Return to Sender - Regisseur Boris Schaarschmidt im Interview

Verfasst von am 11.10.2008 um 00:00

"Meist spreche ich Dinge nicht offen aus sondern lasse den Zuschauer selber entscheiden
und die Geschichte selber deuten."


Boris Schaarschmidt


NASSRASUR, GREEN & PROJEKTIONEN Regisseur Boris Schaarschmidt
über seinen neusten Film RETURN TO SENDER





3 Wörter, die ihre Person beschreiben?

Freundlich, kreativ, entschlossen

Wie sind Sie dazu gekommen Regisseur zu werden und gibt es vielleicht irgendwelche Einflüsse aus Ihrer Kindheit?

Ich wollte eigentlich schon immer Filmemacher werden. Als ich ganz klein war, wollte ich mal Astronaut werden und liebte Science-Fiction und Abenteuergeschichten. Ich war ein ganz großer Star Wars und Star Trek Fan. Irgendwann kam dann wohl der Entschluss, diese Geschichten selber erzählen zu wollen. Wahrscheinlich wird man als Filmemacher nie erwachsen. Besonders wenn man fantastische Geschichten erzählen will. Als Filmemacher hat man das Glück, auf der Leinwand seine Kindheitsträume ausleben zu können. Nur ist Filmemachen eben viel teurer und aufwendiger, als mit Spielzeugen zu spielen. Aber der Spaß und die Kreativität ist gleich.

Haben Sie irgendwelche Vorbilder, die Sie vielleicht auch in Ihrer Arbeit beeinflusst haben?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt eine Menge Filme und Regisseure, die ich gut finde, aber ich würde sie nicht als Vorbilder bezeichnen. Ich will auf jeden Fall meinen eigenen Stil finden. Aber ganz bestimmt haben die Filme von Ridley Scott oder Steven Spielberg einen großen Einfluss auf mich gehabt.

Ihr Werdegang ist ziemlich beeindruckend und daran lässt sich erkennen, dass Sie schon einiges erreicht haben. Was war für Sie das Schönste davon im Bezug auf Filme?

Jeder Film ist ein Erfolg. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man im Kino sitzt und den fertigen Film mit anderen teilen kann. Letzten Endes erzählt man ja den Film für ein Publikum. Daher ist es immer das Schönste, wenn man sein Publikum erreicht. Besonders bei Kurzfilmen ist es ja nicht immer selbstverständlich, dass man die Möglichkeit hat, den Film in einem Kino geschweige denn im Fernsehen zu zeigen. Es war ein toller Erfolg, als Nassrasur auf einer Kurzfilm Kompilation auf DVD erschienen ist. Mehr kann man für einen Kurzfilm nicht wollen.
Sie haben sich ja mit der Heavy B Production® eher auf aufwendig inszenierte Kurzfilme spezialisiert. Worin liegt der Reiz an solchen Produktionen?

Der Reiz ist eher ein praktischer. Kurzfilme sind eine gute Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen. Wie ein Gesellenstück oder eine Callingcard. Daher lege ich großen Wert darauf, dass meine Kurzfilme rundum den gleichen Anspruch haben, wie ein Spielfilm. Es freut mich immer, wenn Leute nach dem Film sagen, dass Sie jetzt gerne noch eine Stunde lang weitergeschaut hätten. Das ist für mich das größte Kompliment. Der nächste Schritt ist der Spielfilm. Aber man muss in Bewegung bleiben, sein Handwerk trainieren und üben. Es kann also durchaus sein, dass ich nochmal einen Kurzfilm mache. Ideen habe ich genug!

Wird man von Ihnen auch irgendwann einen abendfüllenden Spielfilm zu sehen bekommen oder bleiben Sie den Kurzfilmen treu?

Mein Ziel war es von vornherein Spielfilme zu machen. Momentan entwickle ich mehrere Projekte und bin guter Dinge, meinen ersten Spielfilm bald realisieren zu können. Mit Kurzfilmen lässt sich leider auch kein Geld verdienen, obwohl es großartige Kurzfilme gibt und Kurzfilme oftmals sogar viel kreativer, neuer und spannender sind als so mancher Spielfilm. Ich werde sicher hier und da immer mal wieder einen Kurzfilm machen.

Ihre Filme GREEN, SPENT, PROJEKTIONEN und NASSRASUR wurden mit verschiedenen Preisen auf Festivals ausgezeichnet. Was ist das für ein Gefühl, wenn man plötzlich erfährt, dass z. B. "Green" auf den ASC Awards in Los Angeles unter der Kategorie "honorable mention" gewonnen hat?

Es ist eine enorme Bestätigung für die eigene Arbeit und die des Teams. Alle haben das Gefühl, dass der Schweiß und die Tränen sich gelohnt haben. Es ist eine große Motivation weiter zu machen.

