filme wie "Die Schöne und das Biest", "Der Glöckner von Notre Dame", usw. produziert. Findest du, dass das "Märchengefühl" in den heutigen Animationsfilmen fehlt?


Don Hahn: Es scheint, als ob das Märchen lebendig und gesund ist, aber in einer anderen Form. Ich denke, dass "Harry Potter" den Mythos und die Verwunderung eines Märchens in sich trägt, nur in einer etwas anderen Verpackung. Und ich glaube, dass der nächste Pixar-Film "Brave" viele Leute mit seiner originellen und unglaublichen Geschichte faszinieren wird. Es wird immer Platz für die klassische Erzählung einer uralten Geschichte sein. Tim Burton bewieß dies mit "Alice im Wunderland".

 

An welchen zukünftigen Projekten arbeitest du?


Don Hahn: Ich arbeite zusammen mit Tim Burton an dessen Stop-Motion-Film "Frankenweenie", der auf seinem Kurzfilm mit dem selben Namen beruht. Ich bin außerdem der ausführende Produzent der Disneynature-Filme, wie dem bald erscheinenden "Chimpanzee", gedreht unter Regie des fantastischen Teams, dass euch "Planet Earth" gebracht hat - Alastair Fotergill und Mark Linfield.

 

Was ist eigentlich die genaue Aufgabe eines Produzenten? Was ist der kreative Teil deiner Arbeit?


Don Hahn: Vor Allem bin ich der Erschaffer des Teams, der die besten Künstler, Regisseure und Autoren auswählt um am Film zu arbeiten. Dann ist es meine Aufgabe, ihnen eine Umgebung und Unterstützung zu verschaffen, mit denen sie ihre beste Arbeit leisten können. Ich bin weniger ein Chef denn ein Diener für den Prozess, wie ein Football-Trainer: Du fügst die besten Spieler zusammen, trainierst sie so gut wie möglich und lässt sie ihr Bestes geben. Meine Vorbilder als Kind waren Produzenten wie Jim Henson oder Walt Disney. Es ist der beste Job der Welt.

 

Kommst du manchmal ins Disney-Archiv nur um dir alte Skizzen und Modelle anzusehen? Es muss etwas wundervolles sein! Und noch eine Frage: Nachdem du nun so lange für Disney arbeitest, liebst du diese Welt immernoch? Keine Abneigungen gegen das ganze?


Don Hahn: Ich bin so oft wie möglich in den Archiven und sehe mich um. Es gibt dort unten so viele Millionen an Zeichnungen, dass man ein gesamtes Leben mit Stöbern verbringen könnte und trotzdem nicht alle Teile sehen würde. Es ist in jedem Fall ein fantastisches Erlebnis ein Gemälde aus "Bambi" oder eine Zeichnungen aus "Dumbo" in Händen zu halten. Das sind Filme die mich beeinflussten, als ich aufwuchs und derer ich nie überdrüssig werde. Liebe ich Disney immernoch? Ich denke, wenn man lange Zeit für ein und dieselbe Firma gearbeitet hat, dann gibt es immer Dinge, die man nicht mag oder mit denen man nicht einverstanden ist -aber was ich immernoch liebe sind die Leute und die Atmosphäre dieses Ortes. Kein anderes Studio bietet ein vergleichbares Erbe oder einen solchen Willen, neue Gebiete der Technologie und des Erzählens zu betreten. Wen du ein Filmemacher bist, dann ist das der ultimative Ort.

 

Wie denkst du über handgezeichnete Animationen heutzutage bei Disney und deren Zukunft?


Don Hahn: Du kannst die Direktheit eines Stiftes in der Hand nicht übertreffen. Wir sehen vielleicht weniger von ihnen, aber sie werden nicht verschwinden.

 

Was denkst du muss ein Animationsfilm in erster Linie haben?


Don Hahn: Geschichte, Geschichte, Geschichte. Es ist teuer ins Kino zu gehen und es gibt eine große Vielfalt an Angeboten dort draußen, wie kann man also das Medium der Animation nutzen um eine neue Welt zu schaffen und die Zuschauer zu einem neuen Ort zu führen und ihnen eine Geschichte zu erzählen, die sie noch nie gesehen haben? Mein liebstes Beispiel ist "Ratatouille". Wer würde schon je einen Film über Ratten in einer Küche machen? Es ist die schlechteste Idee, auf die man kommen kann, mal abgesehen davon, einen Film zu machen, der von einem 70 Jahre alten Kerl handelt, der sein Haus nach Südamerika fliegt und einen Pfadfinder an Bord hat. Eine weitere, schreckliche Idee. ABER: "Ratatouille" und "Oben" sind wunderbare, magische Erzählungen die die Animationstechnik in vollem Umfang nutzen. Brilliante Arbeit und ein perfektes Beispiel dafür, was in jedem Film am wichtigsten ist: Die Geschichte.

 

Wie denkst du, dass die Zukunft für Animationsfilme aussieht?


Don Hahn: Es ist eine große Zeit für Animationen. Nicht nur, dass viele Studios großartige Werke veröffentlichen, wir sehen auch großartige Animationen von internationalen Filmemachern wie Sylvan Choumets "The Illusionist" oder fast alles von Miyazaki. Selbst Peter Jackson und Steven Spielberg nutzen Animationen um Geschichten zu erzählen und im Prinzip ist jeder Realfilm, der aktuell in den Kinos läuft - von "Harry Potter" bis "Transformers" - voller Animationen.

 

Don, irgendwelche letzten Gedanken zum 3D-Release von "Der König der Löwen"?


Es macht einen zugleich bescheiden und ergriffen, wenn man Teil eines Filmes und eines Phänomens wie "Der König der Löwen" war. Ich weiß, dass ich für uns alle spreche, die an diesem Film gearbeitet haben, wenn ich sage: Danke für die herzliche Aufnahme die ihr diesen Figuren und diesem Film in allen Ecken der Welt bereitet habt. Die 3D-Version des Films ist etwas sehr Besonderes und eine gänzlich neue Art, die Welt des "König der Löwen" zu genießen. Es ist ein handgemachter Film, der mit großer Sorgfalt und angefertigt wurde und wir hoffen, dass er euch gefällt. Bis zum nächsten Mal, hakuna matata, Don Hahn.

 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des Interviews!

 

Anmerkung: Deutsche Übersetzung von Don Alfredo

 


 



Quelle: Walt Disney Studios Home Entertainment