Mehr als sechs Jahre mussten sich Bessons Fans gedulden bis mit Angel - A, sein nächstes Projekt, das Licht der Leinwand erblickt. Zu sehr hat Luc Besson sein Talent als Produzent in Dutzende mehr oder weniger nutzlose Werke gesteckt. Als seine letzte Regiearbeit The Messenger: The Story of Joan of Arc, trotz guten Kritiken an den Kassen floppte, wurde es ruhig um den Franzosen. Einzig die von ihm in letzter Zeit verfassten Drehbücher drangen aufmerksam in die Öffentlichkeit. Nun ist er wieder zurück an dem Platz wo er hingehört, auf den Regiestuhl. Und diesen Stuhl füllt er mit Präsenz aus, die ihm seit jeher ausgezeichnet hat. Angel - A ist ein kleiner aber feiner Film über Liebe, Angst, das Versagen und der Hoffnung. Angel - A bietet alles was ein cineastisches Herz benötigt. Er beinhaltet Wortwitz, ist sensibel, berührend und mit einer imposanten schwarz / weißen Bildsprache ausgestattet. Jedes einzelne eingefangene Bild erlaubt dem Liebhaber seiner Kunst ein kleines zufriedenes Seufzen. Fast jede Abbildung eingerahmt würde stilgerecht in eine Ausstellung passen. Dabei sei es jedem einzelnen Zuseher selbst überlassen ob er die von Besson selbst geschriebene Geschichte originell findet, oder nicht. Der Punkt ist einfach das Luc Besson das gewisse Gefühl besitzt, jede Szene in eine bestimmte Stimmung zu bringen. Das Flair das Angel - A umgibt ist intensiv und eindrucksvoll. Um diese Bilder in den richtigen Rahmen zu bekommen engagierte Luc seinen französischen Landsmann und Freund Thierry Arbogast. Er gilt als absolutes Genie und einer der großen Photographen Frankreichs. Seine sinnlichen verträumt poetischen Bilder im Film werden oft im Gegenlicht gehalten und ergeben deshalb des öfteren einen karikaturistischen Effekt den man aus diversen Scherenschnittfilmen kennt. Außerdem bietet Angel - A ohne Farben so viele Schattierungen an das getrost auf Bunt verzichtet werden kann. Kunst kann so schön und einfach sein. Und Paris als Schauplatz sowieso !
Ein Mann trifft eine Frau in Paris. ( Zitat: Luc Besson )
Als Hauptprotagonisten wurden zwei grundverschiedene Typen unter Vertrag genommen. Zum einen der kleinwüchsige Komiker Jamel Debbouze ( Die wunderbare Welt der Amelie ) der den notorischen Lügner und gefallenen Geschäftsmann verkörpert. Zum anderen das dänische Topmodell und Gucci Gesicht Rie Rasmussen, die von Gott gesandt, den kleinen frechen Chaoten wieder auf die Beine helfen soll. Die Beiden sind von so unterschiedlicher Statur das sie eine perfekte, fast bizarre Einheit ergeben. Ihre unendlich langen Beine, ihre Schlagkraft gepaart mit seiner Verzweiflung ergeben ein rührendes Resultat und tragen maßgeblich zum gelungenen Produkt bei. Die restliche Besetzung wurde nach einem typischen Besson Verfahren gecastet und ihre Charakter sind aus früheren Werken altbekannt. Sind es die grimmigen Ganoven mit gebrochener Nase oder die mafiosoähnlichen Gestalten mit Bürstenschnitt. Sie alle bezeichnen den Stil der sich wie ein dünner Faden durch das Gesamtschaffen Bessons zieht. Das Luc gewisse Vorlieben für bestimmte Ähnlichkeiten seiner Darsteller bekannt ist beweist die Besetzung von Rie Rasmussen im Vergleich zu Milla Jovovich.
Einzig die Tatsache das Eric Serra diesmal nicht für den Score eines Luc Besson Film zuständig ist, sorgt für Unmut und Verwirrung. Nicht das der Soundtrack von Anja Garbarek nicht passend oder gar unmelodiös wäre, aber eine vertraute Serra Melodie würde die Empfindung von Angel - A weiter anheben. Den Eindruck mit großer Wahrscheinlichkeit noch bleibender vermitteln. Serras einzigartige Klänge prägen ein Werk und von diesem Status ist die Komponistin und Musikerin Anja Garbarek noch deutlich entfernt. Doch sei für Bessons nächstes Vorhaben Entwarnung angesagt. In Arthur and the Minimoys ist Eric Serra wieder für die musikalische Untermalung zuständig.
Fazit:
Luc Besson beweist mit Angel - A einmal mehr sehr deutlich das es keinerlei Millionen Euro benötigt um einen hervorragenden Film zu inszenieren. Talent und vor allem Fingerspitzengefühl genügt um aus etwas Kleines etwas ganz Großes zu schaffen. Er besinnt sich wieder auf alte Stärken und sein Comeback lässt auf weitere Geniestreiche, wie Dieser einer ist, hoffen...
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