Können Sie uns verraten, worum es genau in dem neusten Projekt RETURN TO SENDER geht?

Es ist ein Drama. Simon ist ein Mann, der in der Hektik des Alltags und der alltäglichen Probleme vergisst, worauf es wirklich ankommt im Leben und wie wichtig seine Familie ist. Ein tragischer Unfall lässt ihn gerade das realisieren. Die Frage ist, ob es nicht schon zu spät ist. Der Film hat, wie fast alle meine Projekte, einen magischen, surrealen Aspekt. Ich würde meine Erzählweise als eher visuell, nicht sehr dialoglastig, beschreiben. Meist spreche ich Dinge nicht offen aus sondern lasse den Zuschauer selber entscheiden und die Geschichte selber deuten. RETURN TO SENDER ist eine magische Geschichte, mit der sich, glaube ich, jeder von uns ein Stück weit identifizieren kann.

RETURN TO SENDER ist unter die letzten Finalisten auf dem diesjährigen "Doorpost Film Projects" gekommen. Was hat Sie dazu bewegt, an so einem Projekt teilzunehmen?

Ich gebe zu, dass ich nicht allzu viel über die Organisation, die dahintersteht, gewusst habe. In der ersten Runde musste man einen fünf-minütigen Kurzfilm einreichen, die Themen waren vorgegeben. Den Top 15 Finalisten winkten 10.000 USD, mit welchen man für das Finale in Nashville einen neuen Kurzfilm drehen sollte. Die Möglichkeit einen weiteren Film zu machen war Reiz genug. Für das Thema LOVE drehten wir ELENORA und wir kamen prompt unter die ersten 15. Letzten Endes ließ das Doorpost 18.000 USD für jeden der Gewinner springen und wir durften alle einen Kurzfilm zum Thema HOPE drehen. Mein Beitrag war RETURN TO SENDER . Ich hatte nicht damit gerechnet, so kurz nach dem Ende meines Studiums einen neuen Kurzfilm auf so hohem Niveau drehen zu können. Normalerweise braucht man lange, um das entsprechende Geld zusammenzubekommen. Das Festival war eine tolle Möglichkeit, in der Übung zu bleiben.

Warum hat es Sie schon immer nach Amerika gezogen und was lässt sich dort realisieren, wovon man vielleicht in Deutschland nur träumen kann?

Ich wollte nach Amerika, weil hier die Filme gedreht wurden, die ich immer gerne machen wollte. Der amerikanische Traum und der Mythos Hollywood haben nach wie vor einen starken Reiz. Es war eine unglaublich tolle Erfahrung in Hollywood zu studieren und zu arbeiten. Ich habe viel über das amerikanische Studiosystem gelernt und durch die vielen Projekte, die wir an der Schule realisiert haben, hat sich mein Erfahrungsschatz enorm erweitert. Ich glaube, dass in Hollywood immer noch alles möglich ist. Zwar gibt es hier zehntausende, die in Coffeeshops sitzen, Drehbücher schreiben und darauf warten, ihren Durchbruch als Regisseur zu haben, aber ich weiß, dass Qualität, harte Arbeit und ein guter Kontakte sich langfristig durchsetzen. Ich will aber Deutschland auf keinen Fall den Rücken kehren. Ich arbeite gerade an einem Drehbuch, dass ich in Deutschland realisieren möchte, und hoffe natürlich, dass es klappt. Mein größter Wunsch wäre es, in beiden Ländern arbeiten zu können.

Sind schon weitere Projekte in Planung und wenn, könnten Sie uns dann vielleicht schon etwas darüber verraten?

Ich arbeite gerade an drei Drehbüchern für Spielfilme. Zwei der Drehbücher sind englischsprachig. Eines schreibe ich selber (daher dauert es leider auch ewig:), das andere schreibe ich mit einem Freund von mir, der ein sehr talentierter Drehbuchautor ist und auch schon an RETURN TO SENDER mitgearbeitet hat. Ich kann noch nicht viel über dieses Projekt verraten aber ich bin total begeistert und davon überzeugt, dass es ein Projekt wird, für welches Hollywood sich interessieren wird. Es ist ein Roadmovie, teilweise basierend auf einer wahren Geschichte. Aber mehr kann ich nicht sagen.

Ein anderes Drehbuch schreibe ich für den deutschen Markt und somit auf Deutsch. Es ist ein Drama mit Kindern. Bei RETURN TO SENDER habe ich das erste Mal mit Kindern gedreht und war sehr nervös. Es hat aber hervorragend geklappt und sehr viel Spaß gemacht. Das war eine gute Übung für dieses Spielfilmprojekt, bei welchem ein Geschwisterpaar und dessen Eltern im Mittelpunkt stehen.

Weitere Infos zum Regisseur und seinen Filmen findet man unter

http://www.borisschaarschmidt.com/



Quelle: DVD-Forum.at