Fangoria - Chefredakteur Tony Timpone

Verfasst von rorschach am 02.08.2009 um 00:00

1979 tauchte ein Magazin mit dem Titel FANGORIA auf dem amerikanischen Markt auf, ein Printmedium, das sich in all den Jahren gegen seine Konkurrenz durch seine qualitativ sehr guten Artikel und der tollen grafischen Gestaltung durchsetzen konnte und heute noch als Marktführer in dem Bereich hervorgeht. Im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums haben wir die Gelegenheit genutzt und eine Person interviewt, die mit hinter all dem steckt, die FANGORIA Konventions leitet und auch beim FANGORIA RADIO seine Finger mit im Spiel hat. Tony Timpone, der seit den 80er Jahren mit dabei ist und FANGORIA lebt.



Sie schreiben schon seit den 80er Jahren fürs FANGORIA Magazin, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert (herzlichen Glückwunsch von meiner Seite). Können Sie uns einen Einblick in ihre Arbeit geben (Tagesablauf) und verraten, wie Sie damals an das Magazin gekommen sind?

"Während ich in den 80er Jahren ein College besuchte, war ich ein freier Autor für eine Reihe von Horror- und Science-Fiction-Magazinen wie MONSTERLAND, HEROES, ENTERPRISE INCIDENTS und STARLOG, wobei letzteres Fangorias Schwester-Veröffentlichung ist. Ich konnte damals nie in FANGO mit reinkommen, da die zwei Herausgeber Dave Everitt und Bob Martin den schriftlichen Teil selber machten. In den Tagen nach meinem Abschluss an der New York University rief mich mein Redakteur Dave McDonnell vom STARLOG an, um mir mitzuteilen, dass eine redaktionelle Position in der Firma frei steht. Martin hatte bei Fango aufgehört (er kam mit dem Co-Herausgeber nicht zurecht) und Dave E. brauchte schnell Hilfe. Ich bekam den Job und begann sofort. Dave E. kündigte auch innerhalb von ein paar Wochen, Dave M. übernahm Fango und ich hatte es geschafft - hatte meine "Flügel". In weniger als einem Jahr stieg ich zum Chefredakteur auf. Ich war sehr glücklich, am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein. Zusätzlich war ich eine bekannte Größe mit der Firma.

Meine tägliche Routine: Bearbeitung der Zeitschrift und Arbeiten an unserer Webseite FANGORIA.COM; Planungen für unsere FANGORIA Weekend of Horrors Konventions; die Entwicklung künftiger FANGO Handelsmarke wie Bücher; Unterstützung bei den Buchungen der Gäste für das Fangoria Radio, unserer wöchentliche Show auf Sirius XM usw. Ich genieße ganz besonders die grafische Darstellung der künftigen Ausgaben, dafür Fotos zu machen und für die meisten Grafik-Pakete!"


FANGORIA konnte sich auf dem Weltmarkt schon immer als Horrormagazin #1 durchsetzen. Was ist die Erfolgsformel?

"Wir geben den Lesern, was sie wollen. Wir behandeln die Welt des Horror-Entertainments, vom 70 Dollar Indie wie COLIN bis hin zu den 200-Millionen-Dollar-Studio Epen wie TERMINATOR SALVATION. Mit Ausnahme von unseren Berichtspalten bevorzugen wir das Nicht-wertende und lassen die Leser sich ihre eigenen Gedanken dazu machen. Wir haben Spaß am Sehen von Horrorfilmen und das wollen wir auch unseren engagierten Lesern übermitteln."

"The Psycho Legacy", "Angel's Blade: The Ascension", "Dying for Change", "Brutal Massacre: A Comedy", "House of the Dead" und "Satan's Menagerie" - alles Filme, in denen sie als Schauspieler mitwirkten. Gibt es schon weitere Rollenangebote, denen sie zugesagt haben?

"Die meisten der von dir aufgezählten Filme sind Dokumentationen, in denen ich das Horror-Genre erläutere. Ich liebe es. Aber es brauchte eine Weile, bis ich mich auf den Bühnen und vor den Kameras wohlfühlte. Dann hatte ich realisiert, dass ich einfach ich selber sein muss und natürlich, sodass es jetzt einfacher ist. Ich gebe gerne Interviews, da es ein großartiger Weg ist, um das Magazin zu unterstützen und ich würde für Fango alles tun. In BRUTAL MASSAKER zu sein war unreal, als würde ich mich selber spielen. Der Film erwies sich als großartig. Als nächstes verkörperte ich mich selbst in einem Film der ANGEL’S BLADE: ASCENSION heißt, wo ich in ein paar Szenen neben Corbin Bernsen (als sein Editor!) zu sehen bin. Er war ein echter Gentleman, bei dem ich mich sofort wohlfühlte und der mich betreute, als er meine Nervosität bemerkte. Hey, ich schauspielte mit dem Dentist (Anmerkung vom Autor: Brian Yuznas Horrorstreifen ist damit gemeint)!

