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Paradise Now

  • Informationen zum Film
  • Paradise Now

  • Originaltitel:
    Paradise Now
    Genre:
    Krimi, Thriller, Krieg, Drama
    Produktionsländer:
    Frankreich, Deutschland, Niederlande, Israel
    Produktionsjahr:
    2005
    Kinostart Österreich:
    18.11.2005
    Kinostart Deutschland:
    29.09.2005
  • Inhalt
  • Said (Kais Nashef) und Khaled (Ali Suliman) sind Jugendfreunde. Sie leben in den palästinensischen Gebieten mitten im schwelenden Konflikt mit der israelischen Militätgewalt. Mit einem Job als Automechaniker verdienen sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien. Plötzlich werden sie mit der Tatsache vertraut gemacht, dass sie als Märtyrer auserkoren wurden und sich am nächsten Tag als Selbstmordattentäter in Tel Aviv in die Luft sprengen, und dabei so viele Israelis wie möglich mit in den Tod reißen sollen. PARADISE NOW dokumentiert die letzten Stunden vor der Tat. Sie verbringen den Abend bei ihren Familien, immer unter Aufsicht jenes "Freundes", der den Kontakt zur terroristischen Organisation unterhält. Am nächsten Morgen werden sie in einem Unterschlupf der Organisation auf ihre Tat vorbereitet. Es werden Videofilme ihrer vorgefertigten Abschiedsbotschaften gedreht, Fotos gemacht, die sie später auf Plakaten als Märtyrer stilisieren sollen und ihnen werden die tödlichen Sprengstoffgürtel umgeschnallt. Doch die sorgfältig geplante Aktion verläuft nicht wie vorgesehen. Im Verlauf der Ereignisse machen die beiden jungen Männer eine Reise in ihre innersten Überzeugungen und Emotionen durch, die sie letztendlich vor die Frage stellen, ob sie den geplanten Selbstmordanschlag wirklich durchführen wollen...
  • Filmkritik
  • Walk the line -----
    Im Filmjahr 2005 hat das große Hollywood Kino mit dem anspruchsvollen Film eine Gemeinsamkeit: Beide orientieren sich thematisch primär rückwärts und / oder universell. Während der amerikanische Mainstream bewährte Muster in vielen Sequels und Remakes mit neuer Verpackung verkauft, unzählige Biopics sich auf Helden und Antihelden vergangener Tage fokussieren, scheint man auch auf der anderen Seite der filmischen Anspruchsskala nur sehr selten ein Interesse für zeitnahe Themen zu verspüren. So gesehen ist PARADISE NOW der vielleicht wichtigste Film des Jahres. Eines Jahres, welches durch die massive Anzahl von weltweiten Terroranschlägen in trauriger Erinnerung bleiben wird. Der in Israel geborene Regisseur Hany Abu-Assad legt mit seinem Film den Finger genau auf die thematische Wunde des Pulses der Zeit. PARADISE NOW ist in allen Belangen ein kinematographisches Wagnis und für den Regisseur ein höchst fragiler Sitzplatz zwischen den Stühlen. Auf diesen sensiblen Terrain kann man als Filmemacher mehr falsch machen, als man es sich je erträumt hat. Die Stärke von PARADISE NOW liegt in seiner scheinbar schlichten Präzision, seinen Verzicht auf spektakuläre Effekthascherei und seinen differenzierten Zugang zum Thema, der immer einen analytischen Blick fürs Wesentliche erkennen lässt.

    Further down the spiral -----
    Hany Abu-Assad inszeniert die beiden Selbstmordattentäter als Menschen wie du und ich, die aber gezwungen sind inmitten eines politischen und gesellschaftlichen Pulverfasses zu leben, welches sich jederzeit und ohne Vorwarnung entzünden kann. Unterdrückung und Ohnmacht münden in blanken Hass auf die israelische Militärgewalt, welcher von gut organisierten palästinensischen Terrorgruppen ausgenützt wird um neue Selbstmordattentäter zu rekrutieren. Obwohl PARADISE NOW die Motive seiner Hauptfiguren nachvollziehbar macht, vollzieht der Film immer dann einen radikalen Schwenk in die andere Richtung, wenn man als Zuseher in die Versuchung gerät allzu viele Sympathien für die beiden Selbstmordattentäter aufzubringen. Dabei widerspricht er den Ansichten der beiden jungen Männer zwar nicht offensichtlich, hinterfragt aber sehr kritisch die Methoden ihres gewaltsamen Widerstands, welchen sie gewählt haben. Die Stärke von PARADISE NOW liegt ohne Zweifel darin, dass Regisseur und Drehbuchautor Hany Abu-Assad in beiden Richtungen seiner Inszenierung gleichsam überzeugen kann und damit treffsicher die Essenz eines gewalttätigen Teufelskreises herausarbeitet, der über die Jahre eine Unzahl an Todesopfern gefordert hat. PARADISE NOW ist ein sehr präzise ausbalanciertes Werk, welches mit unbeirrbarer Sensibilität für beide Seiten vorgeht ohne sich dabei offensichtlich auf eine davon zu schlagen. Angesichts seines Themas betrachte ich diese Ausgewogenheit zweifellos als inhaltliches und emotionales Kunststück in sich selbst.

    Point of view -----
    PARADISE NOW zeigt sehr einfühlsam, wozu die vergleichsweise plumpe und spektakelorientierte Medienberichterstattung großteils nicht in der Lage ist: Eine geschlossene Argumentationskette zwischen Ursache und Wirkung! Während in der Fernsehberichterstattung die Selbstmordattentäter meist zu religiösen Fanatikern stilisiert und als ultimatives Zerrbild unserer Ängste dämonisiert und beschworen werden, hat PARADISE NOW seine analystische Bestandsaufnahme längst beendet und mit den Endcredits abgeblendet. Der Film zeigt weder spektakuläre Bilder eines Bombenanschlags, noch die frenetische Feier der Täter als Märtyrer, beides Bestandteile medialer Inszenierungen. Damit stellt das Werk unsere, durch Medienberichterstattung dominierte, Realitätswahrnehmung in Frage, erlaubt differenziertere Perspektiven und entlässt den Rezipienten letztendlich mit dem Gefühl, dass Fiktion manchmal realer als die Realität sein kann. Immer wenn so etwas passiert, handelt es sich um großes Kino!
  • Wertungen
  • Story
    5,0
    Musik:
    2,5
    Unterhaltung:
    1,5
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
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