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Twin Peaks

  • Informationen zum Film
  • Twin Peaks

  • Originaltitel:
    Twin Peaks
    Genre:
    Krimi, Thriller, Mystery, Drama
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1990
  • Inhalt
  • In der amerikanischen Kleinstadt Twin Peaks, früher Morgen: Pete Martell (Jack Nance) macht sich auf um fischen zu gehen. Am Flussufer findet er eine in Plastik gewickelte Leiche. Er verständigt umgehend Sheriff Harry S. Truman (Michael Ontkean). Die Leiche wird von der Polizei geborgen und als Laura Palmer (Sheryl Lee) identifiziert. Gleichzeitig macht sich Mrs. Palmer (Grace Zabriskie) bereits Sorgen um ihre Tochter. Sie ruft bei ihren Freunden und in der Schule an, und gerade als sie mit ihren Mann Leland Palmer (Ray Wise) telefoniert kommt Sheriff Truman um ihn über die schrecklichen Tatsachen zu informieren. Kurze Zeit später erfährt der Sheriff, dass die junge Ronette Pulaski ebenfalls abgängig ist...

    In der Highschool von Twin Peaks gibt der Schuldirektor die Nachricht von Lauras Tod bekannt und ihr Freund Bobby Briggs (Dana Ashbrook) wird von der Polizei vorübergehend festgenommen. Auch im örtlichen Sägewerk wird die Nachricht von Lauras Tod verlautbart. Die Besitzerin Jocelyn Packard (Joan Chen) schliesst das Werk für diesen Tag was zu einer Auseinandersetzung mit der Geschäftsführerin Catherine Martell (Piper Laurie) führt. Das Sägewerk ist ohnehin in finanziellen Nöten, welche der Unternehmer und Besitzer des "Great Northern Hotels" Benjamin Horne (Richard Beymer) nutzen will, um das Land für sein ambitioniertes "Ghostwood" Projekt zu erwerben. Doch ausgerechnet seine Tochter Audrey (Sherilyn Fenn) macht ihm erstmal einen Strich durch die Rechnung indem sie die norwegischen Investoren vergrault und zur Abreise veranlasst.

    Mittlerweile trifft FBI Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) in Twin Peaks ein, um die Ermittlungen im Mordfall Laura Palmer zu führen. Unter dem Fingernagel des Opfers entdeckt Cooper ein winziges Stück Papier, worauf der Buchstabe "R" zu lesen ist. Ein Indiz, dass es sich dabei um einen Killer handelt der bereits im ähnlich gelagerten Fall rund um die junge Teresa Banks zugeschlagen hat. In Laura Palmers Tagebuch entdeckt der FBI Agent eine kleine Menge Kokain und einen Schlüssel zu einem Bankschließfach, worin sich $10.000 und eine Ausgabe des Sexanzeigenmagazins "Flesh World" finden. Eine Annonce darin ist markiert, bei der jungen Frau handelt es sich offensichtlich um Ronette Pulaski, die zwar mittlerweile wieder aufgetaucht ist, aber mit Verletzungen infolge schwerer Misshandlungen im Koma liegt. Weitere Rätsel gibt der von der örtlichen Polizei aufgefundene Tatort auf. Neben einer Kette mit einem Anhänger in Form eines halben Herzens findet sich dort eine mit Blut geschriebene Nachricht: "Fire walk with me"...

    Aufgrund eines Hinweises in einem kurzen Videofilm von Laura Palmer und ihrer besten Freundin Donna Hayward (Lara Flynn Boyle) wird Agent Cooper auf den Biker James Hurley (James Marshall) aufmerksam. Er war Lauras heimlicher Freund und besitzt die zweite Hälfte der herzförmigen Kette. Donna informiert ihn darüber, dass er von der Polizei gesucht wird. Daraufhin vergräbt er die Kette, welche ihn im Mordfall belasten könnte. Kurze Zeit später wird er von Sheriff Truman festgenommen. Doch jemand hat ihn beobachtet, als er die Kette vergraben hat und nimmt sie an sich...
  • Filmkritik
  • Wrapped in plastic -----
    TWIN PEAKS ist eine Kollaboration zwischen Kultregisseur David Lynch (ERASERHEAD, BLUE VELVET) und dem TV-Serien erprobten Autor Mark Frost (HILL STREET BLUES), die gemeinsam das Drehbuch verfassten. Bereits der Pilotfilm zeigt die delikate Melange aus typisch amerikanischer Seifenoper und den komplexen, seltsamen und düsteren Elementen eines David Lynch Films, welche TWIN PEAKS letztendlich ausmacht. Gerade letzteres ist im amerikanischen Mainstream TV dieser Zeit zweifellos als Novum zu sehen. TWIN PEAKS ist nicht nur eine Soap Opera mit etwas Anspruch, es ist eine völlig neue Herangehensweise, die sich zwar offenkundig gängiger Strukturen bedient, unter deren Oberfläche jedoch ein hochgradig komplexes und verstörendes Spiel mit der Wahrnehmung der Zuseher treibt. Ähnlich wie in BLUE VELVET sind unter den makellosen Oberflächen einer amerikanischen Kleinstadt Abgründe und Geheimnisse verborgen, die der geneigte Zuseher Folge für Folge erkunden darf. Darüber hinaus ist die Serie durchsetzt mit visuell inszenierten, wiederkehrenden Themen: Verkehrsampeln, welche von grün auf rot schalten tauchen ebenso immer wieder auf wie die sich im Wind wiegenden Äste der mächtigen Douglas Tannen, oder die mehrfach bildlich eingewobenen Nahaufnahmen des Deckenventilators im Palmer Haus. Hinter dieser Bildersprache verbergen sich die bedrohlichen Geheimnisse eines Mordfalls gleichsam wie ein Blick in die Abgründe amerikanischer Kleinstadtidylle, wie sie kaum jemand intensiver inszenieren kann als David Lynch. TWIN PEAKS ist die ultimative Soap Noir - willkommen in Lynchtown!