Vor kurzem habe ich einige Interviews für künftige Dokumentationen zu THE EVIL DEAD, DEATH/THE AFTER LIFE (!) und MANSON MURDER VICTIM JAY SEBRING sowie für John Wooley’s demnächst erscheinendes Buch über Wes Craven gegeben. Wenn ich Interview-Shows und Dokumentationen mache, ist es viel Arbeit. Ich betreibe eine Menge an Forschungsarbeiten zur Vorbereitung. Die Zweiteiler Vampir-Dokumentationen, die ich BLOOD LINES nannte, eine Anknüpfung an die TRUE BLOOD Serie, erhielt in den letzten Jahren von meinen Dutzenden die meiste Aufmerksamkeit."


Können Sie den Lesern vielleicht schon erste Details zu dem Projekt "Pumping Up" geben, für das Sie als Produzent in der IMDb gelistet sind?

"Das Tempo ist anders. Es ist eine Komödie über eine Gruppe von Gewichthebern - eine Gruppe von italienischen Kameraden - die in einer alten Turnhalle in Queens, New York für einen großen Preis konkurrieren. Es wurde von Pete Papageogiou geschrieben, ein Schauspieler, der in allen Troma Filmen einen kurzen Auftritt absolvierte, bis hin zum dritten STIRB LANGSAM Film. Es kamen einige interessante Leute hinzu und wir versuchen immer noch das Geld zu erhöhen, um es zu tun. PUMPING UP hat das Potenzial auf einen unabhängigen Erfolg wie MY BIG FAT GREEK WEDDING. Es ist sehr lustig und real."

Um kurz beim Thema zu bleiben. In ihrer Filmografie taucht Uwe Boll's „House of the Dead” auf. Was halten Sie von dem deutschen Regisseur, der in Amerika bei sehr vielen Fans ja anscheinend aufgrund seines erkennbaren Filmstils nicht so beliebt ist?

"Ich mag Uwe Boll tatsächlich. Er ist ein realer Charakter. Er ist persönlich sehr lustig und an der Spitze und zusätzlich brutal ehrlich. Dies sind einige Gründe, warum ich ihn in all den Jahren einige Male zu meinen Fangoria Veranstaltungen eingeladen habe. Seine Filme sind immer routiniert, gut gemacht und nie langweilig. Seine Besetzungen sind ein bisschen seltsam: Burt Reynolds in THE NAME OF THE KING, Meat Loaf in BLOODRAYNE, Tara Reid (als Wissenschaftler) in ALONE IN THE DARK?..."

Eine Sache, die mich etwas verwirrt hat, ist der Name Anthony Timpone auf FANGORIA. Ist Ihr bürgerlicher Name nicht Tony Timpone (selbst wenn ich Tony Timpone in der IMDb eingebe, komme ich direkt auf Anthony Timpone)?

"Tony ist die Abkürzung für Anthony, welcher mein voller Name ist. Ich wurde bis zur High School Anthony genannt."

Das Genre Horror hat im Wandel der Zeit ja einiges durchmachen müssen und man ist ja mittlerweile soweit (wegen der Einnahmen), fast nur noch Horrorfilme mit der Alterseinstufung PG-13 in die Lichtspielhäuser zu bringen. Ist dadurch der harte & blutgehaltige Horror, denn man noch aus den 80er/90er Jahren kennt, größtenteils ausgestorben?

"R und PG-13 bewerteter Horror können nebeneinander auf dem Markt existieren. Beide machen Geld, auch wenn PG-13 alles umrandet. Solange es unheimlich ist mit einer betonenden Story und Charakteren, spielt es keine Rolle, wie der Film bewertet wurde. Ich möchte nur einen guten Horrorfilm sehen, egal ob blutig oder nicht."

Woran liegt es, dass Filme wie MARTYRS oder auch FRONTIER (S), die von den Kritikern zum Teil hoch gelobt wurden und bei denen die Nachfrage ja nicht gerade gering ist, nur, wenn überhaupt, in einer limitierten Auflage in die amerikanischen Lichtspielhäuser kommen, vielleicht auf einigen Festivals gezeigt werden und dann direkt auf DVD erscheinen? Ist solcher expliziter Horror immer noch nicht so salonfähig, wie man es sich vielleicht wünscht?

