Jeder, der Flamenco, sowohl in musikalischer als auch in tänzerischer Form nicht ausstehen kann, braucht gar nicht erst weiter zu lesen und sollte IBERIA tunlichst meiden. Auch auf die Gefahr hin, einen der optisch schönsten Musikfilme aller Zeiten zu sehen. IBERIA richtet sich an eine ganz bestimmte Zielgruppe und wer sich auch nur ein bisschen für die Musik interessiert, den nimmt Saura auf eine unvergessliche 90 minütige Reise mit!
IBERIA ist inspiriert von dem spanischen Komponisten Isaac Albéniz, der im 19. Jahrhundert den "spanischen" Stil ungemein prägte und häufig folklore Elemente in seine Musik einband. So gleicht auch der Film einer Reise durch Spanien - die unterschiedlichen Tänze sind oft nach Orten oder Regionen benannt. IBERIA ist ein Musical in seiner reinsten Form und verzichtet völlig auf narrative Elemente - seine Geschichte(n) erzählt der Film lediglich in seinen Tanzszenen. Indem Saura jedoch auch Proben und Vorbereitungen in diesen Prozess einbindet, schafft er - nicht sehr häufig, aber doch - Unterbrechungen, in denen die Tänzer durchaus miteinander kurz zu sprechen beginnen. Dadurch schafft er einen besonders heterogenen Einblick in die Szenen.
Was an IBERIA jedoch am allermeisten fasziniert, sind definitiv die "filmischen" Bestandteile: Kulissen, Beleuchtung, Ausstattung und eine äußerst lebendige Kamera machen den Film zu einem visuellen Hochgenuss! Projektionen und Reflektionen schaffen ungeheuere Schichten im Bild, das so oft unendlich wirkt, jedoch nie überladen: Saura weiß diese Elemente nämlich dosiert und wirksam einzusetzen!
In einem Interview meint Saura dazu: "Das Auge ist die beste Kinokamera, die je erfunden wurde. In der cinematografischen Realität ist es nicht möglich, so frei zwischen zwei Orten zu wechseln. Hier muss man eine Wahl treffen, und dies resultiert immer in einer der schmerzvollsten Entscheidungen: Welches szenische Fragment bleibt im Kasten und welches soll auf der Leinwand bleiben? Aber es eröffnet sich eine neue Welt durch die Videoprojektionen auf den Trennwänden".
Der Regisseur, der zu den erfolgreichsten Spaniens zählt und mit "Bodas de Sangre", "Carmen" (oscarnominiert), "Sevillanas" und "Flamenco" bereits filmische Tribute an die Musik seines Landes gezollt hat, beweist auch mit IBERIA eindrucksvoll, wie man mit wenigen Mitteln größtmögliche Effekte erreichen kann. Wer sich auf diesen musikalischen Bilderreigen der Superlative einlassen will, kann am Ende nur voller Begeisterung aus dem Kino kommen!
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