DIAGONALE 08- Tag 3: Rette, wer kann (den Österreichischen Film)
Hinter den Kulissen wird’s heiß und spannend. Ein offener Brief der Regisseurin Ruth Beckermann ist aufgetaucht und sorgt für hitzige Stimmung. In dem Schreiben beanstandet Beckermann gleich mehrere Dinge: Mit Back to Aftrica sei „wieder einmal ein mäßiger TV-Film“ als Eröffnungsfilm ausgewählt worden, mit der Auswahl des ägyptischen Schriftstellers Tarik el Taieb stelle Birgit Flos unter Beweis, dass sie sich „Afrika als ein Land“ vorstelle, und dass im Anschluss afrikanische Bohnensuppe von afrikanischen Köchen ausgeschenkt wurde, sei schlichtweg skandalös. Flos reagierte am Samstag darauf (meiner Meinung nach zu Recht) empört über die Vorwürfe, tat Frau Beckermann aber insofern einen Gefallen, dass sie auch noch recht emotional wurde. In einem eifrig einberufenen Pressegespräch (online nachzuhören auf der Diagonale Webseite) stellte sie enttäuscht fest, dass sie nach Ablauf ihrer Intendanz mit der österreichischen Filmbranche nichts mehr zu tun haben wolle. Back to Africa Regisseur Othmar Schmiderer reagierte in einer kurzen Aussendung ebenfalls erbost über die Untergriffe seiner Filmemacherkollegin und begründete sein Fernbleiben von der Pressekonferenz damit, „dieser Schlangengrube kein zusätzliches Futter“ liefern zu wollen.

Tag 3 stand wieder mehr im diskursiven Schwerpunkt „Film sehen lernen“, bildete doch die Podiumsdiskussion mit Bundesministerin Dr. Claudia Schmied den Abschluss dieser Initiative für den österreichischen Film. Diese betonte nochmals die bereits erfolgte Erhöhung für das Budget des ÖFI um 50%. In der Diskussion selbst argumentierten die Teilnehmer leidenschaftlich wie auch realistisch, eine „Utopie Schule“ wird es wohl auch auf längere Sicht nicht geben, Medienkompetenzen sollen jedoch bei Lehrern wie Schülern massivst erweitert werden. Etwas seltsam: Man wurde den Eindruck nicht los, dass die Diskutanten meinten, aus Österreich nur gute Filme kämen, die alle angeschaut werden müssten, während hingegen Filme aus anderen Ländern unwichtig wären. Nur im patriotischen Sinne ist diese Sichtweise legitim.

Dass aus Österreich nicht nur gute, sondern auch hervorragende Kinofilme kommen, zeigt das neue Werk von Götz Spielmann, Revanche. Wenn auch etwas konstruiert und österreichisch-depressiv, funktioniert dieser subtile Thriller über Schuld, Gegenschuld und Unschuld und hinterlässt einen bleibenden und äußerst starken Eindruck. So stark, dass der Film am Abend mit dem Hauptpreis als bester österreichischer Spielfilm ausgezeichnet wurde.

Eleganter kann man wohl kaum überleiten – eigentlich wollte ich ja der Preisverleihung fern bleiben, aber irgendwie zieht es einen dann doch zu Glamour, Ruhm und Reichtum hin. Souveränst von Lokalmatador Michael Ostrowski moderiert, wurden in Windeseile zahlreiche Preise vergeben: Götz Spielmann erhielt für Revanche den Preis für den besten Spielfilm, Marko Döringer für Halbes Leben das Pendant für den Dokumentarfilm. Den erstmals von der Kleinen Zeitung vergebenen Publikumspreis erhielt Katharina Weingartners Sneaker Stories.
(Bildquellen: 1 u 3: diagonale.at; 2: filmladen.at)

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