    Twin images -----
    Bereits nach den ersten paar Minuten Laufzeit entfaltet sich die komplexe Bildersprache der Serie, die mit einer Reihe von "Twin Images", also Verdoppelungen, beginnt. Der Titel "Twin Peaks" ist nicht nur der Name der Kleinstadt, sondern referenziert auf das Bild zweier Berge mit schneebedeckten Zwillingsgipfeln, welche als Symbol auf dem Ortsschild abgebildet sind. Die ersten Einstellungen des Pilotfilms zeigen weitere Doppel- bzw. Zwillingsmotive: zwei Enten im Wasser, der Wasserfall nahe des "Great Northern Hotels", welcher aus zwei kräftigen Wasserabflüssen besteht, sowie die zwei kleinen schwarzen Statuen auf der Kommode der im Spiegel verdoppelten Josie Packard. Diese "Twin Images" gewinnen mit Fortschreitung der Serie zusehends an Bedeutung, sowohl in Bezug auf die Inszenierung von Gegenteilen (z. B. die Farben Schwarz und Weiß), als auch zur Visualisierung zweier Seiten der verschiedenen Charaktere. Hier zeigt sich gleich vorneweg David Lynch's ungemeines Talent eine Geschichte primär mit Bildern zu erzählen. Als Leland Palmer gerade mit seiner Frau wegen der Abgängigkeit von Laura telefoniert und der Sheriff auf ihn zukommt, bedarf es nicht vieler Worte damit beide gleichzeitig realisieren, dass ihre Tochter tot ist. Obwohl ich vergleichbare Szenen wahrscheinlich schon unzählige Male gesehen habe, ist diese spezielle Inszenierung so immens intensiv, dass sie mir selbst nach wiederholten Ansehen noch eine Gänsehaut bereitet.

    There's always music in the air -----
    TWIN PEAKS ist als Mischung zwischen 50er Jahre Flair und Gegenwart inszeniert. David Lynch Aficionados ist sein ausgeprägter Faible für die Ästethik der 1950er Jahre sicher vertraut. In TWIN PEAKS frönt der Regisseur dieser Liebe offenkundig und ausgiebig. Obwohl davon ausgegangen werden kann, dass TWIN PEAKS in der Gegenwart spielt, werden sämtliche direkte Zeitbezüge tunlichst vermieden. So spielen zum Beispiel Computer und ähnliche technologische Spielzeuge eine sehr untergeordnete Rolle, Musik wird primär von Plattenspielern anstelle von CD-Playern wiedergegeben und Mrs. Palmer telefoniert mit einem massiven, alten, schwarzen Telefon welches sicher keinen Bezug zur Schnurlostelefonie der Gegenwart herzustellen vermag. Ein weiterer Indikator ist die Kleidung, die von den verschiedenen Figuren getragen wird. Sie bewegt sich zwischen den 1950er Jahren und der Bezeichnung "zeitlos", auf jeden Fall aber weitab gängiger Modetrends der 1990er Jahre. Angelo Badalamentis unverkennbarer Score vermag einerseits diese Atmosphäre in jazzigen Kompositionen famos zu transportieren, verquickt sie aber andererseits mit sphärischen, melancholisch düsteren Melodien, welche überaus gekonnt das immanente Bedrohungspotenzial zwielichtiger Geheimnisse rund um den mysteriösen Mordfall intonieren. Darüber hinaus darf natürlich, die für einen David Lynch Film typische, Inszenierung einer musikalischen Performance nicht fehlen. Was in ERASERHEAD der kurze Song der "Lady in the Radiator" war und die Darbietung von Isabella Rossellini des gleichnamigen Songs BLUE VELVET ausmachte, findet sich in TWIN PEAKS in der Performance von Julee Cruise im "Roadhouse" wieder. Obwohl hierbei ein gefühlvoller Lovesong deutlich gegen das Geschehen einer Schlägerei in der Bar anspielt wird, ist die Stimmung der Szene doch primär durch die sphärische Musik und der engelsgleichen Stimme von Julee Cruise geprägt.

    Zusammenfassend sei gesagt, dass der Pilotfilm zur Serie einerseits die schwierige Aufgabe erfüllt eine hohe Anzahl an handlungstragenden Figuren vorzustellen, andererseits jedoch ebenfalls eine Stimmung, eine Atmosphäre und einen Stil etabliert, der sich sehr wesentlich von üblichen Soap Operas unterscheidet. Eins ist klar: TWIN PEAKS macht süchtig nach mehr!
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    5,0
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
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