John Carpenters zweite einem größeren Zuschauerkreis zugängliche Regiearbeit ist in mancherlei Hinsicht ein modernes Genrehighlight, obwohl der Veröffentlichung in Amerika wenig Ruhm und Erfolg beschert waren. In Europa war die Rezeption durch Kritik und Publikum positiv; im Hinblick auf die weitere Entwicklung Carpenters erwies sie sich als die richtigere Einschätzung. Obgleich sich Assault gleichermaßen als Actionfilm, Thriller und Kammerspiel beschreiben lässt, ist er in erster Linie ein Paradebeispiel für einen spannungsstarken Actionfilm. Carpenter zeigt gleich zu Beginn die Ursache für den späteren Angriff auf das Polizeirevier. Es vergehen über vierzig Minuten, in denen die handelnden Personen eingeführt und auf der Wache zueinander gebracht werden. Vierzig Minuten, in denen drei Handlungsstränge zusammengeführt werden müssen, neun Menschen sterben werden und die Bedrohung durch die Gang langsam aufgebaut wird. Eine Bedrohung, die sich den ganze Film über hält.
Das Cruisen der vier Gangführer durch den verlassenen Vorort unterlegt Carpenter mit einem wirkungsvollen, düsteren elektronischen Score-Motiv. Abgesehen von den vier Bandenchefs, die anfangs blutige Rache schwören, sind alle Gangmitglieder anonymisiert und sprechen während des ganzen Angriffs kein Wort. Dies ist die eine Parallele zu Romeros Night of the Living Dead. Sie betrifft die Seite der anonymen, todesverachtenden Angreifer. Die andere Parallele betrifft die Seite der Verteidiger. Wie bei Romero ist der Held kein Weißer, sondern Schwarzer. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe muss sich arrangieren und verteidigen. Die Wache wird zum closed space, der belagert wird. Auch hier kommt es zu Konflikten – die freilich weniger ausgeprägt sind als in Night of the Living Dead – und die Charaktere sind in Ansätzen typisiert: der Stoische, der Abergläubische, die Hysterikerin, die Gewandte. Auch bei Howard Hawks schaute sich Carpenter das ein oder andere ab. So ist die Szene, in der Bishop Wilson eine Pump-Gun zuwirft, eine eins zu eins Kopie aus Rio Bravo. Neben namentlichen Referenzen ist auch die Grundkonstellation von Belagerten und Belagernden typisch Western.
Der sehr gute Cast dieser Low Budget Produktion, allen voran Austin Stoker, Dawin Joston und Laurie Zimmer macht zusammen mit der guten Regie- und Kameraarbeit kleinere Plotholes und unstimmige Verhaltensweisen weg. Die wenigen, wiederkehrenden Score-Themen transportieren die jeweilige Stimmung intensiv und effektiv. Selbst bei ausschließlich akustischer Wahrnehmung erschließen sich durch den Soundtrack Stimmung und Art des kommenden Geschehens.
Assault ist ein Meilenstein des Thriller-Genres, ein früher Carpenter, der auch heute noch bestens unterhält, für Spannung und fröhliches Filmgeschichteraten sorgt.
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