Obwohl George Jonas Romanvorlage “ Vengeance “ in seinen Aufzeichnungen der Wahrheitsgehalt fragwürdig erscheint, nimmt sich Steven Spielberg diesem heiklen Thema an. George Jonas Held in seinem Roman ist ein Mossad Agent namens Avner, den es offensichtlich wirklich gibt, aber dessen wahre Identität im verborgenen bleibt. Für Spielberg geht es primär um den Film, mehr als um eine wahre Geschichte. Also um noch einmal Revue passieren zu lassen stellen sich die Terrorakte im Dorf als wahrheitsgetreu und das danach als Fiktion dar. Trotzdem wird diese Geschichte von der ersten bis zur letzten Sekunde so erzählt als hätte sich alles genau so zugetragen. “ Munich “ verwendet eine Stilrichtung die den Betrachter glauben lässt, er sehe einen Film aus den 70er Jahren. Kalte Farben und Kaminskis unruhigen Bilder verstärken das Gefühl gerade einen 30 Jahre alten Film zu betrachten.
Der Film beginnt mit Originalaufnahmen aus dem Dorf. Man sieht einen Terroristen, der am Balkon die Geschehnisse bzw. die Polizeiaktionen verfolgt. Der Terrorist begibt sich in das Zimmer zurück und aus der Realität wird Fiktion. Jedes kleine Detail zur Vermischung von Wahrheit und Spielfilm wird genauestens beachtet. Die ersten 20 Minuten verlaufen in diesem Stil und sind für sich ein kleines Kunstwerk. Danach tritt Agent Avner und seine Mannen in Aktion und nach der 20 minütigen Halbdokumentation folgt ein gnadenloser Thriller. Spielberg setzt auf Charaktere. Minutiös wird jeder dieser Einheit beleuchtet. Erst sind sie Unbekannte, langsam jedoch Schritt für Schritt, erfährt der Zuseher über einen jeden dieser Aktivisten ihre wahre Vergangenheit. Kann man bei “ War of the World “ noch von einem schlampigen Regiestil sprechen, so hat Steven hier das Gegenteil bewiesen. Genaueste Einhaltung aller Komponenten ergeben ein Resultat das sich getrost sehen lassen kann. “ Munch “ ist strukturell und stilistisch sicher der beste Spielberg seit langer Zeit.
Wie in kleinen Episoden werden die Personen dieser Todesliste abgehandelt. Es entsteht dabei der ungeheure Aspekt immer wieder einen Spannungsaufbau mit anschließenden Höhepunkt zu erleben. Mit der Liquidierung jeder Person geht ein Kapitel zu Ende. Trotzdem dieses Verzeichnis kleiner wird gesellen sich neue Gefahren hinzu. Plötzlich werden die Jäger zu Gejagten denn die andere Seite sendet seine Boten aus. Und Steven Spielberg verstrickt perfekt ein Spinnennetz aus dem es kein Entrinnen gibt. Immer enger wird der Faden gesponnen bis auch die letzte, scheinbar noch so unwichtige Person dieser Handlung, dieses Refugium betretet und eingefügt wird.
Spielberg spielt keinen Richter obwohl er als Abschlussbild die noch vorhandenen Türme des World Trade Center zeigt. Er versucht neutral zu bleiben, ohne eine Stellung zu beziehen. Dieses Bild des WTC. weist nur als Mahnmal für die anhaltende Krise in unserer Welt hin. Der Zuseher sollte sich einfach in den Bann des Filmes ziehen lassen und davon absehen Schuldige zu finden. Und das ist mit Sicherheit auch Steven Spielbergs begehr.
Die großartig schauspielerischen Leistungen sind Personen zu verdanken, dessen Gesichter noch nicht zu oft verwendet wurden. Keine Top Stars und doch Mimiken mit Ausdruck. Eric Bana, James Bond Neuling Daniel Graig, Ciara`n Hinds, Hans Zischler und Mathieu Kassovitz agieren als Mossad Agenten mit ungeheurem Engagement. Ein extra Lob gilt auch dem Score, der eindringlich das Gesehene unterstützt. Spielbergs Lieblingskomponist John Williams erschuf eine bedrohlich schöne Komposition voller Gefahren und Leidenschaft. Insgesamt gesehen begibt sich Spielberg mit “ Munich “ auf jenen hohen Level den er stets für sich beansprucht, jedoch bis zuletzt nicht ganz verdient hat.
Fazit:
Beeindruckende wenn auch ein wenig zu lange 164 Minuten. Filmgenuss für Cineasten, Spannung und Performance der Superlative. Spielberg in Bestform !
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