DIAGONALE 08: The Moon The Sea The Mood

Verfasst von Eduardo D'Amaro am 29.03.2008 um 00:00


Regie: Philipp Mayrhofer und Christian Kobald
FR/AT 2008, 47 Min

Die Tagebücher des polnisch-habsburgischen Ethnologen Bronislaw Malinowski, der sich in den 10er Jahren des 20. Jahrhunderts in den Eingeborenendörfern Papua-Neuguineas niedergelassen hatte, bilden den Ausgangspunkt für Philipp Mayrhofers und Christian Kobalds Film. Die Regisseure versuchen, Spuren und Reste der Eindrücke, zum einen der Art, wie sie Malinowski auf- und wahrnehmen hätte können, zum anderen aber auch wie er sie in seinen Aufzeichnungen geschildert hat, wieder zu finden.
Das Filmessay findet hier auf zwei Ebenen statt – zum einen werden verschiedenste Tagebucheintragungen, die es für den Zuschauer nicht gerade einfach machen, Malinowski als forschungs- und wissbegierigen Ethnologen zu sehen, sondern vielmehr als durchaus launische Menschennatur – zum anderen durch die Filmemacher selbst.




Sie begegnen auf ihrer Reise durch die Inselwelt verschiedensten Menschen – einem poetischen Gärtner ebenso wie einem indischen Missionar, der den Eingeborenen unter anderem auch „wertvolle“ Filme wie Gladiator zeigt und auf die Frage, welcher der Lieblingsfilm seiner Schäfchen sei, mit Rambo antwortet. Auch davor macht der amerikanische Filmimperialismus nicht halt.
Am Ende der 47 abwechslungsreichen Minuten steht man wieder am filmischen Anfang, wenn der Fahrer eines Jeeps vor der Legendenbildung warnt. Malinowski hat mit seinen Aufzeichnungen erstmals über eine fremde Kultur berichtet und sie so überhaupt in den Köpfen entstehen lassen, Mayrhofers und Kobalds filmische Bestandsaufnahme hundert Jahre später zeigt, dass doch nichts bleibt wie es ist und hinterfragt in ironischer Art und Weise die Bildung von Mythen und Legenden.

Termine:
Freitag, 4. April, 21:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 1
Sonntag, 6. April, 18:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2