DIAGONALE 08: Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin

Verfasst von Eduardo D'Amaro am 31.03.2008 um 00:00


Regie: Libertad Hackl
AT 2007, 43 Min

Drei Geschichten, in denen die Protagonisten auf der Suche nach einem Gefühl von Heimat sind, verwebt Libertad Hackl in ihrem Film Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin. Schauplatz ist die „Excalibur City“, ein riesiges Einkaufszentrum im Grenzgebiet zwischen Tschechien und Österreich. Ist auf diesem Terrain, das für sich genommen schon keine eindeutige Zugehörigkeit aufweist, die Suche nach Heimat überhaupt möglich?

Lin wächst als Adoptivtochter in einer österreichischen Familie auf und macht gerade ihre rebellische Phase durch. Sie weiß, dass sie nicht mehr zurückkehren kann, wo sie herkommt, fühlt sich einsam, missverstanden und fügt sich selbst Verletzungen zu. Ein Familienausflug bringt sie in die „Excalibur City“. Magda hat andere Sorgen: Der Vater ihrer Tochter will sich nicht um das Kind kümmern und es gestaltet sich als schwierig, Ersatz zu finden. Ihre Freundin gibt ihr beim gemeinsamen Mittagessen den Rat, es doch mal mit Strapsen zu versuchen. Und tatsächlich – in den neuen Strümpfen ist das Lebensgefühl gleich ganz anders, wenn auch die Probleme dadurch nicht verschwinden. Und schließlich ist da noch Ludvik, der auf der Durchreise zufällig im Cafe eine Jugendfreundin erkennt und mit ihr den Nachmittag in Erinnerungen verbringt. Auch er sehnt sich nach einem anderen Leben…



So unwirklich wie die in die karge Landschaft eingebettete Burg, die mit Billigpreisen und Abwechslung lockt, wirkt, so echt sind die Ängste und Sehnsüchte, die Libertad Hackl in ihrem bisher ambitioniertesten Projekt zu Tage fördert, ohne dabei ihre Protagonisten bloß zu stellen. Stattdessen beherrscht sie die Klaviatur des Feingefühls und dringt subtil unter die Oberfläche, weniger um die Bezüge der Charaktere in ihren jeweiligen Alltagsgefängnissen darzustellen, sondern viel mehr um sie mit ihren Gefühlen zu konfrontieren. Das überträgt sich auch auf den Zuschauer, der sich mit kühlen Bildern auseinandersetzen muss, um am Schluss doch noch einen Funken Hoffnung auf den Weg zu bekommen. Ein sehr intensives Erlebnis.

Auf der DIAGONALE 08 wird der Film mit dem Thomas-Pluch-Drehbuchförderpreis ausgezeichnet!

ZUM INTERVIEW MIT REGISSEURIN LIBERTAD HACKL

Termine
Donnerstag, 3. April, 18:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 1
Samstag, 5. April, 12:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 1