V'07 Special: Stephanie Rothman

Verfasst von Eduardo D'Amaro am 23.10.2007 um 00:00 EMANZIPATION UND EXPLOITATION – Die Filmemacherin Stephanie Rothman


Dass die VIENNALE nicht nur auf den ersten Blick anspruchsvolles Filmprogramm, sondern auch hin und wieder Tummelplatz für allerlei – mehr oder weniger – vergessene populäre Filme ist, hat sie spätestens letztes Jahr mit dem Screening zu Cannibal Ferox bewiesen. Und mit Dario Argentos Suspiria war auch das Publikum, das sich am „klassischen“ Horrorfilm erfreut, höchst zufrieden gestellt.

Doch Hans Hurch widmet dieses Jahr gleich einen ganzen Schwerpunkt dieser Schiene, die durch Tarantino und Rodriguez (und andere) wieder an Popularität gewonnen hat. Die Auswahl fiel jedoch - „typisch“ VIENNALE – auf eine der wenigen Frauen, die sich im Exploitationberebereich einen Namen machen konnten - Stephanie Rothman. Und somit widmet ihr nicht nur die VIENNALE, sondern auch DVD-Forum.at ein Special!

Rothmans Markenzeichen

Nach einem Soziologie- und Filmstudium an der University of California verdingt sich die junge Regisseurin Stephanie Rothman Mitte der 60er-Jahre beim legendären "King of the Bs"-Produzenten Roger Corman. Als erste Frau für Cormans "New World Pictures" tätig, zeichnet Rothman 1970 mit The Student Nurses für ein eindrucksvolles und außerordentlich erfolgreiches Debüt verantwortlich. Die billige Story rund um eine Gruppe attraktiver Schwesternschülerinnen erzählt die Regisseurin mit einer bis dahin ungekannten ironischen und intelligenten Mischung aus Sexploitation und Sozialkritik, nackter Haut und feministischem "Girls and Guns"-Engagement, ein filmischer Gestus, der fortan zu Rothmans Markenzeichen wird.

Subversives Low Budget-Spektakel



Mit einer Handvoll Filme wie The Velvet Vampire (1971), Group Marriage (1973), Terminal Island (1973) oder The Working Girls (1974) entwirft Stephanie Rothman in nur wenigen Jahren ein wildes, persönliches Subgenre. Sex, Gewalt und Geschlechterkampf als subversives Low Budget-Spektakel. Auf der Gefangeneninsel, in der Wüste, am Badestrand. Fast and furious und dem slicken Retrokino eines Quentin Tarantino um Lichtjahre voraus.

Mitte der 70er Jahre dreht Rothman ihren letzten Film und verschwindet fortan in der Vergessenheit. Und mit ihr eine der eigenwilligsten und interessantesten Frauen des amerikanischen Kinos der 60er- und 70er Jahre. (Viennale)
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- "Ich verschleiere nichts" - Stephanie Rothman im Exklusivinterview

- Action All Inclusive – Stephanie Rothmans TERMINAL ISLAND

- Darling, Companion - Stephanie Rothman lädt zur GROUP MARRIAGE

- Zum VELVET VAMPIRE TRAILER auf youtube



Stephanie Rothmans Filme auf der VIENNALE

THE STUDENT NURSES
1970, Farbe, 82 Minuten

Vier Krankenschwesternschülerinnen sind nicht nur am Arbeitsplatz gefordert, sondern haben auch sonst alle Hände voll zu tun, um diverse Schwierigkeiten zu bewältigen: Einem erfolgreich abgewehrten Vergewaltiger wird die gerechte Strafe zuteil, das Thema Abtreibung löst rege Diskussionen aus, und nicht zuletzt macht sich auch die angespannte politische Situation am Beginn der 70er Jahre bemerkbar.

Termine:
26.10., 21:00 Uhr in der Urania
29.10., 23:00 Uhr im Stadtkino




THE VELVET VAMPIRE
1971, Farbe, 80 Min

Die lesbische Vampirin Diane Le Fanu lernt auf einer Kunstausstellung ein junges Paar kennen, das sie auf ihren luxuriösen Landsitz in der Wüste lockt. Als das neugierige Paar die wahre Natur ihrer Gastgeberin erkennt, versucht es zu fliehen... The Velvet Vampire schließt mit einer großartigen Verfolgungsjagd durch die Straßen von Los Angeles.

Termine:
25.10., 23:30 Uhr im Gartenbaukino
27.10., 18:30 Uhr im Metrokino


GROUP MARRIAGE
1973, Farbe, 90 Min

Drei Frauen und drei Männer sorgen mit ihrer Gruppenhochzeit für Aufsehen beim Establishment. Aber nicht nur mit der Umwelt, auch innerhalb der offenen Partnerschaft gibt es Probleme. Sind zum Beispiel Seitensprünge erlaubt? Als Komödie für das Autokino gedreht, gibt es auch in Group Marriage wieder Strandszenen, Bikinis, Musik und viel nackte Haut. Nackt sind allerdings auch die Männer – und zwar nackter, als sie es nach den Zensurbestimmungen und den Hollywood-Gepflogenheiten sein dürften.

Termin:
30.10., 13:30 Uhr - Künstlerhaus


TERMINAL ISLAND

1973, Farbe, 88 Min

Auf einer Gefängnisinsel vor der Küste Kaliforniens, umringt von Haien und Minen, die Wärter überflüssig machen, herrscht ein strenges Regiment. Einige Frauen werden als Sklavinnen gehalten. Die gerade neu angekommene Carmen bildet zusammen mit ihnen und einigen Männern eine Rebellengruppe, die aufbegehrt und mit Carmen als Anführerin in den Kampf zieht. Terminal Island, Stephanie Rothmans vielleicht bekanntester Film, besitzt dennoch mit seinen impliziten Ideen von einem friedlichen, egalitären Zusammenleben beinahe utopische Qualitäten.

Zu unserer Filmvorstellung

Termin:
30.10. 23.30 Uhr - Urania


THE WORKING GIRLS
1974, Farbe, 81 Min

Honey kommt ins sonnige Los Angeles, um ein neues Leben zu beginnen. Sie ist auf der Suche nach Arbeit und gibt eine entsprechende Annonce auf: „I’ll do anything for money“. Jill hingegn, die in einem Striptease-Lokal arbeitet, scheint Glück zu haben: Die Stelle als Geschäftsführerin steht ihr in Aussicht. Und dann ist da noch Denise, die ebenfalls ihre ganz eigenen Ansichten von Frauenarbeit hat.

Termine:
28.10., 16 Uhr - Künstlerhaus