"Ja, beide, MARTYRS und FRONTIER (S) sind einfach für große Veröffentlichungen in den USA zu extrem. Man hat erkannt, dass die Zielgruppe einfach zu klein ist, wie die Unterstützung, die Werbung und die Leinwände. Zu schade, da insbesondere MARTYRS ein genialer Film ist. Aber es sind keine Mainstream-Filme, die für die Masse oder den allgemeinen Markt sind. Glück für mich. Ich sah beide auf der großen Leinwand auf dem "American Film Market" und sie sahen großartig aus. Aber DVD und Blu-ray sind besser als nichts. Zumindest können sie immer noch bei Fans ein zu Hause finden."

Die Motion Picture Association of America ist ja eine Organisation, die einem Filmemacher zum Verhängnis werden kann, wenn alles auf ein X-rated (der Film darf nicht öffentlich beworben werden) hinausläuft, sodass man lieber einige Szenen entfernt, um doch noch ein R-Rated zu bekommen. Wie stehen Sie zu dem Thema Zensur und ist sie eine Notwendigkeit?

"Die MPAA ist mittlerweile viel toleranter als 1985, wo ich bei Fangoria anfing. Sie müssen sich nur Filme wie THE DEVIL'S REJECTS, die SAW-Filme, KILL BILL, AMERICAN PIE und BRUNO ansehen, um zu erkenne, dass es eine große Veränderung gegeben hat. Quentin Tarantino hat sogar die MPAA verteidigt. In der Vergangenheit war die MPAA für gewaltsame Horrorfilme ein großes Hindernis, aber nicht mehr. Sie haben sich gelockert. Selbst in den “dunklen Tagen“ war die MPAA nie wirklich Zensor, sie bewerteten die Filme nur. Es lag an den Filmemachern und den Studios, ob sie die Filme schneiden, um eine andere Bewertung zu bekommen."

Eine Frage, die Sie wahrscheinlich schon öfter gestellt bekommen haben. Aber gibt es irgendwelche persönliche Favoriten im Horrorgenre, die Sie sich vielleicht immer wieder gerne anschauen?

"Klar, Filme wie PSYCHO, KING KONG, BRIDE OF FRANKENSTEIN, DER EXORZIST, DER WEIßE HAI, DAS OMEN, ALIEN, HORROR VON DRACULA, HALLOWEEN, NIGHTMARE ON ELM STREET, ROSEMARY'S BABY, ROCKY HORROR PICTURE SHOW etc."

Sie sind ja der Produzent von der fünfstündigen Dokumentation THE 100 SCARIEST MOVIE MOMENTS, die man übrigens auch auf Amazon.com kaufen kann. Was war Ihr ultimativster „SCARIEST MOVIE“ in letzter Zeit, bei dem Sie vielleicht selber etwas geschockt waren?

"In Wirklichkeit ist 100 SCARIEST MOVIE MOMENTS nicht auf DVD erhältlich. Das Problem sind zurzeit die Rechte für einige Videoclips. Wie dem auch sei. Der Film, der mich in den letzten Jahren am meisten schockierte, war MARTYRS. Der jüngste Film, der mir am meisten Angst machte, war [REC]."

In Ihrem Profil auf FANGORIA.com steht, dass Sie zusätzlich zu der Arbeit am Magazin noch auf internationalen Horror/Fantasy Festivals bei den Programmen helfen. Was ist der Reiz an solch einer Konvention und der damit zusammenhängenden Planung?

"Ich liebe die Arbeit auf den FANGORIA Konventions. Es gibt mir die Möglichkeit, um meine Lieblings-Horror-Helden zu treffen, von A (Argento) bis Z (Rob Zombie). Ich co-produziere und moderier die Kons seit 1985 und es war nie langweilig. Darüber hinaus, unabhängig von FANGORIA, habe ich auf dem nicht mehr bestehenden Dylan Dog Horror Fest in Mailand, Italien und dem andauernden Fantasia Film Festival in Montreal mitgewirkt. Fantasia ist mittlerweile in seinem 13. Jahr und es war immer sehr lohnend und spaßig, das Programm für die Filme zu erstellen. Darüber hinaus führten mich meine Arbeiten auf dem Fantasia zu dem Just For Laughs Comedian Film Fest für einen Sommer, wo ich ein Programm für Komödien erstellte."

Seit einiger Zeit wurde eure Seite unter FANGORIA.com vom Design her komplett überarbeitet und es gibt jetzt auch immer auf der Hauptseite die neusten News aus der Film- und sogar Musikwelt. Warum hat man sich entschieden, auch die Onlinewelt zu erobern und wie sieht es mit der Konkurrenz aus, die im Internet ja auch nicht gerade gering ist?

