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Shadow of the Sword - Der Henker

  • Informationen zum Film
  • Shadow of the Sword - Der Henker

  • Originaltitel:
    The Headsman
    Genre:
    Drama
    Produktionsländer:
    UK, Österreich, Schweiz, Luxemburg, Ungarn, Deutschland
    Produktionsjahr:
    2005
    Kinostart Österreich:
    20.01.2006
  • Inhalt
  • Tirol, im 16. Jahrhundert. Die beiden befreundeten Waisenkinder Georg (Peter McDonald) und Martin (Nikolaj Coster-Waldau) werden voneinander getrennt. Während Georg eine Erziehung im Kloster angedeiht und er Jahre später zum Prior des örtlichen Klosters berufen wird, erfährt Martin eine Ausbildung zum Soldaten. Er muss in den Krieg ziehen, verliebt sich jedoch in Anna (Anastasia Griffith), die Tochter des Henkers. Sie heiraten und Anna gebiert ihm einen Sohn. Als Annas Vater stirbt, übernimmt Martin seine Position als Scharfrichter. Als Henker ist er nunmehr unantastbar, als auch Außenseiter der Gesellschaft und ausführendes Organ einer Rechtssprechung, die sowohl Georg als auch ihm selber Gewissenskonflikte bereitet. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, ein ernsthafter Konflikt zwischen den beiden Freunden bahnt sich an und die Situation verschärft sich noch deutlicher, als die spanische Inquisition ins Dorf kommt um mit den Feinden der Kirche ein für allemal aufzuräumen...
  • Filmkritik
  • Thematischer Kernpunkt dieses Historiendramas ist die Machtausübung der katholischen Kirche und ihre Folgen auf die handelnden Figuren. Der Film konzentriert sich dabei auf seine beiden Protagonisten Georg (Peter McDonald) und Martin (Nikolaj Coster-Waldau). Obwohl beide, Georg als Prior und Martin als Henker, auf den ersten Blick betrachtet eine gewisse Machtposition innehaben, sind sie letztendlich doch nur Befehlsempfänger eines Machtgefüges, welches bei ihnen selbst zu enden scheint. Die hohen Würdenträger der katholischen Kirche und ihre engen Verflechtungen mit der sog. "weltlichen" Macht des Kaisers geben den Ton an und lassen den beiden keinen Raum für Eigenverantwortung. Ein omnipräsentes Authoritätskonstrukt, gegen das die beiden chancenlos sind und das letztendlich ihr Verderben heraufbeschwört, wobei der Film kaum eine Gelegenheit auslässt die willkürlichen und umenschlichen Vorgehensweisen innerhalb der katholischen Kirche aufzuzeigen und anzukreiden. Die Machthaber, vom Erzbischof abwärts, werden überdies als korrupte und herrschsüchtige Figuren dargestellt, welche die geltende Gesetzteslage primär für die Vertuschung eigener Verfehlungen und für ihren Machterhalt ausnützen. Ein hochgradig paranoider Machtapparat, welcher überall Feinde (Ketzer) wittert und mit kollektiven Trara und psychopathisch anmutender Gewalt wild um sich schlägt, nur um sich dadadurch selbst zu untergraben, indem er sich manipulierbar macht. Ein Szenario, welches "damals wie heute" (Zitat Titlecredits) gleichsam Aktualität in sich birgt. Ruft man sich die jüngsten Handlungsweisen mancher Regierungen im Kampf gegen den Terror in Erinnerung, so ist dieser Punkt wohl nicht ganz von der Hand zu weisen...

    HENKER ist handwerklich überwiegend solide inszeniert. Der Film ist auf visueller Ebene durchwegs ansprechend, bietet einige schöne Bilder, sehenswerte Ausstattung und Kostüme und auch die Musik vermag das Geschehen gekonnt zu begleiten. Lediglich ein paar scheußlich anzusehende "Matte Paintings" (gemalte Bildhintergründe) trüben den sonst positiven, optischen Gesamteindruck. Das liegt auch (aber nicht nur) daran, dass der Lichteinfall zwischen dem Matte Painting und dem Bildvordergrund in keinster Weise harmoniert und daher in Summe kein konsistentes Gesamtbild ergeben kann. Ein weiterer Schwachpunkt ist in der Erzählweise des ersten Aktes zu orten, in dem mehrfach große zeitliche Sprünge auf der Handlungsebene ziemlich banal und unschön in Szene gesetzt wurden, wodurch die Dramaturgie stellenweise etwas holprig wirkt. Hier bewegt sich Regisseur Simon Aeby gefährlich nahe am "Continuity Error" (Anschlußfehler), auf jeden Fall ist aber der Erzählrhytmus des ersten Aktes dadurch erheblich gestört. Die schauspielerischen Leistungen sind überwiegend in Ordnung, aus dem Vollen zu schöpfen vermag aber lediglich ein Lieblingsbösewicht aus den 1980er Jahren (BEVERLY HILLS COP, RAMBO: FIRST BLOOD PART 2) - Steven Berkoff in der zwar etwas eindimensionalen, aber höchst effektiven Rolle des Inquisitors. Peter McDonald ist sichtlich bemüht darum den Zwiespalt seiner Figur auf den Punkt zu bringen, eine Gratwanderung zwischen der Freundschaft, die er für Martin (Nikolaj Coster-Waldau) empfindet und dem Gehorsam, den seine Vorgesetzten ihm abverlangen. Dass er letztendlich damit scheitert ist weniger auf seine schauspielerischen Qualitäten, sondern mehr auf eine Drehbuchschwäche am Ende des dritten Akts zurückzuführen. Über den gesamten Film hinweg wird die freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Männern als zentraler Punkt thematisiert, am Ende jedoch verweigert das Drehbuch eine wesentliche Auflösung seiner Figur, beschränkt sich auf oberflächliche Andeutungen und vermag in keinster Weise die charakterliche "Reise" von Georg auf einen finalen Punkt zu bringen. Schade, dass sich HENKER mit einem so unausgegorenen Ende zufriedengibt, zumal der Film über die gesamte Laufzeit hinweg genau jenes Potenzial deutlich erkennen ließ.

    In Summe ist HENKER zwar eine durchwegs solide Arbeit mit einigen kleinen Unzulänglichkeiten, die aber dennoch inhaltlich wie auch formal interessant anzusehen ist. Leider fehlt es dem Film jedoch in einigen wesentlichen Punkten an jener Konsequenz, welche die roten Fäden des Films am Ende zu einer einheitlichen Essenz zusammenführt. Das Potenzial für Größeres wäre zweifellos vorhanden gewesen...
  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    2,5
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    3,0
    Gesamt:
    3,0
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