Paxton (Jay Hernandez), Josh (Derek Richardson) und Oli (Eythor Gudjonsson) sind junge Rucksacktouristen, die sich auf einer Rundreise durch Europa befinden. Ihr Urlaubsziel: Sex, Drogen und jede Menge Party! In Amsterdam erhalten sie einen Geheimtipp - ein Hostel in der Stadt Bratislava, in dem man(n) auf viele hübsche Mädchen trifft, die noch dazu einem nächtlichen Abenteuer nicht abgeneigt sind. Gesagt, getan - ab nach Bratislava! Im Hostel angekommen wähnen sich die drei Freunde im Paradies. Ihr Zimmer teilen sie mit jungen Schönheiten des weiblichen Geschlechts und der gemeinsame Saunabesuch fällt überaus vielversprechend aus...
Am nächsten Morgen jedoch stellt sich heraus, dass Oli plötzlich unauffindbar ist. Josh und Paxton fragen an der Rezeption nach und erhalten die Auskunft, dass er plötzlich abgereist sei. Zunächst können sie das gar nicht recht glauben, aber als dann später eine Fotonachricht von Oli's Handy eintrifft, scheint es ja wirklich zu stimmen. Als einen Tag später dann aber auch noch Josh plötzlich verschwunden ist, glaubt Paxton nicht mehr an die Geschichte von der Abreise. Er begibt sich auf die Suche nach seinem Freund, die ihn zunächst zu Svetlana (Jana Kaderabkova) und ihrer Freundin führt, jene zwei Mädchen mit denen sie zuletzt den Abend verbracht haben. Seine Nachforschungen bringen Paxton in Lebensgefahr, er findet sich in einem Netz aus brutaler Folter und grausamen Morden wieder...
Nach dem Low-Budget Überraschungshit CABIN FEVER öffneten sich für Regisseur Eli Roth eine Türen in der Filmbranche. Er knüpfte wichtige Kontakte, unter anderem zu Quentin Tarantino, der von Roth's Idee zu HOSTEL so begeistert war, dass er gleich als ausführender Produzent in das Projekt eingestiegen ist. Der Film wurde zwar großteils in der Nähe von Prag gedreht, spielt aber nicht in der tschechischen Republik, sondern in der Slowakei. Entgegen den Erwartungshaltungen, die primär durch so manch überschwängliches Review geprägt wurden, ist der erste Akt des Films überaus zahm. Die ersten 30 Minuten von HOSTEL haben mehr mit einer Teenager Sexcomedy gemein, als mit einem Horrorfilm. Die drei jungen Burschen ziehen durch das nächtliche Amsterdam, vom Coffeeshop bis in den Rotlichtbezirk und die einzige Furcht, die man als Zuseher eines Horrorfilms verspürt ist, dass man sich zu Tode langweilen könnte wenn es in dieser Tonart weitergeht. Es wird zwar das Handlungsgerüst des Films aufgebaut und die Charaktere eingeführt, von Spannungsaufbau ist HOSTEL im ersten Akt aber meilenweit entfernt. Diese Stimmung ändert sich erst mit dem Verschwinden von Oli, dann aber dafür sehr deutlich...
Der zweite, speziell aber der dritte Akt des Films ist da schon interessanter für den Horrorfan. Die Stimmung wird immer bedrückender, was zunächst noch als farbenfrohe und belebte Stadt dargestellt wurde, verdüstert sich zusehends in kahlen Seitengassen die irgendwie bedrohlich wirken. Paxton's Situation wird zunehmend auswegsloser, dazu kommt, dass HOSTEL in der zweiten Hälfte endlich zeigt was genau mit den verschwunden Personen passiert ist. Die brutalen und teilweise sehr explizit dargestellten Folterszenen des Films reichen von der Durchtrennung von Gliedmaßen, über Bohrmaschinen, die sich in den Brustkorb des Opfers bohren, bis hin zu Kettensägenattacken. Obwohl diese Folterszenen in ihrer brutalen Direktheit sicher ein Highlight für Splatter- und Gorefans darstellen, muss man aber in dem Zusammenhang klar sagen, dass selbst die "unrated Version" von HOSTEL irgendwann mal abblendet. Manchmal vielleicht sogar früher, als das so mancher Fan deftiger Splattermovies erwartet. Hier ist es wichtig eine Relation herzustellen, um die Erwartungshaltung nicht in die Irre zu führen. Ja, HOSTEL ist definitv sehr blutig und ziemlich krank, verglichen mit den meisten anderen US-Splattermovies der letzten Zeit. Nein, HOSTEL zeigt keine endlose Tortureshow in der Dimension eines BLOODSUCKING FREAKS. Die Folterszenen in HOSTEL sind meist nur sehr kurz, speziell sparsam ist Regisseur Roth mit langen, blutigen Close Ups. Wer beispielsweise ICHI THE KILLER im Dvd-Schrein hat, oder seine Lucio Fulci Sammlung bereits vor Jahren komplettieren konnte, wird nicht so recht in das allgemeine "Wow" ob des übermäßigen Goregehalts von HOSTEL miteinstimmen wollen. Andererseits, und das muss man HOSTEL zweifellos attestieren, wirkt der Film durch seine nihilistische Atmosphäre von Ausweglosigkeit und der ultimativen Wehrlosigkeit der Opfer weitaus härter und verstörender als die meisten zuvor genannten. Erst in der Kombination der harten Splatterszenen mit der kruden Atmosphäre in der zweiten Filmhälfte liegt die eigentliche Schockwirkung des Films. Diese beiden Elemente funktionieren wie Multiplikatoren, die sich gegenseitig hochrechnen und HOSTEL zu jener verstörenden Qualität verhelfen, die dem Zuseher wirklich in die Glieder fährt. Dazu kommt, dass die zweite Hälfte von HOSTEL, im Gegensatz zu Roth's CABIN FEVER, fast gänzlich auf Humor verzichtet, was die beinharte Intensität des Films zweifellos noch unterstreicht.
An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass in HOSTEL auch abseits der zentralen Folterszenen ordentlich gesplattert wird, speziell im letzten Akt des Films. Die überwiegend sehr gut gemachten Effekte stammen übrigens von Howard Berger und Gregory Nicotero, die u. a. Genreklassiker wie Rodriguez' FROM DUSK TILL DAWN, Romero's DAY OF THE DEAD und Yuzna's BRIDE OF RE-ANIMATOR zu ihrer Filmographie zählen dürfen. In Summe gesehen wird HOSTEL seinem Ruf bzgl. Härtegrad zwar streckenweise gerecht, dennoch muss hierbei eine Differenzierung gemacht werden. Während Hardcore Horrorfans der wüsten Splattermovies der späten 1970er / frühen 1980er Jahre sicher schon weitaus heftigeres gesehen haben, wird HOSTEL mit Sicherheit jene Besucher vom Kinosessel fegen, die sich primär Filme mit einer Zahl hinter dem Titel ansehen. In beiden Fällen kann jedoch der äußerst schwache erste Akt von HOSTEL zu Langweile führen, aber dann geht's dafür umso mehr zur Sache! Wohl bekomm's...
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