"Wir haben die Webseite vor 10 Jahren als Ergänzung zum Magazin veröffentlicht. Heutzutage kann man nicht ohne das andere existierten. Wir benötigen beides, um zu überleben. Immer mehr Menschen gehen erst auf unsere Webseite bevor sie das Magazin kaufen. So können wir neue Kunden über das Internet und die Werbung bekommen, es ist von entscheidender Bedeutung. Zusätzlich wollen wir, dass die Kunden, die das Mag. lesen, auch online gehen sollen. Das ist der Grund, warum wir exklusive Inhalte auf der Webseite haben. Natürlich haben wir enormen Wettbewerb im Internet, aber ich denke, dass unser Schreiben und unsere Inhalte weit überlegen sind."

Wie sieht die Zukunft für FANGORIA aus. Sind noch irgendwelche großen Erneuerungen/Veränderungen in Planung?

"Wir hoffen wieder auf die Herstellung von Filmen. Wir haben drei in den 80er Jahren gemacht: MINDWARP, CHILDREN OF THE NIGHT and SEVERED TIES. Zusätzlich haben wir noch jedes Jahr unsere CHAINSAW AWARDS Übertragung im TV. Darüber hinaus wollen wir zurück in den DVD-Vertrieb und weitere Dinge wie Video-on-Demand und andere Live-Veranstaltungen wie Konzerte erkunden."

Vor kurzem veröffentlichte FANGORIA zu John Carpenters genialem Horrorfilm unter folgendem Link unveröffentlichtes Material. Rob Zombie bringt in diesem Jahr Part #2 von seiner eigenen Interpretation in die Lichtspielhäuser. Haben Sie vorab vielleicht schon irgendwelche Prognosen, wie der Film beim Publikum und ganz besonders bei den Fans ankommen könnte? Was halten Sie von Zombies Arbeiten?

"Ich sehe persönlich keinen Wert in Outtakes und bearbeitetem Material, aber wenn die Fans es ausgraben, ist es mehr eine Leistung für sie. Für mich ist es letztendlich der Film der zählt. Ich liebe Rob Zombies Arbeiten. Er ist ein hervorragender Regisseur und ich mochte alles, was er getan hat. Ich sah vor kurzem THE HAUNTED WORLD OF EL SUPERBEASTO und es war ein Vergnügen. Sein HALLOWEEN II verspricht Michael Myers in eine andere Richtung zu lenken, etwas was das Franchise braucht."

Independentfilme oder eher Mainstream?

"Normalerweise bin ich von Mainstream-Filmen enttäuscht. Ich habe mehr mit Indies zu tun, die mich nicht im Stich lassen. Ich schätze auch sehr ausländische Horrorfilme."

Hollywood im Remakewahn: eine Tatsache, die sich nicht mehr abstreiten lässt. Was halten Sie davon, dass auf fast jeden guten oder auch schlechten Klassiker mittlerweile eine Neuinterpretation folgt?

"Ja, es ist sehr quälend, alle diese Remakes zu sehen. Aber wenn die Fans nicht hinlaufen würden, um sie zu sehen, dann würden sie nicht so viel Geld verdienen und Hollywood würde es nicht zur Kenntnis nehmen. Aber auf alle drei oder vier schlechten Remakes (THE WICKER MAN, PROM NIGHT, THE HITCHER…) bekommen wir auch des Öfteren ein paar gute, wie MY BLOODY VALENTINE, THE HILLS HAVE EYES, DAWN OF THE DEAD und TEXAS CHAINSAW MASSACRE (Wiederbelebung)."

My Bloody Valentine 3D machte es vor und Alexandre Aja setzt es mit seinem Remake Piranha 3D fort. Was halten Sie vom 3D-Kino und sieht so die Zukunft aus?

"Ich mag 3D, wenn es nicht nur eine Spielerei ist. Ich liebe CORALINE und MY BLOODY VALENTINE. In Anbetracht der "zusätzlichen Dimension" sorgt es für eine intensivere Theater-Erfahrung, wie IMAX."

Ein Horrorfilm, den man 2009 nicht im Kino verpassen sollte …

"THE WOLFMAN"

Gibt es am Ende dieses Interviews vielleicht noch einige Menschen, denen Sie gerne danken wollen?

"Die Leute, die mich in meinem Beruf unterstütz haben: FAMOUS MONSTERS’ Forry Ackerman, STARLOG’s David McDonnell und der ehemalige FANGO Redakteur David Everitt. Und natürlich meine Eltern und meiner Frau Marguerite."

Vielen dank, dass Sie sich die Zeit fürs Interview genommen haben.

"Es war mir ein Vergnügen."



Links zum Thema FANGORIA & Tony Timpone

Tony Timpone in der IMDb
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© der Bilder liegt bei Tony Timpone

© des Interviews bei DVD-Forum.at (Marcel Zybell)



Quelle: © DVD-Forum.at